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Immer mehr Geld : So viele neue Millionäre gibt es in Deutschland

Stadtvillen in Dresden Bild: Caro / Eckelt

Der Club der Reichen hierzulande wächst – und könnte in den nächsten Jahren noch deutlich größer werden. Denn besonders eine Sache erweist sich für die Deutschen derzeit als hochprofitabel.

          Der Club der Millionäre in Deutschland ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen. Nach Schätzung der Schweizer Großbank Credit Suisse gab es zur Jahresmitte hierzulande 2,1 Millionen Einwohner, die sich in Dollar gerechnet über ein Vermögen in zumindest siebenstelliger Höhe freuen können. Das waren 253.000 Millionäre mehr als ein Jahr zuvor.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          In den nächsten fünf Jahren könnte die Millionärsliste noch deutlich länger werden. Das prognostiziert jedenfalls Credit Suisse. Für das Jahr 2023 rechnen die Analysten mit 3,077 Millionen Millionären in Deutschland – also ein satter Zuwachs um 41 Prozent. Die Zahlen sind im neuen Global Wealth Report der Großbank enthalten. Die jährlich veröffentlichte Analyse zeichnet die Vermögensentwicklung quer durch die Gesellschaft in rund 200 Ländern nach.

          Die Deutschen arbeiten, ihr Geld nicht

          Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung lautet: Reicher sind die Deutschen in letzter Zeit vor allem mit Immobilienbesitz geworden. Einerseits, weil die Hauspreise in Deutschland stärker gestiegen sind als in manch anderem Land. Um 7 Prozent legten sie laut Credit Suisse binnen eines Jahres zu. Andererseits, weil die Deutschen einen großen Batzen ihres Vermögens in Immobilen investiert haben – also von den steigenden Preisen im Häusermarkt besonders stark profitieren. Laut Studie entfällt auf reale Vermögenswerte, womit in erster Linie Immobilien gemeint sind, ein Anteil von 59 Prozent am Gesamtvermögen der Deutschen.

          Dass Immobilien wichtig sind für die Vermögensbildung der Deutschen, zeigt auch der Vergleich der Credit-Suisse-Studie mit einer ähnlichen Untersuchung der Allianz. Der Münchner Versicherungskonzern stellte den Deutschen in seinem eigenen Vermögensbericht kürzlich ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus: „Die Deutschen arbeiten für ihr Geld, aber sie lassen ihr Geld nicht für sich arbeiten“, bilanzierte der Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Laut Allianz sparen die Bundesbürger zwar fleißig, sie legten ihr Geld aber vergleichsweise wenig rentabel an. Sie mögen laut Allianz noch immer Bankeinlagen, die seit längerem nur noch Magerrenditen bringen.

          International im Nachteil

          Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Untersuchungen ist allerdings: Die Allianz blickt nur auf die Geldvermögen der privaten Haushalte – Immobilien und andere Realwerte bleiben außen vor. Credit Suisse dagegen nimmt eine umfassendere Bewertung vor und bezieht neben Finanzanlagen auch reale Vermögenswerte mit ein. Die Ergebnisse der Schweizer Analysten legen damit nahe: Unterm Strich hatten die Deutschen zumindest zuletzt wohl doch kein so schlechtes Händchen bei der Vermögensbildung – eben dank der stattlichen Wertzuwächse im Immobilienmarkt.

          Andererseits zeigt die Analyse aber auch, dass der Vermögensbestand anderswo größer ist als in Deutschland. Dies wiederum könnte darauf hindeuten, dass die Deutschen längerfristig gesehen ihre Vermögen weniger geschickt gemehrt haben als andere. Rechnerisch kommt jeder erwachsene Deutsche demnach auf ein durchschnittliches Vermögen von knapp 215.000 Dollar. In Großbritannien liegt der Mittelwert dagegen bei 279000 Dollar, in den Vereinigten Staaten bei 404.000 Dollar und in der Schweiz sogar bei 530.000 Dollar.

          Und wie groß ist die Lücke zwischen Reich und Arm in Deutschland? Nach Einschätzung der Fachleute von Credit Suisse ist die Ungleichverteilung der deutschen Vermögen im internationalen Vergleich jedenfalls „nicht extrem“. Anderswo sei der Graben tiefer.

          Allerdings: Die Analysten schätzen, dass auch hierzulande die 1 Prozent Reichsten im Land 30 Prozent des Gesamtvermögens kontrollieren. Umgekehrt verfügten 41 Prozent der Deutschen über ein Nettovermögen von weniger als 10.000 Dollar – umgerechnet also von weniger als 8700 Euro.

          Auch in anderen Ländern wächst die Zahl der Reichen: In den Vereinigten Staaten von Amerika stieg die Zahl der Millionäre binnen eines Jahres um 878.000 auf 17,35 Millionen Personen. Auch in Frankreich und Großbritannien wuchs diese Gruppe mit großen Vermögen prozentual zweistellig.

          Doch nicht überall auf der Welt gibt es jedes Jahr immer mehr Reiche: Im wirtschaftlich gebeutelten Brasilien beispielsweise schrumpfte die Zahl der Personen mit einem Vermögen von mindestens 1 Million Dollar. Auch in Australien, Schweden, der Türkei und Argentinien gibt es nach Schätzung der Analysten heute weniger Millionäre als vor einem Jahr.

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