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Veröffentlicht: 13.02.2015, 09:40 Uhr

Geldanlage So holen Sie aus dem Minizins etwas heraus

Die Zinsen sind niedrig, aber auch die Inflation geht zurück. Ist das am Ende gut? Nur, wenn man richtig spart.

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© Picture-Alliance

Die Verbraucherpreise sinken vor allem wegen gefallener Energiekosten immer weiter. Inzwischen ist in Deutschland die Inflationsrate sogar negativ. Deswegen erhalten Sparer auch erstmals seit rund fünf Jahren wieder eine reale Rendite für Tagesgeld. Doch angesichts der mageren Zinsen dürfte dies kaum ein Trost sein, allenfalls ein kleines Trostpflaster. Denn für merkliche langfristige Kapitalzuwächse braucht es mehr.

Kerstin Papon Folgen:

Im Januar ist die Inflationsrate in Deutschland von plus 0,2 Prozent im Dezember auf minus 0,4 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Dies sei der stärkste Preisrückgang seit Juli 2009. Damals gingen die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,5 Prozent zurück. In einer ersten Schätzung hatten die Statistiker Ende Januar für den Jahresauftakt noch eine Rate von minus 0,3 Prozent ermittelt. Im Euroraum beträgt die Inflationsrate im Januar nach Prognosen der Statistikbehörde Eurostat minus 0,6 Prozent. Endgültige Zahlen werden in zwei Wochen erwartet.

Doch auch die mageren Zinsen, die Anleger für ihr Erspartes bekommen, fallen immer weiter. Aktuell wird ein Tagesgeld über 5000 Euro im Bundesdurchschnitt mit rund 0,5 Prozent verzinst. Dies ergibt eine Erhebung der FMH-Finanzberatung unter 35 ausgewählten Instituten. Zum Vergleich: Ende 2008 zum Beispiel waren es noch 3,6 Prozent. Für 50 000 Euro bieten die Banken nach Angaben von FMH zurzeit im Durchschnitt mit 0,45 Prozent noch weniger.

Infografik / Tagesgeld und Festgeld © F.A.Z. Vergrößern

„Angesichts der lockeren Geldpolitik und der Flutung der Märkte mit Liquidität wollen die meisten Banken kaum noch das Geld ihrer Kunden“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Deswegen fielen die Tagesgeldsätze und andere Zinsen für Einlagen der Kunden peu à peu immer weiter. „Der kleine reale Zins, den Sparer nun bekommen, ist eine rein rechnerische Größe“, sagt Herbst: „Langfristig geschieht einfach nichts mit dem Geld, das Kapital wächst nicht. Da nützt auch die schönste Minus-Inflation nichts.“ Denn der Zinseszinseffekt bleibe nahezu aus.

Ganz anders sah das noch zum Beispiel im Jahr 2009 aus. Damals betrug zudem der Unterschied zwischen Zins und Inflation fast 2,5 Prozentpunkte. Aktuell bleibt unter dem Strich weniger als ein Prozentpunkt. Zudem ist es fraglich, ob die deflationären Tendenzen Bestand haben. Zumindest für die kommenden Monate gehen Experten allerdings davon aus, auch wenn der Ölpreis seit Mitte Januar wieder gestiegen ist. Im Vergleich zum Vorjahr ist er immer noch niedrig.

Ein Zinsvergleich lohnt allerdings dennoch. Denn mager ist nicht gleich mager. Besonders niedrige Zinsen zahlen häufig Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Das hört man immer wieder, und das lehren eigene Erfahrungen. Auf wie vergleich.de zum Beispiel findet man viele dieser Mager-Zins-Zahler. Der Tagesgeld-Rechner der F.A.Z. zeigt immer die höchsten Zinsen.

Was soll man also tun, wenn man mit einem höheren Zinssatz sparen möchte? Sparfüchse scheuen keine Mühen, um auch noch den letzten Cent herauszukitzeln. Sie nutzen attraktive Lockangebote von Kreditinstituten für Neukunden und springen im Extremfall mehrmals jährlich von einer Bank zur anderen. Diese Kunden bleiben nur so lange dem Institut treu, solange das besondere Angebot gilt. Doch dazu braucht es Zeit und Nerven, über die längst nicht jeder verfügt.

Finanzexperten wie Herbst empfehlen andere Strategien. „Auch aktuell gibt es Finanzinstitute, die noch einen vergleichsweise ansehnlichen Zinssatz für Tagesgeld zahlen,“ sagt Herbst. So bietet zum Bespiel der Marktführer, die Direktbank ING Diba, Neukunden vier Monate lang einen Zinssatz von 1,25 Prozent. Aber auch die Bestandskunden der deutschen Tochtergesellschaft der niederländischen Bank bekommen überdurchschnittliche 0,8 Prozent für bis zu 250.000 Euro. Hier sind 100.000 Euro je Kunde durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken gesetzlich abgesichert. Zusätzlich hat sich das Institut dem Sicherungsfonds deutscher Privatbanken angeschlossen.

„Höhere Zinsen bieten aber vor allem ausländische Institute, wie die in Österreich ansässige Sberbank Direct, die Tochtergesellschaft der russischen Sberbank“, sagt Herbst. „Die Spareinlagen in Ländern wie den Niederlanden oder Österreich sind nicht schlechter abgesichert als hierzulande.“ Wichtiger als die Bonität der Bank sei ihm daher die des jeweiligen Landes. In der EU sind je Kunde und Institut gesetzlich 100.000 Euro gesichert, falls es zu einem Ausfall des Geldhauses kommen sollten. In Deutschland gelten zum großen Teil wesentlich höhere Absicherungen, zum Beispiel durch den Sicherungsfonds der privaten Banken.

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Viele Sparer scheuen ein solches Anlagerisiko im Ausland und die eventuell damit verbundenen Mühen. „Doch eigentlich müsste die Sicherungseinrichtung des jeweiligen Landes gegebenenfalls auf die Kunden zukommen und nicht umgekehrt“, sagt Herbst. Im Fall Österreichs sei auch die deutsche Sprache für viele von Vorteil. Gleichwohl kann es Wochen dauern, bis ein Kunde bei einer Schieflage der Bank sein Geld zurückbekommt.

Eine weitere Möglichkeit für eine etwas attraktivere Verzinsung bieten nach Ansicht von Herbst längerfristige Anlagen wie Festgeld. Hier wird das Geld für eine gewisse Zeit, zum Beispiel zwei oder drei Jahre, fest angelegt. Doch zu langfristig sollten Kunden ihr Geld nicht binden, um flexibel zu bleiben, rät Herbst. Zudem sollten Anleger ihr Erspartes ohnehin immer und überall breit gestreut investieren, um die Risiken zu minimieren.

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