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Girokonto : Konto wechseln wird immer leichter

Legacy Technology: das Überweisungsformular Bild: dpa

Der Aufwand beim Wechsel des Girokontos hält Unzufriedene davon ab, ihrer Bank den Rücken zu kehren, ergibt auch eine Umfrage der Comdirect. Doch es wird immer leichter - auch dank einer bevorstehenden Gesetzesänderung.

          Früher war man mit Dienstleistern meist lebenslang verheiratet. Da waren der lokale Stromanbieter, der regionale Gasversorger, das Fernmeldeamt und die Bundespost. Das hat sich geändert, aber es gibt noch Spielraum. Zum Beispiel beim Bankkonto.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ist zwar schon immer frei wählbar gewesen, doch der Aufwand, ein Leben in Zahlungsströmen von einem Institut zum nächsten zu übertragen, war bislang stets hoch. Zu hoch. Das spiegelt sich auch regelmäßig in Umfragen: Nach einer neuen repräsentative Befragung der Comdirect Bank, die FAZ.NET vorliegt, spielen zwar 58 Prozent der Deutschen mit dem Gedanken, ihre Hauptbankverbindung zu wechseln. Doch nur 21 Prozent haben das überhaupt schon einmal gemacht.

          Ein Hauptgrund ist demnach, dass man zwar mit der eigene Bank nicht zufrieden ist, aber auch noch keine überzeugende Alternative gefunden hat. Doch ansonsten geht es um den Aufwand: die Übertragung von Lastschriftangaben, Daueraufträgen und die damit verbundene Information der Zahlungspartner wird als viel zu kompliziert empfunden. Dies hindert immerhin zwei von fünf Wechselbereiten. Auch der Aufwand für die Einsendung vom Formularen und die Identitätsprüfung schrecken 29 Prozent ab.

          Die Ergebnisse sind im Grunde ähnlich wie in früheren Umfragen. So hatte im Jahr 2013 der Verbraucherzentrale Bundesverband eine Umfrage in Auftrag gegeben. Ergebnis: 29 Prozent ärgerten sich über ihre Bank, aber ihnen war der Wechsel zu aufwändig. Und 43 Prozent fanden, es sie bei der anderen Bank auch nicht besser.

          Banken werben mit einfachem Wechsel

          Indes ist auch hier einiges in Bewegung gekommen. Die Comdirect Bank etwa, welche die jüngste Umfrage veröffentlicht hat, wirbt damit, dass sie Lastschriften automatisiert übernimmt und Zahlungspartner benachrichtigt. Alle Gegenparteien, von denen der Kontoinhaber regelmäßig Überweisungen erhalte, würden automatisch über die neuen Kontodaten informiert. Zudem sei der Kontoeröffnungsantrag jetzt vollständig digital und eine Identifizierung per Videochat oder Smartphone möglich. Das ersetzt den Gang zur (bei Comdirect nicht vorhandenen) Filiale und vor allem das oft als umständlich empfundene Post-Ident-Verfahren.

          Doch die Bank ist nicht die einzige, die damit wirbt, Arbeit abzunehmen. Auch die Sparda-Bank Hessen, die Stadtsparkasse München und andere Institute werben damit, die lästigen Arbeiten zu übernehmen. Dabei variiert der Grad der Hilfeleistung. Während die Comdirect damit wirbt, Lastschriftverfahren automatisch zu übernehmen, und einige Institute Empfänger von sich aus anschreiben, erbitten andere eine Liste der Empfänger vom Neukunden.

          Wichtiges neues Gesetz

          Zum einen zeichnet sich hier eine Konkurrenz um Girokontenkunden ab. Zum anderen aber könnten dies die Vorboten der kommenden Novelle des Zahlungskontengesetzes sein, das im Frühjahr 2016 in Kraft treten soll.

          Der Entwurf fand im August hauptsächlich deswegen Beachtung, weil er auch finanziell schwachen Bürgern ein Recht auf ein sogenanntes Basiskonto verbriefen soll, den die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) durchsetzen soll.

          Doch sieht der Gesetzentwurf auch Vorgaben zum vereinfachten Wechsel des Girokontos vor. Verbraucher sollen das Recht erhalten, künftig das neue Kontoinstitut damit beauftragen zu können, den lästigen Papierkram zu übernehmen und für die Übernahme der automatisierten Sorge zu tragen.

          Bargeldversorgung ist das wichtigste

          Nach der Comdirect-Umfrage ist den Kunden eine gute Bargeldversorgung (81 Prozent) besonders wichtig, gefolgt von einer kostenlosen Kontoführung (74 Prozent) und guten, sicheren Digitalanwendungen (71 Prozent). Auf der Kostenseite kann das Zahlungskontengesetz, mit dem vor allem die europäische Zahlungskontorichtlinie aus dem Jahr 2014 umgesetzt wird, helfen. Denn sie enthält auch neue Transparenz-Vorschriften für die Kontokosten. Und auch mehr Transparenz hilft beim Kontowechsel.

          Nach Aussage der Comdirect sind die aktuellen Veränderungen keine unmittelbare Reaktion auf die bevorstehende Gesetzesänderung. Man arbeite schon länger an diesem Projekt. Das Ziel laute, dass Kunden ein neues Konto in wenigen Minuten komplett nutzen könnten. „In einer Viertel Stunde zum Girokonto – das ist das Ziel“, sagt Henning Ratjen, Leiter der Abteilung Service der Comdirect.

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