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Freistellungsaufträge : Anleger müssen sich vor automatischer Besteuerung hüten

Welches Kreditinstitut auch immer: Alle Freistellungsaufträge müssen nun eine Steuer-ID haben. Bild: Wonge Bergmann

Alte Freistellungsaufträge bleiben nur dann gültig, wenn sie mit der Steuer-ID des Anlegers versehen sind. Ansonsten werden die Kapitalerträge automatisch besteuert.

          Zum Jahreswechsel ändert sich einiges. Dies gilt nicht nur für die neugefassten Vorsätze, die so manches Leben auf den Kopf stellen sollen. Im neuen Jahr werden auch einige Dinge teurer. Zudem gibt es neue Bestimmungen, die ebenfalls Geld kosten, falls sie einfach ignoriert werden. Dazu zählt zweifelsohne die Regelung, dass von diesem Jahr an die Freistellungsaufträge für Kapitalerträge nur noch dann gelten, wenn dem Kreditinstitut die steuerliche Identifikationsnummer (Steuer-ID) des Anlegers vorliegt. Andernfalls wird die Kapitalertragsteuer automatisch an das Finanzamt abgeführt.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Denn Zinsen und andere Erträge der Kapitalanlage wie Dividenden oder Kursgewinne unterliegen hierzulande grundsätzlich der Steuer. Der Steuersatz für die Abgeltungsteuer beträgt in der Regel 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Mit einem Freistellungsauftrag können Anleger ihre Erträge bis zu gewissen Grenzen jedoch vor dem Zugriff des Fiskus schützen. Jedem Anleger steht ein sogenannter Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro zur Verfügung. Bei Ehepaaren werden Zinsen und Gewinne bis zu 1602 Euro ohne Abzug gutgeschrieben. Die Freibeträge können auf mehrere Geldinstitute aufgeteilt werden. In der Summe dürfen sie die genannten Beträge nicht überschreiten.

          Doch nicht alle Anleger sind von der Neuregelung betroffen. Haben sie ihren Freistellungsauftrag nach dem Jahr 2010 erteilt, dann verfügen die Kreditinstitute in der Regel schon jetzt über die Steuer-ID des Bankkunden. Denn seit dem Jahr 2011 sollten sie in den entsprechenden Formularen abgefragt worden sein. Anleger, die allerdings noch ältere Freistellungsaufträge haben, müssen ihre Steuer-ID nun bei ihrer Bank oder Sparkasse nachreichen. Die Institute sind nicht verpflichtet, bei den Kunden nachzufragen.

          Und Eile ist geboten. Denn viele Zinsen werden dem Konto des Anlegers zwar erst zum Jahresende gutgeschrieben. Hier hätte er also noch genügend Zeit, um die Steuer-ID nachzureichen. Zudem sind die Zinsen derzeit so niedrig, dass der Abzug der Steuer oft kaum ins Gewicht fallen dürfte. Doch Dividenden, Gewinne oder Zinsen von Anleihen fallen auch innerhalb des Jahres an.

          Was ist eigentlich die Steuer-ID?

          Die Ausschüttung der Dividenden zum Beispiel erfolgt einen Tag nach der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft. Daher sollte sich so mancher Anleger sputen. Denn Siemens ist zum Beispiel das erste Unternehmen aus dem Dax, das in diesem Jahr am 26. Januar zu seinem Aktionärstreffen einlädt. Am 27. Januar wird dann voraussichtlich die Dividende ausgezahlt. Zuvor muss sie aber noch auf der Hauptversammlung genehmigt werden.

          Was ist eigentlich die Steuer-ID? Ihre Einführung sollte das Besteuerungsverfahren vereinfachen und Bürokratie abbauen, heißt es vom Bundeszentralamt für Steuern. Sie ersetze dabei die Steuernummer für den Bereich der Einkommensteuer. Die Steuer-ID besteht aus elf Stellen und bleibt ein Leben lang gültig. Die Nummer ändert sich auch bei Umzug oder Heirat nicht. Nach Angaben des Bundeszentralamts für Steuern enthält die Nummer keine Informationen über den Steuerpflichtigen oder das zuständige Finanzamt.

          Und wie kann man die eigene Identifikationsnummer erfahren, sofern man sie noch nicht kennt? Eigentlich sollte sie auf der monatlichen Abrechnung des Arbeitgebers stehen. Doch viele, wohl eher kleinere Betriebe halten sich nicht immer an alle Formvorschriften, die eine solche Abrechnung erfüllen muss. Dabei gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, die Nummer in Erfahrung zu bringen. Das Bundeszentralamt für Steuern verweist auf den Einkommensteuerbescheid oder die Lohnsteuerbescheinigung. Zudem habe es vor gut vier Jahren ein Informationsschreiben des zuständigen Finanzamts gegeben.

          Rückforderung möglich

          Mit diesem Schreiben sei der Steuerpflichtige im Oktober oder November 2011 über seine gespeicherten elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale informiert worden. Man finde die Nummer auch auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung oder könne sie zudem direkt beim Bundeszentralamt für Steuern erfragen, rät die Postbank. Wichtig für Ehepaare sei es überdies, dass auf dem gemeinschaftlichen Freistellungsauftrag die Steuer-IDs von beiden Partnern vermerkt seien. Sonst sei dieser Auftrag ungültig.

          Wenn man die Nummer doch nicht rechtzeitig dem Geldinstitut mitteilt, dann ist dies kein Beinbruch. Anleger können die abgeführte Steuer auf Kapitalerträge über die Einkommensteuererklärung zurückfordern. Doch diese Arbeit können sie sich ersparen, wenn sie die Steuer-ID frühzeitig nachreichen. Zudem halten sie dann die Kapitalerträge früher in Händen. Und wenn man schon mal bei der Bank ist, dann kann man auch gleich noch überprüfen, ob die Freistellungsaufträge überhaupt optimal aufgeteilt sind.

          Quelle: F.A.Z.

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