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„Spitze des Eisbergs“? : Peinliches Urteil gegen Deutsche Bank

Der Weg aus der Dunkelheit ist offenbar lang. Bild: Reuters

Deutsche-Bank-Chef John Cryan nannte kürzlich die Reputation der Bank „das wertvollste Gut“ des Hauses. Ein Urteil in Heilbronn spricht gerade eine andere Sprache.

          Ein Gerichtsurteil wirft die Frage auf, wie ernst es der Deutschen Bank mit dem Kulturwandel wirklich ist. Vordergründig geht es um eine Anlegerklage wegen eines Schiffsfonds: Das Landgericht Heilbronn hat die Bank zur Zahlung von 14.300 Euro verurteilt, die Anlage muss abgewickelt werden. Spannender ist jedoch, dass das Gericht der Bank in dem dieser Zeitung vorliegenden Urteilstext einen versuchten Prozessbetrug vorwirft.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

          In der Dokumentation hatte die Bank nämlich festgehalten, dass die Übergabe des Prospektes erst am Tag der Zeichnung erfolgte – zu spät zum Durchlesen. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs verlangt nämlich einer frühere Übergabe dieser Unterlagen. Im Prozess habe die Bank denn auch ein abweichendes Datum genannt – diese Behauptung „ist ein versuchter Prozessbetrug“, schreibt das Landgericht in der Urteilsbegründung (Az.: Bi 6 O 154/17). Es hält das dokumentierte Übergabedatum für wahr.

          Dietmar Kälberer von der Kanzlei Kälberer und Tittel geht davon aus, dass dieses – noch nicht rechtskräftige – Urteil nur die „Spitze des Eisbergs“ sei. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hatte kürzlich erst in einem Entschuldigungsbrief die Reputation des Instituts als „das wertvollste Gut der Deutschen Bank“ hochgehalten. Bei der Bank heißt es nun, man wolle das Urteil nicht kommentieren. Es gehe um „Interpretationsfragen“. Allerdings werde man dem Vorwurf natürlich „nachgehen und untersuchen“, sagte ein Sprecher. Dieser betonte zudem, es handele sich nur um eine Passage in einem Zivilurteil, nicht um staatsanwaltliche Ermittlungen.

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