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Zurückgerudert : Einige Banken schaffen Automatengebühren wieder ab

Die zuletzt heiß diskutierten neuen Gebühren für die Nutzung von Geldautomaten verschwinden zum Teil schon wieder. Die angegebenen Gründe sind vielfältig.

          Der Trend zu neuen und höheren Bankgebühren rund ums Girokonto ist offenbar nicht mehr ganz ungebrochen. Jedenfalls gibt es mittlerweile erste Institute, die ihre Gebühren für Barabhebungen an den eigenen Geldautomaten wieder abgeschafft haben – und zwar sowohl unter den Volks- und Raiffeisenbanken als auch unter den Sparkassen.

          Wie berichtet, hatte das Internetportal Biallo.de mit Übersichten, wie weit solche Gebühren in Deutschland mittlerweile schon verbreitet sind, in den vergangenen Wochen für einiges Aufsehen gesorgt. Jüngst erst hatten sich Verbraucherschützer in Stellung gebracht. "Wir haben klare Belege, dass drei Institute ihre Kunden vorher nicht ausreichend über die Preisänderung informiert haben", sagt etwa Finanzmarktwächter Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Ein Verfahren gegen eine Berliner Genossenschaftsbank läuft bereits vor dem Landgericht Halle."

          In manchen Städten gab es daraufhin politische Diskussionen darüber, inwieweit gerade Sparkassen in öffentlicher Trägerschaft solche Entwicklungen mitmachen sollten, wenn beispielsweise der jeweilige Landrat oder Bürgermeister im Verwaltungsrat sitzt. So hatte im hessischen Hanau die CDU-Mittelstandsvereinigung mit Nachdruck gefordert, die entsprechende Regelung solle zurückgenommen werden. Die Unionsvertreter in den Aufsichtsgremien, aber auch der sozialdemokratische Landrat Erich Pipa „mit seinem starken sozialen Anspruch“ solle der Sparkasse ihr Verhalten „so nicht durchgehen lassen“.

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          In Hanau ist die Regelung inzwischen wieder abgeschafft worden. Allerdings verweist die Sparkasse darauf, man habe sich keinem politischen Druck gebeugt, sondern, unabhängig davon, Kosten und Nutzen abgewogen und sei zu dem Ergebnis gekommen, die Automatengebühr lohne sich nicht.

          Die Sparkasse hatte etwa zwei Jahre lang von der elften Abhebung im Vierteljahr an 20 Cent je Abhebe-Vorgang verlangt, und zwar für eines von fünf Kontomodellen. Rund 1000 von 93.000 Girokonten-Kunden der Sparkasse hätten diese Kontovariante gewählt, heißt es. Dabei habe es sich teils um Mietkonten ohne Barabhebungen gehandelt.

          Deshalb habe der Ertrag für die Bank aus der Gebühr nur rund 400 Euro je Jahr betragen, das sei zu wenig für den damit verbundenen Aufwand gewesen. Die Möglichkeit, die Gebühren zu erhöhen, um die Sache rentabler zu machen, wollte das Institut in der derzeitigen Situation offenbar nicht nutzen. Ein Sprecher sagte, das Kalkül falle möglicherweise anders aus, wenn man, wie wohl manche andere Sparkasse, 40 oder 50 Cent von der ersten Abhebung an verlange.

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          Auch die Raiffeisenbank Offenbach-Bieber hat ihre Gebühr für Barabhebungen wieder abgeschafft. Auf der Internetseite des Instituts findet sich jetzt ein Hinweis, man habe die öffentliche Diskussion zu einem „am Kundeninteresse orientierten Abschluss“ bringen wollen. Vorstandsmitglied Karlo Uhlein sagte, sein Institut habe bislang für Barabhebungen vom Konto „VR-Privatkonto Standard“ zeitabhängig Geld für „Buchungsposten“ außerhalb der Öffnungszeiten genommen. Mit der Abschaffung strebe die Bank eine „abschließende Klärung im Kundeninteresse“ und „mehr Transparenz“ an.

          Die Sparkasse Leer-Wittmund führte auf Anfrage aus, bei ihr seien die Gebühren für Barabhebungen durch ein Versehen auf der eigenen Internetseite gelandet. „Durch eine versehentlich falsche Produktinformation auf unserer Internetseite sind wir mit dem Produkt ,Giro-Individual‘ in der Biallo-Liste mit kostenpflichtigen Barabhebungen gelandet“, teilte die Sparkasse mit: „Wir haben unsere Produktinformation auf unserer Internetseite korrigiert und sind jetzt auch nicht mehr auf der Liste der Sparkassen, die Preise für Geldautomatenverfügungen berechnen.“

          Auch die Volksbank Lette-Darup-Rorup in Coesfeld hat die Angaben auf ihrer Internetseite offenkundig geändert. Und zwar für ihre Kontomodelle „VR-Giro-Top“ und „VR-Giro-Direkt“. Vor Ostern fand sich dort der Hinweis, für das Geldabheben an fremden Automaten des Bank-Card-Service-Netzes gebe es je Monat fünf Freiverfügungen, von der sechsten an koste das Abheben 1,02 Euro.

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          Für Barabhebungen an eigenen Geldautomaten gebe es auch fünf Freiposten, von der sechsten Verfügung an aber verlange man 0,32 Euro. Die zweite Gebühr findet sich jetzt nicht mehr auf der Internetseite. Auch von diesem Institut hieß es dazu, es habe sich um ein Versehen gehandelt.

          Die Sparkasse Ansbach teilte mit, seit dem 1. April fielen bei ihr keine Gebühren für Abhebungen von Privatkunden an eigenen Geldautomaten mehr an. Wo diese noch belastet würden, könnten Kunden sich das Geld sogar rückerstatten lassen. Die Commerzbank hatte Abhebegebühren für eigene Kunden zuletzt strikt ausgeschlossen.

          Auf eher geringe Erträge aus Gebühren für Bargeldverfügungen, zumindest nach den bislang eingeführten Modellen, kommt die Unternehmensberatung Barkow Consulting in einer Analyse. Insgesamt brächten diese Gebühren für die Sparkassen in Deutschland ohne Berücksichtigung der Umsatzsteuer bei durchschnittlich 2,3 Abhebungen je Kunde und Monat knapp 20 Millionen Euro im Jahr ein – das seien etwa 85 Cent je Kunde.

          Quelle: F.A.Z.

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