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Veröffentlicht: 29.05.2017, 12:31 Uhr

Geldirrtümer Richtig sparen – so funktioniert’s

Wir finden immerzu Gründe, um mit dem Sparen erst morgen zu beginnen. Mit ein paar Tricks können wir uns überlisten.

von Sebastian Ebert
© Picture-Alliance Sparen ist wichtig - bitte aber richtig

Viele Menschen nehmen sich vor, im nächsten Jahr mehr Sport zu treiben. Ist das neue Jahr da, verbringt man es allerdings doch wieder hauptsächlich auf der Couch. Mit dem Sparen ist es oft ähnlich. Diesen Monat lässt man es sich noch einmal gutgehen, und nächsten Monat legt man dann richtig los, lautet der Vorsatz. Tatsächlich klappt dies nur selten. Um die eigenen Ziele zu erreichen, ist es ganz wesentlich, die Ursachen für diese sogenannte Prokrastination zu verstehen. Die Wissenschaft der Verhaltensökonomie hat viele Maßnahmen entwickelt, um die Verschieberitis in den Griff zu bekommen. Diese Maßnahmen sind oft so simpel wie wirkungsvoll.

Zwischenzeitlich wurde deren Wirksamkeit auch in Finanzfragen untersucht und belegt. Findige Fintech-Start-ups haben einige der Ideen bereits umgesetzt und bieten ihren Nutzern automatisierte Sparregeln. So kann man beispielsweise mit Hilfe einer App verfügen, dass von jeder monatlichen Gehaltsüberweisung zwei Prozent automatisch auf ein Sparkonto weiterüberwiesen werden. Oder man kann bei jeder größeren Kartenzahlung den Betrag aufrunden lassen. Wenn man beispielsweise Schuhe für 67 Euro kauft, kann man die Zahlung auf 70 Euro aufrunden lassen und die Differenz von 3 Euro auf ein Sparkonto überweisen lassen.

Was sind die psychologischen Mechanismen hinter solchen automatisierten Sparregeln? Die grundlegenden Ideen hinter nachhaltigem und erfolgreichem Sparverhalten wurden bereits 2004 von den Ökonomen Shlomo Benartzi und Richard Thaler im sogenannten „Save More Tomorrow“-Programm zusammengefasst. Die Wissenschaftler kooperierten mit mehreren Firmen und konnten zeigen, dass sich die Beiträge der Mitarbeiter zur Altersvorsorge wesentlich steigern lassen, wenn verhaltensökonomische Erkenntnisse im Design des Sparplans berücksichtigt werden.

Die drei wichtigsten psychologischen Tricks

Die drei wichtigsten psychologischen Tricks, die uns das Sparen im Alltag leichter machen (und denen auch die oben genannten Sparregeln genügen), sind die folgenden. Erstens: Das Sparen wird automatisiert. Hierbei macht man sich den sogenannten Default- oder Voreinstellungseffekt zunutze. Das heißt: Wenn man „nichts tut“, wird gespart. Um nicht zu sparen, müsste man die automatische Sparregel dagegen aktiv abschalten. Zahlreiche Studien zeigen, dass wir Menschen ziemlich träge sind und Voreinstellungen folgen.

Dem ist selbst dann so, wenn es um wichtige Entscheidungen wie der Wahl eines Investmentfonds oder gar die Bereitschaft zur Organspende geht. In Ländern, in denen Organspendebereitschaft die Voreinstellung ist, spenden die meisten Menschen ihre Organe. In Ländern wie Deutschland, wo man aktiv werden und einen Organspendeausweis ausfüllen muss, spendet nur eine Minderheit. Dass wir zu träge sind, einen Organspendeausweis zu bestellen und auszufüllen, kostet viele Menschenleben. Und dass wir zu träge sind, regelmäßig eine Überweisung aufs Sparkonto zu machen, kostet viel Geld.

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Zweiter Trick: Das Sparen sollte erst später beginnen. Hiermit überwindet man den sogenannten Present-Bias, der besagt, dass wir unser Wohlbefinden im Hier und Jetzt massiv höher gewichten als das Wohlbefinden in der Zukunft. Daher wählen wir heute das fettige Schnitzel und nehmen uns den gesunden Salat für morgen vor. Wenn wir morgen neu bestellen können, wählen wir aber wieder das fettige Schnitzel. Bekommen wir jedoch automatisch den Salat serviert, weil wir die Bestellung bereits am Vortag aufgegeben haben, bleibt es beim Salat.

Drittens: Das Sparen wird durch bestimmte Ereignisse ausgelöst. Dieser Punkt ist besonders wichtig. Zum Beispiel fällt uns das Sparen einfacher, wenn man die Einzahlungen aufs Sparkonto mit anderen Zahlungen kombiniert betrachtet, besonders wenn diese betragsmäßig groß sind. Warum ist das so?

Die mentale Buchführung

Der richtige Zeitpunkt für automatische Sparüberweisungen ergibt sich aus gleich drei verhaltensökonomischen Konzepten: der mentalen Buchführung, der abnehmenden Empfindlichkeit gegenüber größer werdenden Geldbeträgen (seien sie positiv oder negativ) und der Verlustaversion. Alle drei Ideen sind in der mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Prospekttheorie von Daniel Kahneman und Amos Tversky vereint.

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