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Funkelndes für jedermann : Wie kaufe ich mir einen Diamanten?

So teuer wie ein Mittelklassewagen: Ein rein weißer Diamant mit einem Gewicht von einem Karat kostet ungefähr 22.000 Euro. Bild: dpa

Diamanten kann sich jetzt jeder leisten. Ein Karat ist so billig wie lange nicht mehr. Doch die Geldanlage in Brillis hat auch ihre Tücken.

          Liebhabern von Diamanten konnte in den vergangenen Wochen Hören und Sehen vergehen. Geradezu irrwitzig muteten die Preise an, die zuletzt bei Versteigerungen für die heiß begehrten farbigen Diamanten aufgerufen wurden. Erst brachte Sotheby’s in Genf einen rosa schimmernden, 15,38 Karat schweren „Fancy Vivid Pink“ für den Rekordpreis von 28 Millionen Euro an den Mann (oder an die Frau - der Käufer blieb in diesem Fall anonym). Tags darauf versteigerte Christie’s, ebenfalls in der Schweiz, den strahlend blauen und 14,62 Karat schweren „Oppenheimer Blue“ für rund 52 Millionen Dollar. Dies war der höchste Preis, der jemals auf einer Auktion für einen Diamanten bezahlt wurde. Derart einzigartige Objekte, die in deutlich weniger Bergwerken zutage gefördert werden als weiße Diamanten, finden stets einen schwerreichen Käufer - ähnlich wie Gemälde von Picasso oder van Gogh, die überraschend auf dem Kunstmarkt auftauchen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für Privatanleger, die angesichts von Niedrigzinsen zunehmend in Sachwerten investieren wollen, sind farbige Diamanten zwar unerschwinglich. Gleichwohl bietet sich auch ihnen die Möglichkeit, für eine gewisse Summe einen wertvollen Stein zu erwerben, als mittel- bis langfristige Kapitalanlage für sich oder für die Kinder und Kindeskinder. Ein rein weißer Diamant von exzellenter Farb- und Schliffqualität und einem Gewicht von einem Karat (0,2 Gramm) kostet ungefähr so viel wie ein Mittelklassewagen; aktuell sind es rund 22.000 Euro und damit weniger als in den zurückliegenden fünf Jahren. Bezahlt werden muss bei Online-Händlern im Voraus. Beim Juwelier des Vertrauens bekommt man Diamantschmuck schneller, er ist aber auch deutlich teurer. Anders als beim Gold, dessen Wert sich einzig am Gewicht bemisst, gibt es bei Diamanten vier Kriterien, die über den Preis entscheiden. Man nennt sie die vier Cs: Carat (also das Gewicht), Cut (Schliff), Clarity (Reinheit) und Colour (Farbe). Für einen Laien ist es unmöglich, die Qualität eines edlen Steines mit bloßem Auge zu erkennen. Von daher ist ein Experte vonnöten, der auch ein fünftes „C“ beurteilen kann: Ein Zertifikat („Certificate“) bescheinigt, dass ein Diamant echt und hochwertig ist.

          Zwar stellen verschiedene seriöse Diamantlabore solche Zertifikate aus, doch rund um die Welt anerkannt ist vor allem eines: jenes des Gemological Institute of America (GIA). Das GIA-Zertifikat wird mit einem Laser in den Diamanten eingraviert und ist nur unter zehnfacher Vergrößerung erkennbar. Das ist bei jedem anerkannten Labor so üblich. Das allgemein gültige Zertifikat ist auch dann von Bedeutung, wenn sich der Besitzer wieder von seinem Stein trennen will.

          Für den Sparstrumpf nicht geeignet

          Ulrich Freiesleben, der auf seiner Online-Plattform diamondax.com Diamanten an- und verkauft, rät allerdings dazu, mit hochwertigen Steinen nicht zu handeln wie mit Wertpapieren. „Einen Diamanten nach einem halben Jahr wieder zu verkaufen und dafür in Aktien zu gehen, das sollte man tunlichst vermeiden“, sagt Freiesleben. Mindestens vier Jahre, am besten aber deutlich länger, sollte man warten, ehe man sich von einem Diamanten wieder trennt.

          Bild: F.A.Z.

          Der kurzfristige Handel kann für einen Privatanleger teuer werden: Für Diamanten fallen beim Erwerb im deutschen Einzelhandel 19 Prozent Mehrwertsteuer an, die erst einmal durch Kurssteigerungen wieder hereingeholt werden müssen. Außerdem ist darauf zu achten, dass ein Einkaräter nicht zu schwer ist: Dessen Gewicht sollte 1,03 bis 1,04 Karat betragen, also einen kleinen Sicherheitspuffer haben, damit der eine Karat auf allen Waagen der Welt gleichermaßen gültig messbar ist. Erwirbt ein Anleger dagegen einen Stein im Wert von 1,09 Karat, so wird er beim Rück- oder Weiterverkauf mit einiger Sicherheit einen Verlust erleiden: Denn ein Händler wird lediglich das üblicherweise nachgefragte Gewicht von maximal 1,04 Karat bezahlen.

          Wahrscheinlich ist, dass sich der Diamantenpreis in Zukunft wieder nach oben entwickelt, so dass Anleger, die sich jetzt einen edlen Stein leisten, künftig einiges an Rendite erwarten dürfen. Denn während das Angebot an Diamanten zurückgeht, steigt die Nachfrage vor allem aus dem Schmuckhandel. Spätestens von 2018 an, so schreibt die Unternehmensberatung Bain & Company in ihrem jüngsten Marktreport, werden die vorhandenen Minen langsam ausgeschöpft sein. Neue Vorkommen, vor allem in Hauptförderländern wie Botswana, Russland, Australien oder Kanada, seien kaum zu erwarten. Dagegen wird laut Bain die Nachfrage nach Diamanten bis 2030 um jährlich drei bis vier Prozent steigen. Vor allem bei Amerikanern, mit einem Weltmarktanteil von rund 35 Prozent die größten Abnehmer, sowie bei Chinesen und Indern bleibt Diamantschmuck äußerst beliebt.

          Sollten allerdings diese Käufer irgendwann wieder die Lust am teuren Geschmeide verlieren oder es ihnen schlicht an Geld mangeln, geriete der Preis stark unter Druck. Deshalb sollte sich jeder Privatanleger gut überlegen, ob er sich einen Diamanten als Investment gönnen will. „Für den Sparstrumpf sind Diamanten sicher nicht geeignet“, sagt Freiesleben. Sie passen eher zu jenen Anlegern, die schon Immobilien, Gold und Oldtimer besitzen und ihr Portfolio um eine kostbare Kleinigkeit erweitern wollen.

          Quelle: F.A.S.

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