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Rabatte statt steigende Preise : Raus aus dem alten Stromtarif!

Der Wechsel lohnt: Viele Stromanbieter erhöhen Anfang Januar die Preise. Bild: dpa

Im Januar steigen die Strompreise. Höchste Zeit also, den Versorger zu wechseln. Denn Neukunden erhalten Jahr für Jahr hohe Rabatte.

          Es gibt nicht viele Dinge, auf die man sich verlassen kann, aber die Erhöhung der Strompreise gehört definitiv dazu. Allein seit dem Jahr 2000 hat sich der Strompreis für Verbraucher mehr als verdoppelt. Und für Januar 2017 hat schon wieder beinahe jeder dritte Stromversorger seinen Kunden höhere Stromkosten angekündigt. Oder besser gesagt: Er hat Briefe verschickt, in denen sehr viele Daten stehen – und irgendwo auch die neuen Preise.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Längst nicht alle Kunden werden das aber bemerkt haben, denn allzu oft tarnen die Anbieter solche Schreiben als „Jahresinformation“, „allgemeine Preisinformation“ oder „Preisveränderung“. Nur jeder Zehnte nennt sie ehrlich das, was sie sind: Preiserhöhungen. Dabei fallen die gar nicht knapp aus: Etwa 3,6 Prozent mehr verlangen rund 250 Versorger von 2017 an für die Kilowattstunde Strom. Es betrifft rund 5,6 Millionen Haushalte und bedeutet für eine vierköpfige Familie rund 40 Euro zusätzlich im Jahr. Single-Haushalte haben etwa 20 Euro Mehrausgaben. Man kann aber auch dafür sorgen, dass es 2017 viel, viel weniger wird.

          Sparen durch Wechsel des Stromanbieters

          Denn noch immer unterschätzen viele Bundesbürger, was sich sparen lässt, wenn man den Stromanbieter wechselt. Das tut zwar knapp jeder zehnte Haushalt hierzulande bereits regelmäßig. Etliche davon wechseln, weil sie umziehen, mehr als die Hälfte davon wandert aber auch zu billigeren Vertragspartnern.

          Doch gut ein Drittel der deutschen Haushalte hat immer noch einen Standardvertrag mit dem Grundversorger. Das ist diejenige Gesellschaft, die am Ort die meisten Kunden hat und die Belieferung aller Haushalte sicherstellen muss, notfalls auch die Versorgung der Problemkunden mit Zahlungsschwierigkeiten. Deshalb sind die Normaltarife der Grundversorger grundsätzlich teurer. Der einzige Vorteil bei ihnen ist: Sie haben kurze Kündigungsfristen, man kann sie also schnell wechseln.

          Weitere 45 Prozent der Haushalte sind zwar auch beim Grundversorger, sind aber immerhin in einen Vertrag mit Sonderkonditionen gewechselt, etwa in einen Online-Vertrag oder einen für Nacht- oder Ökostrom. Nur jeder fünfte Haushalt ist derzeit bei einem ganz anderen Anbieter unter Vertrag, beziffert die Bundesnetzagentur, etwa bei Yello, Stromio, Fuxx, Voltera oder wie sie alle heißen. Solche Kunden beziehen oft sehr viel günstiger ihren Strom.

          Mögliche Ersparnisse variieren je nach Bundesland

          Im Bundesdurchschnitt zahlen deutsche Verbraucher zurzeit knappe 29 Cent pro Kilowattstunde, was einer der höchsten Strompreise in Europa ist. Bei Billigstromanbietern lassen sich da schon einige Cent sparen, drei bis vier Cent zum Grundversorgertarif etwa. Das lohnt sich selbst bei einem Verbrauch von 2000 Kilowattstunden (KWh) im Single-Haushalt. Für Familien mit einem Verbrauch von 4250 KWh wären das immerhin 170 Euro weniger im Jahr.

          faz.net-Service: Strompreisvergleich der verfügbaren Tarife aller Anbieter

          Es kommt allerdings darauf an, wo man wohnt, denn die Preise variieren auch je nach Bundesland recht stark. Die größte Ersparnis winkt laut Vergleichsportal Check24 den Bewohnern von Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Sie könnten bis zu 300 Euro und mehr durch einen Anbieterwechsel vom Grund- zum günstigsten Versorger sparen. In den übrigen westlichen Bundesländern sind es 275 bis 300 Euro und im Osten noch bis zu 250 Euro. Ein Vergleich lohnt sich also. Vor allem wenn der jetzige Versorger zum Januar eine Erhöhung angekündigt hat, dann haben Kunden eine vierzehntägige Sonderkündigungsfrist.

          Bild: Verivox

          Boni und Begrüßungsgelder

          Der Wechsel zahlt sich in aller Regel aus, denn der billigere Strompreis ist oft nur das schwächere Argument der Alternativanbieter, ihr stärkstes ist: Sie zahlen jedem Neukunden satte Boni und Begrüßungsgelder. Was sich dabei für Stromkunden herausholen lässt, zeigt ein Blick auf die jüngsten Wechselprämien: BEV, ExtraEnergie, Goldgas oder Vattenfall etwa lockten Stromkunden vergangene Woche mit Beträgen zwischen 260 und 360 Euro.

          Ein Teil davon wird beim Umstieg oft als Sofortbonus gezahlt, meist 60 Tage nach Lieferbeginn. Der Rest wird nach Ablauf des ersten Bezugsjahres als Neukundenbonus auf der Rechnung gutgeschrieben. Einige Versorger bieten auch Sonderaktionen wie das „Weihnachtsgeld“ für alle, die noch vor den Festtagen zu ihnen kommen.

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