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Elterngeld Plus : Mehr Geld für junge Eltern

Ein Vater füttert seinen Sohn: Teilzeitarbeit soll für junge Eltern finanziell attraktiver werden. Bild: dpa

Vom 1. Juli an gibt es das „Elterngeld Plus“. Teilzeitarbeit soll dadurch für junge Eltern finanziell attraktiver werden. Wie profitiert man davon am meisten?

          Von kommender Woche an soll Teilzeitarbeit für junge Eltern finanziell attraktiver werden. Alle Eltern, deren Kinder nach dem 30.Juni geboren werden, können das neue „Elterngeld Plus“ beantragen. Es soll die Nachteile eliminieren, die Teilzeitarbeiter bisher mit dem normalen Elterngeld haben. Derzeit kann es Teilzeitkräften noch passieren, dass sie über die ganze Bezugsdauer ein Drittel weniger Elterngeld bekommen als die, die nicht arbeiten (siehe Grafik). Künftig bekommen sie die gleiche Summe.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das klassische Elterngeld wird in der Regel höchstens zwölf Monate ab Geburt gewährt. Nimmt auch der Partner eine Auszeit für die Kinderbetreuung, kommen zwei weitere Monate hinzu (Vätermonate). Das gilt auch, wenn der in Teilzeit arbeitet. Möglich ist derzeit auch, das Elterngeld doppelt so lang in halber Höhe auszahlen zu lassen. Das ist auch das Grundprinzip des neuen „Elterngeld Plus“. Pro Monat gibt es für Teilzeitbeschäftigte mit Kindern dann aber mehr Geld als beim bisherigen Elterngeld.

          Kombi-Modelle möglich

          Das „Elterngeld Plus“ ist generell halb so hoch wie das Elterngeld, das man ohne Arbeit bekäme, ersetzt aber höchstens den Einkommensausfall durch die Teilzeit. Es wird dafür doppelt so lang gewährt. Bedingung: Mehr als 30 Wochenstunden sind nicht erlaubt. Die Zeit, in der Mutterschaftsgeld gezahlt wird (meist zwei Monate), muss abgezogen werden. Im Extremfall (ohne Mutterschaftsgeld) kann Elterngeld Plus 24 Monate, mit Vätermonaten 28 Monate lang bezogen werden. Es geht sogar noch länger: Arbeiten beide Eltern parallel mindestens vier Monate zwischen 25 und 30 Wochenstunden, gibt es von nun an einen „Partnerschaftsbonus“ von vier Monaten obendrauf. Dann könnten Eltern bis zu 32 Monate staatlich unterstützt in Teilzeit arbeiten. Diesen Bonus gibt es unabhängig vom „Elterngeld Plus“ für alle, auch für die, die vorher oder nachher normales Elterngeld beziehen, weil sie nicht arbeiten.

          Vater und Mutter können die beiden Elterngeld-Varianten auch kombinieren. Ein Monat Elterngeld wird dann zu zwei Monaten Elterngeld Plus. Ein Elternteil könnte also zum Beispiel sechs Monate komplett zu Hause bleiben und dann volles Elterngeld beziehen. Und die folgenden zwölf Monate während einer Teilzeitarbeit „Elterngeld Plus“ und damit das halbe Elterngeld in Anspruch nehmen. Die Eltern können sich auch die Betreuung teilen. Arbeiten beide gleichzeitig in Teilzeit, können sie nun 14 Monate (statt bisher sieben) „Elterngeld Plus“ beziehen. Ihr gewähltes Modell können die Eltern während der Laufzeit ändern.

          Mit Betreuungsgeld zusammen möglich

          Das klassische Elterngeld ersetzt mindestens 65 Prozent des letzten Nettogehalts (wenn es mehr als 1240 Euro im Monat beträgt): Je geringer das Gehalt, desto höher der Prozentsatz. Es werden höchstens 1800 Euro bezahlt und mindestens 300 Euro, auch wenn der Elternteil vorher gar nichts verdiente (zum Beispiel als Student oder Arbeitsloser). Beim „Elterngeld Plus“ halbieren sich auch diese Grenzbeträge. Familien mit mehreren kleinen Kindern erhalten einen Geschwisterbonus in Höhe von zehn Prozent des sonst zustehenden Elterngeldes, mindestens aber 75 Euro im Monat. Bei einer Mehrlingsgeburt erhöht sich das Elterngeld um 300 Euro für das zweite und jedes weitere Kind. Elterngeld und „Elterngeld Plus“ werden beim Arbeitslosengeld II, bei der Sozialhilfe und beim Bafög ganz oder in Teilen angerechnet. Das Betreuungsgeld darf ab dem 15. Lebensmonat des Kindes zusammen mit „Elterngeld Plus“ bezogen werden, aber weiterhin nicht mit dem normalen Elterngeld.

          Da das Nettogehalt achteinhalb Monate vor Geburt entscheidend für die Höhe des Elterngeldes ist, lohnt es sich, sofort nach Beginn der Schwangerschaft die beste Steuerklasse zu wählen, um das Nettogehalt zu erhöhen. So könnte sich ein Wechsel der Klasse von V auf III anbieten. Auch Selbständige und Alleinerziehende können das „Elterngeld Plus“ beziehen. Alleinerziehende bekommen auch den Partnerschaftsbonus von vier Monaten, wenn sie ebenfalls für mindestens vier Monate 25 bis 30 Wochenstunden in Teilzeit arbeiten.

          Neben der Einführung des „Elterngeld Plus“ wird auch die Elternzeitregelung erleichtert. Zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes können Eltern nun eine unbezahlte Auszeit von 24 statt bisher 12 Monaten beantragen, eine Zustimmung des Arbeitgebers ist nicht notwendig. Die Elternzeit nach dem 3. Geburtstag muss 13 Wochen vorher angemeldet werden, davor nur sieben Wochen. Sie darf nun in drei statt bisher nur zwei Abschnitte aufgeteilt werden.

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