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Veröffentlicht: 15.01.2016, 08:41 Uhr

Konsum-Kredite Viele Deutsche leisten sich Luxus auch auf Pump

Ein bisschen Luxus mit Hilfe von Krediten? Das birgt große Risiken. Schlimmstenfalls droht eine Schuldenspirale. Laut einer Umfrage nehmen die Bundesbürger das Geld für die kleinen Extras aber meistens vom Konto.

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© Bloomberg Sehnsuchtsort so manch wintergeplagter Deutscher: Sonnendeck eines luxuriösen Kreuzfahrtschiffs in karibischen Gewässern.

Manche Menschen schwelgen im Luxus, andere wiederum können sich kaum das Nötigste leisten. Zudem ist er relativ. Denn für viele ist es schon wahrer Luxus, ein bisschen freie Zeit zu haben oder einfach in der Natur zu sein. An materiellen Dingen stehen dagegen offenbar vor allem Traumreisen auf der Wunschliste der Deutschen weit oben. Dies ergibt jedenfalls eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage der Norisbank. Demnach würden 38 Prozent der Bundesbürger am liebsten sofort auf einem schönen Kreuzfahrtschiff in See stechen oder die Annehmlichkeiten eines tropischen Luxusresorts genießen, wenn dies die eigene Geldbörse zuließe.

Kerstin Papon Folgen:

Erst mit einigem Abstand folgen in der Umfrage unter den beliebtesten Luxusartikeln der Besitz eines Sportwagens oder exklusive Unterhaltungselektronik zu jeweils 12 Prozent. Dagegen würden weniger als 5 Prozent der Befragten gern hochwertigen Schmuck, Designer-Mode oder Accessoires besitzen. So mancher Luxus bleibt für die meisten unerschwinglich. Gleichwohl gibt es kleinere und größere kostspielige Dinge, die sich auch ein Otto Normalverbraucher hin und wieder leistet. Auch dies ergibt die Umfrage der Norisbank. Demnach haben sich drei Viertel der Befragten im zurückliegenden Jahr ein solches Extra gegönnt.

Das Geld wurde vor allem für hochwertige Unterhaltungselektronik (23 Prozent), Mode (21 Prozent) und Möbel beziehungsweise Einrichtungsgegenstände (18 Prozent) ausgegeben. Und wie in so vielen Dingen zeigt sich auch hier, dass die Geschmäcker von Männern und Frauen verschieden sind. So greift das männliche Geschlecht häufiger zu Unterhaltungselektronik, als es Frauen tun, während diese mehr Wert auf Mode legen, wenn sie sich selbst etwas gönnen.

Finanzierung kann teuer werden

Und wie werden die Extras finanziert? Rund 40 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass hierfür das Geld auf dem Girokonto ausgereicht habe. Ein knappes Drittel ging für den Alltagsluxus an das Ersparte. Dieses Ergebnis deckt sich auch mit anderen Studien zu den Sparzielen der Deutschen. So ergab eine repräsentative Umfrage der Direktbank Comdirect im Vorjahr, dass zwei Drittel der Bundesbürger für ihre Urlaubsreise sparen.

Es scheint inzwischen zudem aber auch nicht unüblich zu sein, sich das Geld für den persönlichen Luxus zu leihen. Dies ist ein weiteres Ergebnis der Studie der Norisbank. Jeder Fünfte habe hierfür einen Ratenkredit vereinbart, 7 Prozent der Befragten hätten einen Dispositionskredit in Anspruch genommen, und 6 Prozent hätten sich Geld von Freunden oder der Familie geliehen. Bei dieser Fragestellung waren Mehrfachnennungen möglich. Und so hat sich auch gezeigt, dass viele der Befragten unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten miteinander kombinierten.

Und wie teuer ist eine solche Finanzierung überhaupt? Ein Ratenkredit mit 36 Monaten Laufzeit zum Beispiel kostet nach Angaben der FMH-Finanzberatung in Deutschland derzeit im Durchschnitt rund 5 Prozent jährlich. Diesem Wert liegen die Konditionen von 35 ausgewählten Finanzinstituten zugrunde, wobei Online-Banken ebenso in die Berechnung einfließen wie Filialinstitute. Die Spannbreite der Zinsen ist aber groß: Sie reicht allein bei diesen FMH-Daten aktuell von fast 3 Prozent bis hin zu 10,50 Prozent. Auch die Bonität des Bankkunden ist in der Regel für den Zinssatz relevant. Und je schlechter seine Zahlungsfähigkeit ist, desto höher fällt meist der Zins aus. Für einen Dispositionskredit wiederum wird derzeit trotz des Niedrigzinsumfeldes laut FMH im Durchschnitt ein Zinssatz von rund 9,6 Prozent fällig. Hier reicht die Spanne der ausgewählten Institute von rund 4,4 Prozent bis zu 12,75 Prozent.

Besser kein Dispokredit

Finanzexperten raten: Wer für längere Zeit einen Kredit in Anspruch nehmen müsse, solle keinen Dispokredit, sondern besser einen vergleichsweise günstigeren Ratenkredit wählen. Doch vor allem sollte vor einem Kauf unbedingt geprüft werden, ob ein Kredit in dem Budget eines Haushalts überhaupt machbar sei. Verbraucherschützer warnen vor den sogenannten Null-Prozent-Finanzierungen des Handels, die inzwischen gang und gäbe sind. Der Kunde schließt auch in diesem Fall einen Kredit mit einem Kreditinstitut ab, jedoch über den Handel.

Die verlockenden Finanzierungsangebote ohne Zinsen können zu unüberlegtem Konsum verführen. Diese Finanzierungen seien aber kein Geschenk an die Kunden, sondern eine reine Werbemaßnahme zur Steigerung der Verkaufszahlen, heißt es vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Auch versteckte Kosten würden in der Preiskalkulation des Händlers berücksichtigt, selbst wenn der Zins null Prozent betrage. Die meist geringen Raten lenkten jedoch von dem eigentlichen, vielleicht teureren Kaufpreis ab. Aber auch eine niedrige Ratenbelastung bei längeren Laufzeiten berge für Kunden die Gefahr, den Überblick über die monatlichen Verpflichtungen zu verlieren und dabei in eine Schuldenspirale zu geraten. Dies gilt umso mehr, wenn später zu dann höheren Zinsen eine Anschlussfinanzierung gemacht werden muss.

Ein weiteres, in diesem Zusammenhang vielleicht etwas beruhigendes Ergebnis der Norisbank-Umfrage: Die Mehrheit der Deutschen gibt demnach an, nichts mit Luxus als Statussymbol anfangen zu können. Und so haben fast 80 Prozent der Umfrageteilnehmer nach eigener Aussage noch nie eine Anschaffung getätigt, um von anderen dafür bewundert zu werden. Aber nur jeder fünfte Deutsche sagt, grundsätzlich keinen Hang zum Luxus zu haben. Befragt wurden gut 1000 Personen im Alter von 18 Jahren an.

Quelle: F.A.Z.

 

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