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Rendite mit Solarstrom : Die Solaranlage auf dem Hausdach lohnt sich immer noch

Die Förderung von Photovoltaikanlagen wird weiter reduziert Bild: dpa

Seitt dem 1. August ist das reformierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft. Die Förderung dadurch sinkt zwar, aber trotzdem lässt sich mit Solarzellen mehr verdienen als mit jedem Tagesgeldkonto.

          Nun ist es amtlich: Die Förderung von Photovoltaikanlagen wird weiter reduziert. Wurden für neue Anlagen 2006 noch im Schnitt um die 50 Cent je Kilowattstunde bezahlt, werden es in diesem Jahr nur rund zehn Cent sein. Und trotzdem: Das Solardach lohnt sich weiterhin. Besser noch: Jeder dort investierte Euro verzinst sich nämlich deutlich besser als auf einem Tagesgeldkonto oder mit einer Bundesanleihe. Renditen von vier Prozent sind gut möglich.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn in den vergangenen Jahren ist nicht nur die Förderung gesunken, sondern auch die Preise für die Solarzellen sind kräftig zurückgegangen. Damit ist es nun viel günstiger als früher, Solarstrom selbst zu produzieren. Nach Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) kostet eine private Kleinanlage (einschließlich sämtlicher Kosten etwa für Montage und Netzanschluss) im Durchschnitt rund 1600 Euro je Kilowatt installierter Leistung (ohne Mehrwertsteuer). Je nach Hersteller, Region und baulichen Gegebenheiten des Hauses können die Preise davon abweichen. Für eine typische Fünf-Kilowatt-Anlage auf dem Dach sind mit Steuern also knapp 10 000 Euro fällig. Größere Anlagen werden je Kilowatt günstiger. Nach einer Umfrage der GfK unter Installateuren von Photovoltaikanlagen bleiben die Preise 2014 stabil.

          So wirtschaftlich ist die Solaranlage
          So wirtschaftlich ist die Solaranlage : Bild: F.A.Z.

          Um mit der Solaranlage Renditen von zum Beispiel vier Prozent verdienen zu können, sollten die Besitzer mindestens 20 bis 30 Prozent des erzeugten Stroms selbst nutzen. Dann sparen sie sich den Kauf von Fremdstrom des örtlichen Versorgers, der teurer ist als die Produktionskosten des Solarstroms. Je mehr Eigenverbrauch, desto höher die Rendite. Dabei profitieren Kleinanlagen unter zehn Kilowatt davon, dass der Eigenverbrauch anders als bei größeren Anlagen nicht mit der EEG-Umlage belastet wird. „Früher wurde der Solarstrom vollständig ins Netz eingespeist und nichts selbst verbraucht. Das hat sich immer gelohnt, da die Förderung höher als die Produktionskosten war“, sagt Tobias Kelm vom ZSW. „Wer das heute noch so macht, der kann wegen der geringen Vergütungssätze eine kleine Solaranlage in der Regel nicht mehr wirtschaftlich betreiben.“ Wirtschaftlich heißt dabei für ihn, dass die Investition nicht nur keine Verluste macht, sondern sich auch ordentlich verzinst.

          Mit geringem Eigenverbrauch wirft die Anlage zwar immer noch Gewinn ab. Aber der entschädigt dann nicht für die Risiken, die die ganze Kalkulation mit sich bringt. Die Rechnung basiert nämlich auf Schätzungen für den Verlauf der folgenden 20 Jahre, in der die Anlage laufen soll. Wie lange wird die Sonne scheinen? Wie stark lässt die Leistung der Zellen nach? Und wie stark steigen die Strompreise? Legen sie nämlich geringer als erwartet zu (Kelm rechnet mit 2,3 Prozent), sind die Einsparungen durch den Eigenverbrauch geringer, die Wirtschaftlichkeit sinkt.

          Und schließlich: Wie hoch wird der Eigenverbrauch in zehn Jahren sein? Tendenziell wird der Verbrauch und damit die Rendite zurückgehen, weil immer mehr energiesparende Geräte auf den Markt kommen. Man könnte nun natürlich auch dem Nachbarn Strom liefern und auf diese Weise den Verbrauch zusätzlich erhöhen. Aber der technische Aufwand dafür lohnt bei Kleinanlagen oft nicht. Die Selbstnutzung lässt sich auch erhöhen, indem man Strom, den man gerade nicht braucht, speichert - für Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint. Aber Batteriespeicher sind derzeit noch deutlich zu teuer. Und nicht jeder hat ein Elektroauto, das er mit Sonnenstrom aufladen kann.

          Fazit: Solaranlagen können noch sehr lukrativ sein. „Gerade in Zeiten niedriger Zinsen ist eine kleine Photovoltaikanlage, die gut ausgelegt und realistisch kalkuliert ist, nach wie vor eine attraktive Investition“, sagt Tobias Kelm. Man muss aber heute mehr als früher genau rechnen, bevor man weiß, ob sich die Anlage lohnt. Es kann auch sein, dass sich die Investition nicht rechnet.

          Abwarten, weil die Solarzellenpreise vielleicht bald wieder fallen, ist jedoch nicht ratsam, weil das noch schwerer vorherzusehen und ein Preisrutsch derzeit unwahrscheinlich ist. Und wie sich die Fördersätze entwickeln, weiß auch keiner so genau. Das hängt auch davon ab, wie viele Solarzellen neu installiert werden. Derzeit sind es weniger als gedacht, dann könnte die Förderung sogar steigen. Wird zu viel gebaut, sinkt sie stärker als vorgesehen. Leichter haben es da Überzeugungstäter, die sich an ihrer weitgehenden Unabhängigkeit von Stromversorgern erfreuen. Sie bauen die Anlagen auch, wenn die Rendite mickrig ist.

          Quelle: F.A.S.

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