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Veröffentlicht: 30.09.2013, 21:53 Uhr

Zahlungsmittel Was kostet das Geld?

Bargeld gibt es nicht umsonst. Transport und Bearbeitung sind teuer und es bringt keine Zinsen.

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© dapd Teures Bargeld: Ein Bundesbank-Mitarbeiter prüft Teile eines verbrannten Geldscheins

Den Deutschen sagt man gern nach, dass sie sehr sparsam sind. Etwa 11 Prozent des verfügbaren Einkommens legen sie zurück, das ist weit über dem EU-Durchschnitt, der bei etwa 6 Prozent liegt. Bei einer Sache sind die Deutschen aber ganz und gar verschwenderisch: Bargeld. Kein Land auf der Welt ist so sehr verliebt in die glänzenden Münzen und bunten Scheine wie Deutschland. Rein rechnerisch führt jeder Deutsche etwa 103 Euro im eigenen Geldbeutel mit, 5,90 Euro davon sind Münzen. Fragt man aber danach, wie viel Bargeld eigentlich kostet, ist die Antwort oftmals: gar nichts. Das ist aber falsch. Jeder Deutsche zahlt laut einer McKinsey-Studie jährlich etwa 200 Euro für sein Bargeld.

Franz Nestler Folgen:

Theoretisch wäre es für alle – Handel, Banken und Privatleute – am günstigsten, wenn es nur noch Kartenzahlung gebe. Möchte man verstehen, warum das so ist, muss man den Bargeldkreislauf verstehen. Dieser ist total widersinnig: Der Kunde holt Geld von der Bank, um damit in einem Geschäft zu bezahlen. Das Geschäft nimmt dieses Geld wieder und lässt es dann aufwändig zur Bank zurück transportieren, die es dann wieder zum Kunden bringt – ein wenig effizienter Kreislauf, der auf allen Ebenen mit Kosten verbunden ist.

Beachtliche Arbeitszeit für Verwaltung des Bargeldbestandes

Der Handel hält zum Beispiel große Mengen an Wechselgeld in den Läden. Dazu muss aufwendige Sicherheitstechnik installiert werden, die Firmen versichern sich gegen Diebstahl und bezahlen Dienstleister, die in gepanzerten Fahrzeugen das Bargeld anliefern und wieder abholen. Daneben gibt es keine Zinsen auf das gelagerte Geld, aber auch alltägliche Dinge wie falsches Wechselgeld verursachen den Firmen Kosten. Die Arbeitszeit für die Verwaltung des Bargeldbestandes ist daneben auch nicht zu verachten. Insgesamt summieren sich die Verluste für den Handel auf etwa 6,6 Milliarden Euro, heißt es in einer Studie der Steinbeis Hochschule.

Wer nun denkt, die Banken würden mit Bargeld einen großen Reibach machen, irrt. Den auch diese verlieren durch ähnliche Probleme wie der Handel – Geld, welches in den Geldautomaten vorgehalten wird, ist zum Beispiel auch nicht verzinst. Die Verluste für die Banken durch Bargeld liegen so bei etwa 4,5 Milliarden Euro. Gewinner ist die Bundesbank und damit der Staat, die durch das Prägen von Münzen und Scheinen auf der Habenseite ein Plus von 2,5 Milliarden Euro stehen hat.

Finanziell stehen die Bürger auch auf der Verliererseite: Etwa 1,3 Milliarden verlieren sie durch entgangene Zinsen. Aber das Bargeld hat einige Vorteile, die nicht mit Geld aufzuwiegen sind. Zum einen ist es diskriminierungsfrei: Egal ob jemand ein Konto hat oder nicht, jeder kann mit Bargeld zahlen – das wäre in einem Land, welches nur Kartenzahlung akzeptiert, nicht mehr möglich. Außerdem ist es einfach, mit Bargeld zu zahlen, da man keinerlei technische Ausstattung, und vor allem profitiert der Bürger durch die Anonymität. Diese Anonymität kostet aber den Staat auch Geld. Denn die Bezahlungen in der Schattenwirtschaft, die auf etwa 300 Milliarden Euro geschätzt wird, werden mit Bargeld abgewickelt. Eine Abkehr von Scheinen und Münzen würde bis zu 35 Milliarden Euro sparen, schätzt die Steinbeis Hochschule – die restlichen 265 Milliarden würden mit anderen Währungen und Tauschmitteln beglichen werden. Summiert man die Kosten von Handel, Banken und Privatleuten, kommt man auf 12,4 Milliarden Euro – pro Person etwa 155 Euro.

Kleine Münzen mit großen Kosten

Den Deutschen wird man ihr Bargeld aber so schnell nicht abnehmen können. Schon die Pläne der EU-Kommission zur Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen führten hierzulande zu Protesten. Dabei kostet jede der kleinen Münze im Schnitt drei Cent – und ist damit teurer, als sie eigentlich wert ist. In Finnland sowie Belgien und den Niederlanden werden die kleinen Münzen bereits nicht mehr benutzt. Die Unternehmen runden dort die Beträge an der Kasse auf 5 Cent auf. Wer denkt, alles würde dann deutlich teurer werden, liegt falsch. Laut einer Studie der Bundesbank würden Produkte im Schnitt lediglich 0,1 Prozent teurer werden. Ein 10-Euro-Einkauf würde also lediglich einen Cent teurer werden. Damit würde der Nutzen der Abschaffung der kleinsten Münzen am Ende jedem nutzen. In anderen Ländern gibt es zumindest eine Obergrenze für Barzahlungen, so dass man große Beträge nicht bar zahlen kann.

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Ist nun Kartenzahlung günstiger? Die eindeutige Antwort ist: Jein. Die Steinbeis Hochschule kommt zu dem Ergebnis, das jede Zahlung ab 6 Euro, die mit Bargeld bezahlt wird, teurer ist als eine Zahlung mit Karte. Durchschnittlich kostet eine Zahlung mit Bargeld etwa 0,6 Cent, mit der Karte nur die Hälfte. Aber schon eine Angleichung auf EU-Durchschnitt – dort erreichen Kartenzahlungen einen Anteil von etwa 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – könnte den Deutschen Geld sparen. In Deutschland werden nur 7 Prozent so bezahlt.

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