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Nur für P&R-Anleger : Warum nicht jeder auf die Gläubigerversammlung darf

Teilnehmer der Gläubigerversammlung im Millardenbetrugsfall P&R stehen an der Olympiahalle im Olympiapark. Bild: dpa

Gleich zwei Tage wird die Gläubigerversammlung des insolventen Containervermittlers P&R dauern. Die Öffentlichkeit bleibt wie üblich draußen.

          Es handelt sich um eine Gläubigerversammlung, die den Rahmen des Üblichen sprengen wird. An diesem Mittwoch und Donnerstag treffen sich rund 9000 Anleger der zusammengebrochenen Münchner Investmentgesellschaft P&R.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ihnen wird Insolvenzverwalter Michael Jaffé Auskunft erteilen, ob sie von ihrem Geld jemals etwas wiedersehen werden. Ort dieser Gläubigerversammlung ist die Münchner Olympiahalle, wo ansonsten Popkonzerte oder Sportveranstaltungen stattfinden.

          Grundsätzlich nicht-öffentlich

          Doch die Öffentlichkeit und damit Vertreter der Medien dürfen daran nicht teilnehmen, obwohl der hohe Fehlbestand von einer Million fehlender Schiffscontainer und die Rolle der Finanzaufsicht Bafin in einem der größten Anlageskandale Deutschlands durchaus im öffentlichen Interesse stehen.

          Ein Sprecher des Amtsgerichts München, das für die Insolvenz des Schiffscontainervermieters und damit für die Gläubigerversammlung zuständig ist, verweist darauf, dass diese Treffen stets nichtöffentlich sind. In der Insolvenzordnung findet sich unter Paragraph 74, Absatz 1, dass zur Teilnahme an der Gläubigerversammlung alle Gläubiger, der Insolvenzverwalter, die Mitglieder des Gläubigerausschusses und der Schuldner berechtigt sind.

          Schutz von Gläubigern und Unternehmen

          Nach Angaben des Gerichtssprechers hat es bislang noch keine öffentliche Gläubigerversammlung gegeben. Das war auch beim Windparkbetreiber Prokon nicht der Fall. Im Juli 2014 hatten sich rund 5000 Gläubiger in der Hamburger Messehalle getroffen.

          Der Sprecher des Amtsgerichts München verwies darauf, dass verschiedene P&R-Gläubiger gegenüber Insolvenzverwaltern im Vorfeld ihre Sorge zum Ausdruck gebracht hätten, identifizierbar dargestellt zu werden. Die Anleger fürchten offenbar Bildaufnahmen von der Veranstaltung, in denen sie später im Fernsehen zu erkennen sind.

          Daneben sind Gläubigerversammlungen auch zum Schutz des sich in Zahlungsschwierigkeiten befindlichen Unternehmens nichtöffentlich. Denn dann stehen auch Geschäftsgeheimnisse zur Diskussion, die nicht für Konkurrenten gedacht sind.

          Jeder zweite P&R-Gläubiger ist älter als 60 Jahre, jeder dritte sogar älter als 70 Jahre. Rund 54.000 Privatanleger hatten der Anlagegesellschaft 3,5 Milliarden Euro anvertraut. Der größte Teil der Gelder dürfte verloren sein. Von den 1,6 Million verkauften Schiffscontainern fehlen eine Million. Insolvenzverwalter Jaffé wird den Anlegern am Mittwoch auch darüber Auskunft geben, welche Möglichkeiten es zur Verwertung der Insolvenzmasse gibt.

          Im Vorfeld ließ Jaffé verlauten, dass er einen schnellen Verkauf der vorhandenen knapp 630.000 Schiffscontainer nicht für sinnvoll halte. Die erste Abschlagszahlung sei für das Jahr 2020 geplant.

          Die P&R-Pleite könnte mit einem möglichen Schaden von bis zu zwei Milliarden Euro nach dem Flowtex-Skandal in den 1990er Jahren der zweitgrößte Betrugsfall seit 1945 sein.

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