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Lukrative Kapitalanlage : Mit Weinbergen hohe Prozente scheffeln

  • -Aktualisiert am

Weinfinanzier: Jean-Michel Cazes. Bild: AFP

Ein Fonds möchte künftig mit Investitionen in Weinberge den Wunsch nach einer hohen Rendite erfüllen. Auch Prominente wie Günther Jauch und Gérard Dépardieu nutzen bereits Weingüter als Kapitalanlage.

          Wein, das hat etwas von Boden, Natur und Heimatpflege. Das zumindest ist das Bild, das die Vertreter der Weinbranche gerne in der Öffentlichkeit zeichnen. Zunächst legten sich gerne Prominente ein eigenes Gut zu. Neben dem amerikanischen Regisseur Francis Ford Coppola („Apocalypse Now“) besitzt der deutsche Fernseh-Quizmaster Günther Jauch eigene Reben. Auch der französische Schauspieler Gérard Depardieu trinkt gerne eigenen Wein genauso wie der amerikanische Barde Bob Dylan. Auch das Glamourpaar Angelina Jolie und Brad Pitt bietet hausgemachten Rosé-Wein aus der Provence feil. Neben Prestige versprechen Weinberge Schutz vor Geldentwertung.

          Weinberge kommen daher auch als Kapitalanlage in Betracht und sie müssen keineswegs altmodisch sein. Ein französischer Finanzinvestor, Vincent Pretet, tritt der Tradition nun mit einem Fonds entgegen, der das Wachstum innovativer Unternehmen in diesem Segment finanzieren will. Investments in Weinberge sollen den Wunsch nach Rendite erfüllen. Diesen Wunsch bedient Pretets Angebot auf ganz eigene Weise. Es ist der erste Start-up-Fonds in dieser jahrtausendealten Branche. 33 Entrepreneurs heißt der Beteiligungsfonds, der mit einem bescheiden anmutenden Volumen von 1 Million Euro antritt, das Pretet bei Anlegern einwirbt. „Wir wollen mit diesem Fonds einen Wachstumsbeschleuniger für innovative Unternehmen im Bereich Wein und Spirituosen schaffen“, sagt Pretet.

          Prominente Unterstützung für Pretet

          Handelt es sich wieder einmal um eine kurzlebige Idee, die den Erfolgsgeschichten der großen Internetunternehmern nacheifern will? Immerhin hat Pretet nun prominente Unterstützung bekommen. Jean-Michel Cazes und sein Sohn Jean-Charles, Eigentümer des renommierten Weinguts Château Lynch-Bages in Pauillac nahe Bordeaux, haben sich diesem Start-up-Fonds angeschlossen, der gezielt in erfolgversprechende Unternehmensgründer im Weinbereich investiert.

          Der Name Cazes ist einer der strahlendsten Namen im französischen Weingewerbe. Jean-Michel Cazes, 79 Jahre alt, leitete bis zum Jahr 2000 die Weininvestments des französischen Versicherungskonzerns Axa, die dieser in der Beteiligungsgesellschaft Axa Millésimes gebündelt hat. Dort führte er vor, wie sehr sich der Kauf von Weingütern als ernstzunehmendes Investment eignet.

          Nach einer Ausbildung an französischen Eliteschulen und einer Offizierslaufbahn in der Luftwaffe sowie einer Karriere bei IBM kehrte er 1973 nach Pauillac zurück und übernahm vom Vater das familieneigene Weingut Lynch-Bages. Das wurde ihm bald zu klein, und er kaufte weitere hinzu: Château Les Ormes de Pez, Château Cordeillan-Bages oder die Domaine des Sénéchaux in Châteauneuf-du-Pape am Ufer der Rhône. Hinzu kamen Güter in Portugal und Australien oder dem Languedoc.

          Ausgesuchte Mentoren begleiten Geschäftsaufbau

          Als Chef von Axa Millésimes erwarb er für den führenden französischen Versicherungskonzern in ganz Europa leuchtende Namen: im Bordelais Château Pichon Longueville Baron, Château Suduiraut, Cantenac Brown oder in Portugal den Portweinhersteller Quinta do Noval. Vor acht Jahren übertrug er seinem Sohn Jean-Charles den Familienbesitz.

          Mit Vater und Sohn Cazes hat Pretet für seinen Fonds 33 Entrepreneurs einen Namen von Gewicht in der Branche gewonnen. Eine Unternehmensgründung finanziert Pretet nur, wenn am Projekt mindestens zwei Personen beteiligt sind, wenn sie die für ihre Idee benötigte Technologie in ihrem Unternehmen halten und kontrollieren und wenn sie bereit sind, den Sitz nach Bordeaux zu verlegen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, finanziert der Fonds alle Aktivitäten rund um das Weingeschäft – Hauptsache, sie sind wirklich innovativ. „Wir wollen die jungen Unternehmer begleiten und sie in ihrer Entwicklung unterstützen“, sagt Pretet.

          Im ersten Monat begleiten von 33 Entrepreneurs ausgesuchte Mentoren den Geschäftsaufbau. Im zweiten Monat soll der Markteintritt vorbereitet werden, und im dritten Monat geht es darum, das Unternehmen fit zu machen, damit sich die Gründer um eine Anschlussfinanzierung bemühen können, beispielsweise um Risikokapital, wie es Venture-Capital-Fonds bereitstellen. Damit tritt 33 Entrepreneurs dort an, wo es für Existenzgründer am schwierigsten ist: bei der Finanzierung des ersten Schritts von der Idee zum konkreten Projekt. Mit 50000 Euro unterstützt 33 Entrepreneurs eine Geschäftsgründung und nimmt im Gegenzug eine Beteiligung von 6 bis 10 Prozent an dem Start-up. In einer zweiten Runde können noch einmal 50000 Euro fließen und schließlich möglicherweise Wandelanleihen von bis zu 150000 Euro. In einem europaweiten Wettbewerb sucht Pretet derzeit innovative Gründer. Auch in München war er schon. Anfang September will er der ersten Runde von zehn bis zwölf Gründungen eine Chance geben.

          Wenn es um Wein geht, da bekommt auch das Wort Genussschein eine neue Bedeutung. Viele deutsche Winzer gaben in den vergangenen Jahren Wein-Genussscheine aus. Auch hier leiht der Anleger einem Weingut Geld. Nur bezieht der Anleger neben Zinsen meist eine Ausschüttung in besonders liquider Form, in Form von Flaschen, 11 Prozent mindestens, garantiert und Trinkgenuss obendrein.

          Sybille Kuntz, Gründerin des Weinguts Kuntz in Lieser an der Mosel, war wohl die erste, die Wein-Genussscheine anbot. 2500 Euro zahlen Weinliebhaber bei ihr auf fünf Jahre ein und bekommen 6 Prozent Zinsen. Seit Anfang der neunziger Jahre bietet Sybille Kuntz dieses Modell an, ursprünglich weil der Quereinsteigerin damals keine Bank Geld leihen wollte. Es ist ein liebenswertes Geschäft, bei dem der Reiz darin besteht, günstig an gute Weine zu kommen. Ob es sich finanziell rechnet, sollte jeder Weinliebhaber sorgfältig abwägen, wie jede Geldanlage.

          Quelle: F.A.Z.

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