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Rundum-Sorglos-Paket : Wann sich ein teures Girokonto lohnen kann

  • Aktualisiert am

Banken und Sparkassen werben für Premienkonten – eine Gebühr, alles inklusive. Nicht immer stimmt das und nicht immer lohnt es sich. Aber manchmal eben schon.

          Immer wieder sind Klagen über teure Girokonten zu hören. Und immer seltener finden sich noch kostenlose Konten. Wenn diese also aussterben, stellt sich unweigerlich die Frage, welches Konto das richtige ist. Das, bei dem Dienstleistungen einzeln abgerechnet werden oder ein teures Rundum-Sorglos-Konto, ein sogenanntes „Premiumkonto“?

          Das hat der Online-Makler biallo.de untersucht. Außen vorgelassen wurden dabei Online-Banking-Konten, die vielfach günstiger sind, weil es sich für die Banken dennoch rechnet. 1330 regionale und überregionale Banken und Sparkassen hat Biallo analysiert. 805 Geldhäuser bieten Premiumkonten an.

          „Premium“ mit Extragebühren

          Dabei sind in der Kontogebühr sämtliche Buchungsposten,  Online-Banking und SB-Terminal-Nutzung genauso enthalten wie eine Girocard zumindest für den Kontoinhaber. Und selbstverständlich Dinge wie Überweisungen in Papierform, Ein- und Auszahlungen am Schalter und die persönliche Beratung in Sachen Kredit, Geldanlage und Altersvorsorge.

          Nicht jedes Konto, das die Bezeichnung "Premium" oder einen ähnlich wohlklingenden Namen trug, erfüllte die Voraussetzungen. Trotz Monatspreisen von mehr als zehn Euro stellten Banken Papier-Überweisungen, Bargeldauszahlungen am Schalter oder sogar die Nutzung des SB-Terminals in Rechnung.

          So etwa die Sparkasse Langen-Seligenstadt. Deren Konto "Giro premium" kostet 9,80 Euro im Monat und damit mehr als das Doppelte des "Giro kompakt". Doch neben der Monatsgebühr stellt die Sparkasse noch 50 Cent für Buchungen am SB-Terminal und 1,20 Euro für Buchungen in Rechnung, die beleghaft sind oder am Schalter ausgeführt werden sowie denselben Betrag für Ein- und Auszahlungen an der Kasse. Da dies im eigentlichen Sinn kein Premium-Konto sei, bleib es in der Auswertung von Biallo außen vor wie ähnliche Fälle auch.

          Gute Nachrichten für Bielefeld

          Bundesweit günstigster Anbieter eines Premium-Kontos ist die Stadtsparkasse Rahden. Für ihr „Komfort-Giro“ verlangt sie nur 4,50 Euro im Monat – garantiert bis 2020. Gute Nachrichten also für Bankkunden zwischen Bielefeld und Bremen.

          Die Zitrone geht dagegen ins Hessische. 30 Euro im Monat verlangt die Raiffeisenbank Oberursel. Allerdings ließen sich die Konten nicht richtig vergleichen, räumt Biallo ein. Denn das Oberurselsche Angebot ist mit einer goldenen Kreditkarte so richtig „Premium“. Die braucht aber nicht jeder und das ist in der Mehrheit der Fälle auch so vorgesehen.

          Die Preisspanne bei „nackten“ Premienkonten, ohne Kreditkarte und sonstige Dienstleistungen, liegt zwischen 4,50 und 19,99 Euro bei der Sparkasse Freyung-Grafenau. Und das sei kein Einzelfall, so Biallo. Für eine Kreditkarte werden zusätzlich durchschnittlich 13,53 Euro im Monat berechnet.

          Lockendes Gold

          Bei rund 230 Konten sind Kreditkarten inklusive, bei mehr als der Hälfte sind es Goldkarten, bei rund einem Viertel ist es eine Standardkarte. Diese böten aber meist nur eine reine Zahlungsfunktion. Das sei nur selten sinnvoll, weil sich damit etwa kein Leihwagens anmieten lässt.

          Goldkarten böten dagegen interessante Versicherungen, etwa Reiserücktritts- und Reiseabbruch- oder Auslandsreise-Krankenversicherungen, oft auch mit Extras wie einer fehlenden Altersbegrenzung. Ein Plus sei oft auch eine kostenlose Bargeldversorgung im Ausland. Auch die Preise der Goldkarten-Konten variieren stark. 108,40 Euro verlangt die Hamburger Volksbank im Jahr, 190 Euro die Echterdinger Bank.

          Für wen sich nun ein Premium-Konto lohnt, lasse sich nicht einfach beantworten. Das hänge vor allem von der Preisgestaltung der Banken und Sparkassen vor Ort ab. Je teurer einzelne Dienstleistungen sind, desto eher kann sich ein Premium-Konto lohnen. Wer etwa nur Online-Banking mache, der fahre mit dem herkömmlichen Konto meist günstiger. Wer wenig reise und wenig Banktransaktionen mache, für den lohne sich eher eine Einzelabrechnung. Und dann kommt es natürlich auf den Preisunterschied zwischen klassischem und Premiumkonto an.

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