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Geld abheben : Die Ladenkasse wird zur Bankfiliale

„Darfs noch ein bisschen Bargeld sein?“. Die Gespräche an der Supermarktkasse dauern jetzt wieder länger. Bild: Stefanie Silber

In immer mehr Supermärkten können Kunden kostenlos Bargeld abheben. Auch Geld einzahlen ist jetzt möglich. Bisher gibt es dafür aber eine Bedingung.

          Es ist noch nicht lange her, da verlief ein Gespräch an der Supermarktkasse sehr kurz und bündig. Erst grüßte die Kassiererin (oder der Kassierer) den Kunden, erledigte dann stumm die Arbeit, nannte nach dem Einscannen der Artikel den zu zahlenden Betrag und wünschte am Ende „einen schönen Tag noch“ oder Ähnliches. Danach kam der nächste Kunde an die Reihe, die Routine begann von vorne. Inzwischen sind die Damen und Herren an der Ladenkasse ein wenig gesprächiger geworden, ohne sich gleich auf ein Schwätzchen einzulassen wie ihre Kollegen in den Tante-Emma-Läden oder Kiosken, an deren Kassen sich keine Schlangen ungeduldiger Kunden bilden. Aber die Supermarktangestellten lassen viele Kunden nicht mehr gehen, ohne noch die Frage loszuwerden: „Wollen Sie auch Geld abheben?“

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese Frage wird häufiger gestellt, seit es in Deutschland immer mehr Supermärkte, Discounter, Baumärkte und Tankstellen gibt, die dem Kunden anbieten, neben dem Einkauf auch noch Geld vom Girokonto abzuheben. An den 25000 Kassen der Rewe-Gruppe ist dies schon seit Jahren kostenlos möglich. Seit einem Monat gehört auch Aldi-Süd mit seinen insgesamt 7500 Kassen zu den Anbietern.

          Weniger strenge Regeln für Einzelhändler

          Durch Aldis Einstieg ist das Netz von rund 50000 Ladenkassen, an denen Abhebungen bis zu 200 Euro je Einkauf möglich sind, inzwischen fast so dicht wie jenes der Geldautomaten. Auch das Verfahren, um an Geld zu kommen, ist in beiden Fällen das gleiche: Nötig ist eine Girokarte (früher als EC-Karte bekannt) und die Eingabe der PIN. Rewe, Aldi, Netto und Co. werden damit zu einer kleinen Bankfiliale. Allerdings müssen die Einzelhändler nicht so strenge Auflagen erfüllen wie Banken: Schließlich geben sie ja nur Bargeld aus.

          Der Unterschied für den Kunden ist, dass er bei Aldi-Süd oder in den Märkten der Rewe-Gruppe, wozu auch der Discounter Penny und die Baumarktkette Obi gehört, für mindestens 20 Euro einkaufen muss, um Geld abheben zu können. Dieser Mindesteinkaufswert ist, ebenso wie der Höchstbetrag von 200 Euro je Abhebung, von der deutschen Kreditwirtschaft vorgegeben.

          Reine Dienstleistung für die Kunden?

          Obwohl die Frage nach dem Geldabheben in vielen Läden üblich geworden ist, reagieren viele Kunden noch verhalten, mitunter sogar perplex. Ein Supermarkt, der nicht nur Geld entgegennimmt, sondern auf Wunsch auch ausgibt? Das klingt doch sehr danach, als ob Rewe, Aldi-Süd und all die anderen ihr Bargeld unbedingt loswerden wollen. Es ist ja auch von Vorteil, wenn die Kasse möglichst leer ist. Zum einen wird das zeitraubende Zählen der Geldscheine nach Ladenschluss verkürzt, zum anderen muss der Einzelhändler weniger Geldkassetten füllen, um sie von einem Sicherheitsunternehmen abtransportieren zu lassen.

          Bieten die Supermärkte das Geldabheben also an, um sich die immer teurer werdende Bargeldentsorgung so gut wie möglich zu ersparen? Nein, sagen die Einzelhändler einhellig und behaupten, es gebe keinen anderen Grund als den guten Dienst am Kunden. Aldi-Süd erklärt, es wolle seinen Kunden eine Zeitersparnis bieten, weil sie zum Geldabheben nicht mehr zusätzlich zum Geldautomaten oder in eine Bankfiliale gehen müssten. Somit passe das Angebot zum „Einfach-Prinzip“ des Discounters. Auch Rewe hebt hervor, dass es sich um nicht mehr handelt als eine Dienstleistung für den Kunden, der sich an der Kasse „quasi nebenbei“ mit Bargeld versorgen wolle.

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