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Der Charme alter Autos : Oldtimer bringen Spaß und Rendite

  • -Aktualisiert am

Schön, aber nicht teuer: In der Frankfurter Klassikstadt gibt es Oldtimer für fast jeden Geldbeutel Bild: Lisowski, Philip

In unsicheren Zeiten kaufen die vom Niedrigzins geplagten Anleger gerne Oldtimer als Wertanlage. Vor allem Boliden mit Rennsporterfahrung versprechen Gewinne.

          Der rote Porsche Targa von 1973 muss nicht lange auf einen Käufer warten. „Länger als zwei Tage stand der nicht hier“, sagt Marco Wimmer, Geschäftsführer und Mitbegründer der „Klassikstadt“ in Frankfurt, in der Dutzende Oldtimer in einer alten, schön renovierten historischen Fabrik aus Backstein ausgestellt sind und zum Kauf angeboten werden. Ein Schatz reiht sich auf den drei Stockwerken an den anderen. Nun klebt ein „Verkauft“-Schild auf der Windschutzscheibe des Sportwagens. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Oldtimer-Markt dramatisch verändert“, sagt Wimmer. Mittlerweile bewegen sich nicht mehr nur Liebhaber auf ihm. „Alte Autos werden zunehmend als Investment gesehen.“

          Aus einem der schmutzigsten Hobbys der Welt ist ein Milliarden-Geschäft geworden. Die vom Niedrigzins geplagten Anleger suchen händeringend nach alternativen Anlagen, auch nach alten Autos. Rasant ziehen die Preise an – insbesondere weil die Nachfrage größer ist als das Angebot. So hat sich der HAGI Top-Index der Historic Automobile Group seit dem Jahr 2009 fast verdoppelt. Der Gradmesser beruht auf realen Oldtimer-Verkäufen, also wirklich erzielten Preisen. Die fragt HAGI monatlich bei Händlern und Fachleuten ab. Sowohl der Top-Index als auch die Subindizes zu Porsche, Ferrari, Mercedes und den sonstigen Modellen weisen im ersten Halbjahr 2013 schon Renditen von fast 20 Prozent auf.

          Charme alter Autos

          „Der Aufstieg der Schwellenländer hat in den vergangenen Jahren auch dort das Interesse an Oldtimern geweckt“, sagt Manfred Mühlheim, der bei der Stuttgarter Südwestbank das Anlage-Management leitet. Sein Haus berechnet den Oldtimer-Index, der die Preisentwicklung bei Einzelmodellen betrachtet. Bei der jüngsten Auswertung standen gleich zwei, wenn auch völlig divergierende, BMW-Modelle ganz oben. Der 503er beziehungsweise der 507er, die bis Mitte der Sechziger gebaut wurden, schafften von 2005 bis heute ein Plus von 175 Prozent – in Deutschland gibt nur noch 135 Stück, und die kosten im Durchschnitt 200.000 Euro. Deutlich präsenter und auch weitaus günstiger ist der erste Dreier-BMW, der bis 1983 gebaut wurde. 173 Prozent hat er seit dem Jahr 2005 an Wert gewonnen, trotzdem ist er aktuell noch für relativ erschwingliche 7850 Euro zu haben.

          Das Geschäft mit den Automobilen ohne Servolenkung, Klimaanlage und Airbags sowie hohem Benzinverbrauch, aber einem hohen Spaßfaktor kann sich also lohnen. Family-Offices, also die Vermögensverwaltungen betuchter Familien, haben dies auch gemerkt. Sie entdecken nach Immobilien, Kunst und Beteiligungsmodellen seit geraumer Zeit den Charme alter Autos. „Bei einem größeren Portfolio kann der Anteil der Oldtimer durchaus bei fünf bis zehn Prozent liegen“, sagt Südwestbank-Experte Mühlheim. Dann gehe es häufig um das Vervollständigen einer Sammlung, um ein seltenes Modell oder um Fahrzeuge mit einer gewissen Historie, beispielsweise aus der Rennserie.

          Der wohl berühmteste Auftritt eines Alfa Romeo fand 1967 im Film „Die Reifeprüfung“ statt.
          Der wohl berühmteste Auftritt eines Alfa Romeo fand 1967 im Film „Die Reifeprüfung“ statt. : Bild: Grimm, Lena

          Der Verband der Automobilindustrie ermittelte im Rahmen einer aktuellen Studie, dass der Durchschnittswert bei Oldtimern gut 19.600 Euro beträgt. Für Marco Wimmer ist das der Mindestkapitaleinsatz, wenn man mit einem Oldtimer Geld verdienen wolle. Denn eine Rendite sei schnell von Garagenkosten, Wartung, Versicherung, Steuer, Ersatzteilen und Reparaturen bei Oldtimer-Spezialisten aufgefressen. Die laufenden Kosten liegen bei 3 bis 4 Prozent im Jahr rechnet Südwestbank-Experte Mühlheim vor. Einen sofortigen und schleichenden Wertverlust wie bei einem Neuwagen sei hingegen selten zu beobachten. „Insofern wird das Kapital in den meisten Fällen erhalten“, sagt Wimmer. „Wenn es gut läuft, ist sogar ein Gewinn drin, wenn nicht, hatte man wenigstens Spaß beim Fahren.“

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