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Regeln ärgern Bankkunden : Der Beratungswahnsinn

Wer seinen Bankberater trifft, braucht Geduld: Zwei Stunden kann das Erstgespräch zur Depoteröffnung locker dauern – dem Gesetzgeber sei Dank. Bild: Picture-Alliance

Indiskrete Fragen, Gesprächsmitschnitte und kiloweise Papier: Nie war es für Sparer so unangenehm wie heute, mit dem Bankberater zu sprechen.

          Der Bankvorstand, der Name tut hier nichts zur Sache, war eben noch in aufgeräumter Stimmung. Ein angenehmer Gesprächspartner, wortgewandt und witzig. Ganz plötzlich aber bekommt er schlechte Laune. Eine einzige, vermeintlich harmlose Frage reicht dafür aus: „Wie läuft es denn eigentlich mit der Mifid-II-Umstellung?“ Die Miene verdüstert sich, die Antwort ist deutlich: „Die Kunden hassen Mifid II – und wir hassen es auch.“

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mifid II ist der abschreckende Name einer neuen EU-Richtlinie, die seit Januar dieses Jahres in Kraft ist und die eigentlich ein löbliches Ziel verfolgt: Sie soll Sparer und Anleger vor schlechter Beratung in der Bank schützen. Hass hervorzurufen war selbstverständlich nicht ihr Ziel. Spricht man Bankvorstände im Vertrauen auf die Richtlinie an, erlebt man jedoch fast immer die gleiche Reaktion – einhellige Ablehnung. „Am liebsten würde ich unseren Kunden sagen: Lest den ganzen mit Mifid II verbundenen Papierkram nicht, das bringt sowieso nichts“, sagt einer.

          „Mifid II schießt weit über das Ziel hinaus“

          Öffentlich wagt natürlich niemand, dies so deutlich zu formulieren. Banken haben derzeit in Deutschland einen schweren Stand. Dafür muss man sie nicht bedauern, sie haben sich das selbst eingebrockt: Noch immer ist nicht vergeben und vergessen, dass vor der Finanzkrise 2008 viele Banken nach Lust und Laune vermeintliche Wertpapiere verkauften, die für bestimmte Kunden überhaupt nicht geeignet waren.

          In Erinnerung geblieben ist die „Lehman-Oma“. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine reale Person, sondern um einen bestimmten Anlegertypus: älter, mit wenig Erfahrung an der Börse und doch im Besitz jener unheilbringenden Zertifikate der Investmentbank Lehman Brothers, die nach der Pleite der Bank im September 2008 ausfielen. Verkauft hatten diese Zertifikate nicht selten die Bankberater der örtlichen Sparkassen.

          Es hat auch mit diesem selbstverschuldeten Vertrauensverlust zu tun, dass die Banken ihre Kritik an Mifid II bislang nur sehr vorsichtig nach außen tragen. Allein Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und im Hauptberuf Chef der Privatbank Berenberg, spricht Klartext. Er sagt: „Mifid II schießt weit über das Ziel hinaus. Manche unserer Kunden fühlen sich durch die Richtlinie bevormundet, dabei sollte sie doch eigentlich dem Anlegerschutz dienen.“

          Geldanlage ausgetrieben

          Nun könnten einen solche Worte misstrauisch machen. Natürlich beschweren sich Banken über Eingriffe in ihr Geschäft, wie sollte es auch anders sein. Die vermeintlich kostenlose Beratung in der Bank ist schließlich in Wahrheit schon immer ein Verkaufsgespräch gewesen, bei dem die Bank ihre Produkte (zum Beispiel ein Wertpapierdepot) anpreist.

          Aber es sind eben nicht nur die Banken, denen die neuen Regeln übel aufstoßen. Sondern im mindestens gleichen Maße gilt das für die Kunden. Spöttisch könnte man sagen: Wenn es das Ziel der neuen Richtlinie gewesen sein sollte, den Deutschen – ohnehin kein sehr börsenafines Volk – auch noch die letzte Freude an der Geldanlage zu nehmen, dann ist das wohl geglückt.

          Ernster formuliert, muss man es so ausdrücken: Aus der guten Absicht der EU ist ein Programm zur Gängelung der Sparer geworden, das es in sich hat. Was sich derzeit in Deutschlands Bankfilialen oder am Telefon mit dem Berater abspielt, sind haarsträubende Eingriffe in die Entscheidungsfreiheit der Kunden. Und das liegt, anders als in früheren Zeiten, nur in den seltensten Fällen an den Banken.

          Kein freies Gespräch möglich

          Um mit dem größten Ärgernis zu beginnen: Im Telefongespräch zwischen Kunde und Berater ereignen sich regelrecht absurde Situationen. Manche Kunden werfen ihren Beratern mitunter Ausdrücke an den Kopf, die man in der Zeitung so nicht wiederholen kann. Grund für den Ärger ist aber nicht etwa ein schlechter Anlagetipp, sondern ein Kernelement von Mifid II: Die Banken sind verpflichtet, jedes Telefongespräch zwischen Berater und Kunde aufzuzeichnen, wenn das Gespräch dazu führen könnte, dass der Kunde ein bestimmtes Wertpapier wie Aktien, Anleihen oder Fonds kauft oder verkauft.

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