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Veröffentlicht: 13.06.2017, 18:00 Uhr

Neue Vermögensstudie Die Reichen werden immer reicher

Rund um den Globus steigen die privaten Finanzvermögen. Laut einer neuen Studie weisen manche Länder erstaunliche Quoten an Millionären auf. In Deutschland sieht die Lage anders aus.

von , Zürich
© Getty Was für ein Leben! In Deutschland wohnen fast eine halbe Million Millionäre.

Reich, reicher, Amerika: Nirgendwo wohnen mehr Millionäre als in den Vereinigten Staaten. Dort verfügen gut 7 Millionen Haushalte über ein Vermögen in Millionenhöhe. Mit großem Abstand dahinter folgt China, wo 2,1 Millionen Millionäre leben. Deutschland kommt mit 473.000 Millionären nicht einmal auf ein Viertel dieser Zahl. In der Rangliste, welche die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) am Dienstag in ihrer Studie „Global Wealth 2017“ veröffentlicht hat, steht Deutschland damit auf Platz 6 in der Welt.

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Gemessen an der Zahl der Haushalte in Deutschland, kommen die Millionäre auf einen Anteil von 1,2 Prozent. In der kleinen Schweiz, wo es fast genauso viele Millionärshaushalte gibt wie in Deutschland, beträgt diese Quote hingegen sage und schreibe 13,4 Prozent. Nur im Königreich Bahrein (18,2 Prozent) und im Fürstentum Liechtenstein (16,3 Prozent) ist die Millionärsdichte noch größer. Damit werden die Eidgenossen wieder einmal ihrem Ruf gerecht, zu den wohlhabendsten Völkern der Welt zu gehören.

„Die Vermögensschere geht weiter auf“

Rund um den Globus ist die Zahl der Millionäre im vergangenen Jahr um 8 Prozent auf 17,9 Millionen gestiegen, wobei das größte Plus (11 Prozent) im Raum Asien-Pazifik zu verzeichnen war. Dies spiegelt die starke wirtschaftliche Dynamik in dieser Region. Insgesamt kletterten die privaten Finanzvermögen auf der Welt um 5,3 Prozent auf 166,5 Billionen Dollar. 2015 hatte das Wachstum nur 4,4 Prozent betragen.

Zugleich werden die Reichen immer reicher: „Die Vermögensschere geht weiter auf“, sagte Matthias Naumann, Vorsitzender der BCG Schweiz, im Gespräch mit Journalisten in Zürich. Der Studie zufolge hielten Millionäre 2016 rund 45 (Vorjahr: 44) Prozent des globalen Vermögens in den Händen. Bis zum Jahr 2021 werde dieser Anteil auf 51 Prozent steigen. Zugleich würden die Vermögen durchschnittlich um 6 Prozent im Jahr wachsen und so binnen fünf Jahren auf 223 Billionen Dollar anschwellen, schätzt BCG.

In dieser Prognose sind auch diejenigen Vermögenszuwächse eingerechnet, die sich schlicht aus (unterstellten) Kursgewinnen an den Börsen ergeben. Rückblickend auf die vergangenen fünf Jahre macht dieser Faktor mehr als die Hälfte des von Boston Consulting ermittelten Vermögenswachstums aus. Daneben spielen das Wirtschaftswachstum, also echt neu geschaffenes Vermögen, und die Sparquote eine Rolle.

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Im Raum Asien-Pazifik (also ohne Japan) werden die Vermögen laut Boston Consulting bis 2021 jährlich um fast 10 Prozent auf 61,6 Billionen Dollar klettern. Nur in Nordamerika werde der Reichtum zu diesem Zeitpunkt noch höher sein, während Westeuropa hinter Asien-Pazifik auf Platz 3 zurückfallen werde. Im vergangenen Jahr habe die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit die Dynamik in Westeuropa gebremst, schreiben die Studienautoren. Matthias Naumann erwartet aber nicht, dass internationale Kunden infolge des Brexits in den nächsten Jahren Teile ihres Vermögens aus Großbritannien abziehen. Das Vereinigte Königreich ist hinter den Vereinigten Staaten und vor der Schweiz die zweitgrößte Sammelstelle für Vermögen.

Banken in der Schweiz unter Druck

In Deutschland ist das private Finanzvermögen, das sich aus Bargeld, Aktien, Wertpapieren und Fonds zusammensetzt, 2016 nur um 3,7 Prozent auf 6,3 Billionen Dollar gestiegen. Damit blieben die Deutschen deutlich hinter dem globalen Durchschnittswachstum zurück. Dies erklärt der BCG-Partner Daniel Kessler mit der starken Sparneigung der Deutschen. Nur eine Minderheit lege ihr Geld in Aktien an. „Das sorgt zwar für größere Stabilität, führt aber auch dazu, dass sich Privatvermögen in Deutschland langsamer entwickeln.“

Die in aller Welt wachsenden Vermögen eröffnen den Banken erhebliche Geschäftschancen: „In den nächsten fünf Jahren werden mehr als 400 Billionen Dollar in Bewegung kommen“, sagte Naumann. Diese Summe setzt sich aus vererbten Vermögen, Pensionszahlungen, Unternehmensverkäufen und neuen Geldanlagen jenseits der jeweiligen Kundenheimat (Offshore) zusammen. Davon werde auch die Schweiz als nach wie vor größtes Offshore-Finanzzentrum der Welt profitieren.

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Tatsächlich scheint der große Aderlass, den viele Schweizer Vermögensverwalter nach dem erzwungenen Ende des Bankgeheimnisses hinnehmen mussten, inzwischen weitgehend vorbei zu sein. Die Zuflüsse von Anlagegeldern aus dem Ausland, inklusive Deutschland, sind in vielen Fällen wieder größer als die Abflüsse infolge der Auflösung alter Schwarzgeldkonten. Als Hauptgründe hierfür nannte Naumann die Rechtssicherheit sowie die finanzielle und politische Stabilität der Schweiz. Diese Faktoren gewönnen in geopolitisch unsicheren Zeiten zusätzlich an Gewicht.

Das bedeutet freilich nicht, dass alle Schweizer Banken rosigen Zeiten entgegensehen. Im Gegenteil: Unter dem Druck sinkender Margen werde die Auslese in der Branche weitergehen, sagte Naumann. Seit 2008 sei die Zahl der Schweizer Banken um ein Fünftel auf 260 gefallen. „In fünf bis sieben Jahren werden nur noch weniger als 200 Banken übrig sein“, schätzt der BCG-Manager, der mit dem Verlust von mehr als 4000 Bank-Arbeitsplätzen rechnet.

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