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Reichenstudie : Mehr Milliardäre als jemals zuvor

Warten auf einen Milliardär: Eine Luxus-Show im chinesischen Hainan Bild: dpa

Trotz der unruhigen Zeiten ist die Zahl der Milliardäre gestiegen. Deutschland fällt in der Rangliste zurück. Eine Stadt ist dabei das Zentrum der Superreichen.

          Der typische Milliardär ist 63 Jahre alt, männlich, verheiratet, hat sein Geld in der Finanzbranche gemacht, besitzt 3,1 Milliarden Dollar und vier Anwesen, die jeweils durchschnittlich 23,5 Millionen Dollar wert sind – aber nicht zwingend einen akademischen Titel. 35 Prozent der 2325 Milliardäre dieser Erde haben keinen Universitätsabschluss. Das sind einige Ergebnisse des diesjährigen Milliardärsreports, den die Schweizer Großbank UBS mit dem Datenanbieter Wealth X erstellt hat.

          Bild: F.A.Z.
          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten und politischer Unruhen ist die Zahl der Milliardäre in der Zeit von Juli 2013 und Juni 2014 um 7 Prozent auf die Rekordzahl von 2325 Personen gestiegen. Diese kontrollieren 4 Prozent des globalen Reichtums. Das akkumulierte Vermögen der Superreichen stieg um 12 Prozent auf 7,3 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Das ist mehr als die Marktkapitalisierung aller 30, im amerikanischen Aktienindex  Dow Jones vertretenen Unternehmen zusammen.

          Die meisten Milliardäre, 571 an der Zahl, kommen aus Nordamerika. Auf dem zweiten Platz liegt China mit 190 Milliardären, 33 mehr als im Vorjahr. Auf dem dritten Platz – wo sich im vergangenen Jahr noch Deutschland fand – folgt Großbritannien mit 130 Personen. Deutschland liegt mit 123 Milliardären auf Platz vier, vor Russland.

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          Die Autoren der Studie führen die Abnahme der Milliardärspopulation in Deutschland, das im Vorjahr noch 148 Vertreter auf der Liste hatte, auf die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts zurück. Es sei schwächer gewachsen als das Großbritanniens. Das akkumulierte Vermögen der deutschen Milliardäre ist mit 413 Milliarden Dollar allerdings höher als das der britischen mit 395 Milliarden Dollar.

          Am stärksten ist die Zahl der Milliardäre in Lateinamerika gestiegen – um 38 Prozent auf 153 Personen. Das akkumulierte Vermögen nahm gleichzeitig allerdings nur um 3 Prozent zu. Der Anstieg weise darauf hin, dass viele Milliardäre ihr Vermögen im vergangenen Jahr übertragen hätten – schließlich sind die lateinamerikanischen Milliardäre mit durchschnittlich 67 Jahren auch besonders alt.

          Ein Drittel (775) der Milliardäre stammt aus Europa, wo sie vor allem in Moskau, London und Istanbul leben. Als einzige deutsche Stadt findet sich Hamburg, mit 18 milliardenschweren Einwohnern, die zusammen 51 Milliarden Dollar besitzen, unter den Top Ten der europäischen Milliardärsstädte. Allerdings weist die Studie auch auf eine deutsche Besonderheit hin: So leben gerade hierzulande die Superreichen – im Gegensatz zu anderen Ländern – nicht zwingend in den Metropolen. Von den 26 bayerischen Milliardären wohnen nur sieben in München. Von den türkischen Milliardären leben hingegen mehr als 90 Prozent in Istanbul.

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          Weltweit kommt ein Milliardär auf drei Millionen Menschen, die meist deutlich weniger besitzen. Insofern sind die Chancen, einen der Superreichen zu treffen am besten in Liechtenstein, wo auf knapp 37.000 Einwohner 5 Milliardäre kommen oder auf Bermuda, wo auf 65.000 Einwohner 7 Milliardäre kommen. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass für Superreiche Ländergrenzen kaum eine Rolle spielen. Sie orientieren sich vor allem an Städten. 34 Prozent der Milliardäre verteilten sich auf 20 Großstädte, allen voran New York, Moskau, Hongkong und London. Die Konzentration auf die regionalen Metropolen sei vor allem in den Schwellenländern ausgeprägt, heißt es.

          In den vergangenen Jahren hat die Zahl derjenigen, die ihr Milliardenvermögen komplett geerbt haben, immer weiter abgenommen. Vier Fünftel der heutigen Milliardäre hätten sich ihren Reichtum ganz oder zumindest teilweise selbst geschaffen. „Unternehmertum ist immer noch die wichtigste Voraussetzung dafür, um Milliardär zu werden“, schreiben die Autoren. Besonders stark ist im vergangenen Jahr die Zahl derjenigen gewachsen, die ihr Vermögen zum Teil geerbt und zum anderen Teil selbst aufgebaut haben. Tröstlich ist, dass auch die Superreichen nicht unbedingt ein glückliches Händchen bei der Geldanlage haben: Verglichen mit der Performance des S&P 1200 Global Equity Index haben sie schlechter abgeschnitten.

          Hinweis der Redaktion: Natürlich muss es heißen „35 Prozent der 2325 Milliardäre dieser Erde haben keinen Universitätsabschluss“. Dem aufmerksamen Leser Johannes Halder vielen Dank für den Hinweis.

          Quelle: F.A.Z.

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