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Aktualisiert: 17.07.2017, 12:58 Uhr

Geldirrtümer Kleine Beträge, große Wirkung

Wenn teure Anschaffungen etwas mehr kosten als gedacht, beruhigen wir uns mit dem Spruch: „Darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.“ Das ist ein Fehler.

von Hanno Beck
© dpa Einkaufen will gelernt sein.

Der Schwede Ingvar Kamprad weiß, wie man Geld spart. Einweggeschirr wäscht er aus, auch wenn es sich schlecht spülen lässt, er fährt Bahn mit Seniorenrabatt, sucht im Internet nach den billigsten Reisen, und einkaufen geht er, so wird berichtet, kurz vor Ladenschluss, weil dann Frischprodukte billiger seien. Dass er die teure Cola in der Minibar des Hotels am nächsten Tag durch billige Cola aus dem Supermarkt ersetzt, bestreitet er allerdings. Nötig hätte er all das eigentlich nicht: Kamprad ist Gründer und Eigentümer des schwedischen Möbelhauses Ikea, das mit Hilfe des legendären Billy-Regals die Welt erobert und Kamprad zum mehrfachen Milliardär gemacht hat.

Geschichten von geizigen Millionären und Superreichen gibt es viele – aber warum befremden sie uns so? Der Grund liegt im groben Missverhältnis zwischen den Millionen, die sie besitzen, und den winzigen Beträgen, die sie sparen. Muss man als Millionär auf den Sparpreis achten?

Als Millionär vielleicht nicht. Aber für Normalverdiener können sich Kleingeldbeträge rasch auf Einkommen und Ersparnisse auswirken – das ist das berühmte Kleinvieh, das auch Mist macht. Aber will man deswegen zum Geizkragen werden und jeden Cent zweimal umdrehen? Muss man sich nicht auch mal etwas gönnen? Natürlich. Aber mit ein wenig Aufmerksamkeit kann man eine solide Summe sparen, ohne dabei wie ein Geizkragen zu wirken. Dazu muss man nur wissen, wo man das meiste Geld verliert: Viele Fallen lauern nämlich in unserem Kopf.

Ein interessantes Experiment

Ein Experiment zeigt, wie wir in Kleingelddingen ticken. Angenommen, Sie stehen im Geschäft und wollen eine Jacke für 125 Euro und einen Taschenrechner für 15 Euro kaufen. Sie wissen aber, dass es den Taschenrechner in einer anderen Filiale im Sonderangebot für zehn Euro gibt. Die Fahrtzeit dorthin beträgt 20 Minuten. Was machen Sie? Die meisten Menschen, die man befragt, entschließen sich, in die andere Filiale zu fahren, um fünf Euro zu sparen. So weit, so gut.

Doch was passiert, wenn man die Frage ändert? Beispielsweise so: Sie wollen eine Jacke für 15 Euro und einen Taschenrechner für 125 Euro kaufen. Sie wissen, dass es den Taschenrechner in einer anderen Filiale im Sonderangebot für 120 Euro gibt. Die Fahrtzeit dorthin beträgt 20 Minuten. Fahren Sie in das andere Geschäft? Die meisten Personen, denen man diese Frage stellt, beschließen in diesem Fall, nicht in das andere Geschäft zu fahren.

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Vergleicht man die Ergebnisse beider Fragen, ergibt sich ein verstörender Befund: Geht es um einen Taschenrechner im Wert von zehn Euro, ist man bereit, sich für eine Ersparnis von fünf Euro ins Auto zu setzen. Kostet der Taschenrechner 125 Euro, scheinen die fünf Euro Ersparnis den Weg nicht wert zu sein. Was ist hier los? Vermutlich schlägt ein psychologisches Gesetz zu, das sogenannte Weber-Fechner-Gesetz. Es besagt, dass unsere Wahrnehmung von Reizen auch von der Ausgangsstärke eines Reizes abhängt. Zündet man in einem Raum mit zehn Kerzen eine weitere Kerze an, so wird es in unserer Empfindung heller. Aber die zusätzliche Kerze bringt nur wenig zusätzliche Helligkeit, wenn in diesem Raum bereits 100 Kerzen brennen. Wie stark wir einen Reiz wahrnehmen, hängt also nicht nur von dessen absoluter Stärke ab, sondern auch von der Ausgangsstärke des Reizes.

Übertragen auf den Taschenrechner, bedeutet das, dass eine Ersparnis von fünf Euro viel zu sein scheint, wenn der Rechner 15 Euro kostet – man kann ein Drittel des Preises sparen. Kostet der Rechner aber 125 Euro, so wirkt die Ersparnis von fünf Euro gering. Warum sollte man sich dafür ins Auto setzen? Bei großen Anschaffungen also geben wir Kleingeld bedenkenloser aus, weil es, verglichen mit dem hohen Preis, die Mühe nicht wert scheint, darauf zu achten. „Darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an“ sagt man sich und verschwendet keinen Gedanken mehr an die fünf Euro. Dabei, das muss man sich immer wieder klarmachen, ist die absolute Ersparnis in beiden Fällen die gleiche: Sie beträgt jedes Mal fünf Euro.

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