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Geldanlage : Sparen ganz ohne Zinseszins

Albert Einstein und die Formel für den Zinseszins Bild: dpa

Die Zinsen sind überall niedrig. Manche Banken zahlen sogar überhaupt keinen Zinseszins mehr. Ist das schlimm?

          Der Zinseszins ist ein faszinierendes Phänomen: Wenn jemand Geld gespart hat und bringt es zur Bank, bekommt er dafür Zinsen – normalerweise. Und weil das Ersparte dadurch mehr geworden ist, erhält er im nächsten Jahr auch Zinsen auf die Zinsen. Und dann auch Zinsen auf die Zinsen der Zinsen, und so weiter. Der Anstieg der Ersparnisse bekommt auf diese Weise mit der Zeit eine enorme Wucht. „Die stärkste Kraft im Universum“ soll der Nobelpreisträger Albert Einstein den Zinseszins einmal genannt haben, das „achte Weltwunder“ – und „die größte Erfindung des menschlichen Geistes“.

          Umso ungewöhnlicher ist es, dass es offenbar zunehmend mehr Banken gibt, die keinen Zinseszins mehr zahlen. Gemeint sind jetzt nicht jene mehr als 90 Banken und Sparkassen in Deutschland, die überhaupt keine Zinsen aufs Tagesgeldkonto mehr zahlen und sich gleichsam als unentgeltliche Aufbewahrer fürs Ersparte andienen. Nein, es gibt im Gegenteil auch Banken, die sehr wohl sogar mit einem vergleichsweise hohen Zins werben. Die also in Zeiten wie diesen in der Zinslandschaft sogar angenehm auffallen. Bei denen es aber sozusagen ein Haken ist, dass sie zwar hohe Zinsen auf lang laufenden Festgeldkonten anbieten – aber eben keine Zinseszinsen zahlen.

          Aufgefallen ist es unlängst auf der Finanzmesse Invest in Stuttgart, einem Treffen der Anbieter interessanter Anlagemöglichkeiten. Da warb die Bigbank, ein (entgegen dem Namen eher kleines) Kreditinstitut mit Sitz in Tartu, einer Stadt in Estland, mit immerhin 2 Prozent Zinsen für Festgeld. Nun mag manch einer sagen, so viel gab es früher auf jedem Sparbuch; aber in Zeiten wie diesen ist dieser Zinssatz nicht ganz schlecht.

          Estland gehört zur Europäischen Union, also sind Einlagen bis 100.000 Euro durch die Regeln der europäischen Einlagensicherung geschützt. Das Ganze hat aber einen Nachteil: Man muss das Geld über zehn Jahre fest anlegen. Und die Zinsen gibt es erst ganz am Schluss – ohne Zinseszins.

          Gutschrift erst bei Fälligkeit

          Die Bigbank ist kein Einzelfall: „Es gibt immer mehr Banken, vor allem aus Osteuropa, aber auch aus Italien und Österreich, die in Deutschland Sparergelder einsammeln, aber die Zinsen erst bei Fälligkeit gutschreiben und deshalb keine Zinseszinsen zahlen“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt. „Das ist auch in Deutschland erlaubt – aber bei deutschen Banken bislang eher nicht üblich“, sagt Herbst.

          Bild: F.A.Z.

          Die einzige ihm bekannte deutsche Bank, die so vorgehe und regelmäßig in Internetvergleichen auftauche, sei die Oyak Anker Bank. Sie entstand 1996 aus der Allgemeinen Teilzahlungsbank in Koblenz, deren Nachfolgegesellschaft von Oyak übernommen wurde, einem Pensionsfonds der türkischen Streitkräfte.

          Bei ihr gibt es zwei Modelle von Festgeldkonten: Bei dem einen bekommt man für Festgeld über zehn Jahre 1,8 Prozent pro Jahr. Die Zinsen werden aber auf ein separates Konto überwiesen, ein Tagesgeldkonto, und nach dem dort üblichen, niedrigeren Zinssatz verzinst. Bei der anderen Variante bekommt man überhaupt keine Zinseszinsen mehr – sondern einfach nach zehn Jahren die gesamten Zinsen von 1,8 Prozent pro Jahr gutgeschrieben.

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