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Zinspilot : Tagesgeld-Hopping leicht gemacht

Peter Thiel Bild: dpa

Der Facebook-Milliardär Peter Thiel steigt bei einem deutschem Fintech-Startup ein. Die Idee: Kunden sollen immer den höchsten Tagesgeld-Zins bekommen.

          Der amerikanische Investor Peter Thiel, der mit der Gründung des Bezahldienstes Paypal und einer Beteiligung an Facebook zum Milliardär geworden ist, beteiligt sich nach Informationen dieser Zeitung an einem deutschen Tagesgeld-Fintech. Thiel steigt mit einer Million Euro bei dem vergleichsweise kleinen Hamburger Unternehmen Deposit Solutions ein, das die Internetplattform „Zinspilot“ betreibt. Dieses Unternehmen, an dem die Otto-Gruppe beteiligt ist, will es Sparern ermöglichen, einfacher „Tagesgeld-Hopping“ zu betreiben.

          Die Idee: Millionen Deutsche haben vor einigen Jahren das Tagesgeldkonto als Form der Geldanlage entdeckt, bei der man flexibel bleibt und trotzdem Zinsen bekommt. Allerdings müssen Sparer heute dafür ihr Geld oft von einer Bank zur nächsten bringen, weil viele Banken halbwegs erträgliche Zinsen wenn überhaupt nur für Neukunden anbieten. Die Plattform Zinspilot will es nun ermöglichen, dass man nur einmal ein Konto anmelden und sein Geld dann immer zur Bank mit den höchsten Zinsen transferieren kann.

          Nur wenige Banken machen mit

          Der Haken bei der Sache ist bislang, dass dieses Geschäftsmodell nur funktioniert, wenn ausreichend viele Banken mitmachen, und zwar gerade die mit den attraktivsten Zinsen. Da aber viele Banken günstige Tagesgeldzinsen als Lockangebot nutzen, um Kunden zu gewinnen, mit denen sie dann andere, für sie attraktivere Geschäfte machen wollen, sind die Marktführer beim Tagesgeld wie die ING Diba, aber auch Großbanken wie die Commerzbank bislang nicht dabei.

          Aktuell kommt Zinspilot auf vier Banken, deren Zinsangebote über die Plattform genutzt werden können, darunter zwei deutsche, eine aus Österreich und eine aus Malta. Mit vier weiteren soll man sich im Gespräch befinden. Die günstigsten Konditionen, die auf der Plattform angeboten werden, sind derzeit 1,4 Prozent für Tagesgeld, 1,51 Prozent für Festgeld auf ein Jahr angelegt, und 1,66 Prozent für Festgeld auf 36 Monate angelegt.

          Ursprünglich hatte das Unternehmen nur mit deutschen Banken begonnen, hat jetzt aber auch ausländische in sein Angebot aufgenommen, um die Wahlmöglichkeiten zu erweitern. Das Unternehmen versichert, man achte darauf, wen man dabeihabe. Die Konkurrenzplattform Weltsparen hatte für Verunsicherung gesorgt, weil sie mit der Aussicht auf höhere Zinsen Kundengelder auch zu einer portugiesischen und einer bulgarischen Bank geleitet hatte, die in schwere Fahrwasser geraten waren, auch wenn wohl keiner der Kunden Geld verloren hat. Von solchen Praktiken will Zinspilot sich abgrenzen.

          Facebook-Milliardär Thiel hatte sich über das Hamburger Fintech nach einem seiner Vorträge im Gespräch mit Gründer und Unternehmenschef Tim Sievers informiert. Ihn reizte die „offene Architektur“ des Unternehmens, der er grundsätzlich große Chancen und transformatorisches Potential für die gesamte Branche bescheinigte. Deposit Solutions will sein Geschäftsmodell nämlich nicht nur Endkunden schmackhaft machen, sondern auch Banken.

          Die könnten aus unterschiedlichen Gründen ein Interesse daran haben: Banken, die keine Filialen für Privatkunden haben, aber trotzdem gern Einlagen hätten, können die Plattform nutzen, um ohne viel Aufwand an Privatkundengelder zu kommen. Umgekehrt soll es jetzt auch schon Banken geben, denen die Kunden so viele Einlagen bringen, dass sie nicht alles auf ihre Bilanz nehmen wollen. Sie könnten ihren Kunden mit Zinspilot ein Tagesgeldkonto anbieten, ohne selbst Einlagen annehmen zu müssen.

          Quelle: F.A.Z.

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