http://www.faz.net/-hs7-8p7w8

Münzannahme verweigert : Banken ehren den Cent nicht mehr

Leicht anzuhäufen, schwer loszuwerden. Bild: dpa

Es wird immer schwieriger mit Münzen. Nahmen sie viele Banken schon bisher eher zähneknirschend an, so tut es die Sparda-Bank Hannover in den meisten Filialen jetzt gar nicht mehr.

          Die Spargroschen der Kunden stellen für immer mehr Banken ein Kostenproblem dar. Die Annahme von Münzgeld, aber auch der Umtausch in Münzgeldrollen wird inzwischen von vielen Banken und Sparkassen mit einer Gebühr versehen. Die Sparda-Bank Hannover ist schon dazu übergegangen, nur noch in zwei von 24 Filialen Münzgeld der Kunden anzunehmen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein wichtiger Grund, warum das Münzgeld für die Banken und Sparkassen eine kostspielige Dienstleistung ist, liegt in einer EU-Verordnung. Seit Anfang 2015 müssen Banken und Sparkassen das Münzgeld auf Falschgeld mit Hilfe neuer Zählmaschinen untersuchen. Dadurch entstanden für ein mittelgroßes Institut Anschaffungskosten von 400.000 Euro. Die Annahme und Bereitstellung von Hartgeld spielt vor allem in den Filialen von Großstädten eine große Rolle. Hier können die daraus entstehenden Kosten im Jahr für ein Institut schnell die Marke von 500.000 Euro übersteigen.

          „Bargeldeinzahlung spielt bei uns kaum eine Rolle“

          Eine Sprecherin der Sparda-Bank Hannover sagte am Dienstag auf Anfrage der F.A.Z: „Die kostenlose Annahme von Münzgeld ist für die Kunden nur noch in unseren zwei größten Filialen möglich.“ Das bedeutet, dass die Kunden nur noch in den wichtigsten Standorten in Hannover und Bremen ihre Spargroschen einzahlen können. Allerdings befinden sich nach Angaben der Sprecherin in jeder Filiale Geräte, um Banknoten einzuzahlen.

          Sie begründet die Entscheidung mit der Kundenstruktur der Sparda-Bank, die überwiegend Arbeitnehmer, aber kaum Geschäftskunden in ihrer Klientel aufweist. „Die Einzahlung von Bargeld spielt in unseren Filialen kaum eine Rolle und macht weniger als ein Prozent aus“, fügte sie hinzu. Es ist davon auszugehen, dass auch die anderen elf Sparda-Banken sich mit dem Thema auseinandersetzen.

          „Nur eine Handvoll Münzen“

          Auch die Sparkassen behandeln Münzgeld zunehmend restriktiver. Doch ein einheitliches Bild gebe es nicht, sagte ein Sprecher des Deutsches Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Die Frankfurter Sparkasse nimmt zumindest noch die Groschen aus dem Sparschwein der Kinder kostenlos an. Nach Angaben einer Sprecherin können Jugendliche, die nicht älter als 18 Jahre sind, bis zu 100 Euro in Münzen gebührenfrei einzahlen.

          Bei den Erwachsenen sei die kostenlose Annahme einer „Handvoll Münzen“ möglich. Genauer beziffert die Sprecherin das nicht. Die Annahme fällt auch in den Kulanzbereich des Mitarbeiters. Es ist denkbar, dass von guten Geschäftskunden auch höhere Beträge in Münzen kostenlos angenommen werden. Grundsätzlich berechnet die Frankfurter Sparkasse bei der Einzahlung von Münzen eine Gebühr von 3 Prozent des eingezahlten Betrags, mindestens 3 Euro je Sicherheitstasche.

          Auch die Frankfurter Volksbank erhebt keine Gebühren für Münzgeldeinzahlungen von Minderjährigen. Kleinbeträge „aus dem Geldbeutel“ bis 20 Euro seien ohnehin gebührenfrei, berichtet ein Sprecher. Doch werde für höhere Beträge, die insbesondere von Geschäftskunden eingezahlt werden, ein Entgelt berechnet. Einzahlungen auf Konten von Familienangehörigen sowie Spenden für gemeinnützige Organisationen seien ebenfalls kostenfrei, ebenso die Abgabe von gerolltem Münzgeld.

          Bei anderen Instituten müssen die Kunden dagegen eine Gebühr zahlen, wenn sie Münzgeld benötigen. Das können zum Beispiel Restaurants oder Lebensmittelgeschäfte sein. Die Commerzbank berechnet 1,50 Euro, allerdings unabhängig davon, wie viele Rollen Münzgeld der Geschäftskunde abholt. Das bedeutet, er muss 1,50 Euro zahlen, wenn er zwei Rollen oder 20 Rollen als Wechselgeld benötigt.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Auch Geld der Queen in Steueroase angelegt Video-Seite öffnen

          „Paradise Papers“ : Auch Geld der Queen in Steueroase angelegt

          Nach den „Panama Papers“ sind neue Datensätze zu Steuerenthüllungen veröffentlicht worden. In den knapp 13 Millionen Dokumenten werden auch das englische Königshaus, hochrangige Politiker und Banken genannt. Sie alle sollen Geld in Steueroasen angelegt haben.

          Topmeldungen

          Zähe Sondierungsgespräche : Das Luxusproblem von Jamaika

          Die Wirtschaft boomt. Auf dem Arbeitsmarkt läuft es rund. Flüchtlingszahlen wie vor zwei Jahren sind weit und breit nicht in Sicht. Wieso bloß, liebe Jamaika-Unterhändler, braucht es da endlos lange, zähe Sondierungsgespräche?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.