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Veröffentlicht: 11.01.2017, 10:54 Uhr

Nur die Ruhe Warum sich Anleger in schweren Zeiten zurücklehnen sollten

Jeder Anleger kennt den Impuls: Wenn die Börsenkurse fallen, will man schnell seine Aktien verkaufen. Doch überstürztes Handeln kann teuer werden.

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© Getty

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Ausdauer und Geduld zahlen sich in der Geldanlage aus. Wer sich langfristig einer Strategie verschreibt und dieser treu bleibt, erzielt in der Regel eine höhere Rendite als jene, die stets versuchen, den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg und Ausstieg am Aktienmarkt zu erwischen. Denn die Wendepunkte in der Kursentwicklung sind selbst von den versiertesten Prognostikern nicht vorherzusagen. Das richtige Timing bleibt Glückssache. Bestes Beispiel dafür ist der mittlerweile ein wenig vergessene amerikanische Ökonom Nouriel Roubini. Vier lange Jahre hat er den Crash prophezeit, bis dieser mit der Finanzkrise 2008 tatsächlich eintrat. Wie viele Kursgewinne sind Roubini wohl entgangen, bis es so weit war? Inzwischen ist es ruhig um den einstigen Starökonomen geworden.

Inge Kloepfer Folgen:

Theoretisch kennen viele Anleger heutzutage die Bedeutung von Ausdauer und Geduld bei der Geldanlage, doch sie handeln nicht danach. Wie kann das sein? Häufig macht die Psychologie ihnen einen Strich durch die Rechnung. Der Wirtschafts- und Sozialpsychologe Erik Hölzl von der Universität zu Köln sagt, der Anleger sei häufig von der sogenannten Kontroll-Illusion getrieben. Damit ist gemeint: „Der Anleger glaubt, wenn er handelt, könne er die Entwicklung seines Portfolios mehr beeinflussen, als es tatsächlich der Fall ist.“ Der Anleger kauft und verkauft, disponiert unentwegt, schichtet um und vergisst darüber, dass gerade die kurzfristigen Entwicklungen an den Finanzmärkten vielfach von Zufällen bestimmt sind. „Wer kennt nicht das Gefühl, dass man nur etwas tun muss, damit sich alles zum Besseren wendet?“, fragt Hölzl.

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Dass das ständige Kaufen und Verkaufen tatsächlich die Wertentwicklung des eigenen Portfolios steigert, trifft aber nur in den seltensten Fällen zu. Häufig erreichen die Anleger durch ihren Aktionismus sogar das Gegenteil dessen, was sie eigentlich bezwecken: Die Wertentwicklung verschlechtert sich durch die Handelsgebühren für die vielen Transaktionen enorm.

Großer Aktionismus ist von Nachteil

Verstärkt wird die Kontroll-Illusion durch eine weitere Eigenart der menschlichen Selbstwahrnehmung. Eine positive Entwicklung des Portfolios wird üblicherweise auf eigene Entscheidungen zurückgeführt, eine negative Entwicklung hingegen auf die äußeren Umstände. Das alles mündet oft in eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten - keine gute Voraussetzung für kluge Anlageentscheidungen.

Abgesehen von der Unvorhersehbarkeit der Marktentwicklung, ist allzu großer Aktionismus noch aus einem anderen Grund von Nachteil. „Anleger tendieren dazu, Aktien, deren Kurse steigen, zu früh zu verkaufen, und Aktien, deren Kurse fallen, zu spät“, sagt Wirtschaftspsychologe Hölzl. Dies bestätigen Studien amerikanischer Finanzpsychologen aus den 1980er Jahren, die den Fachbegriff „Dispositionseffekt“ bekannt gemacht haben.

Eine für die Entwicklung des Portfolios verheerende Erkenntnis lautet: Wenn man Gewinne zu früh einstreicht und verlustreiche Aktien zu spät verkauft, dann wirkt sich das in zweifacher Weise negativ auf die Wertentwicklung aus. Erstens entgehen den Anlegern Gewinne. Und zweitens empfinden sie die Verluste zwar anfangs als belastend, gewöhnen sich dann aber daran und schreiten deswegen viel zu spät ein. Auch das ist ein Streich, den uns unsere Psyche bisweilen spielt.

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