http://www.faz.net/-hbv-94hjd

Kapitalmarkt 2018 : Was an Prognosen wirklich wichtig ist

  • Aktualisiert am

Und wenn die Glaskugel noch so groß ist - die Prognose wird dadurch nicht genauer. Im Bild: Wahrzeichen der Expo in Astana (Kasachstan). Bild: dpa

Exakte Prognosen sind wie Glaskugeln: Sie glänzen zwar, halten aber nicht viel aus und am Ende sieht man vor allem sich selbst.

          Es beginnt im November und geht bis Weihnachten: die Rückblick-Ausblick-Zeit. Jeder will der erste sein, der das alte Jahr zusammenfasst und jeder hat etwas dazu zu sagen, wie das nächste wird. Das ist beim Fußball und in der Politik so, aber auch an den Finanzmärkten.

          Und da ist es wie überall: Welchem Experten soll man glauben und soll man überhaupt den Experten glauben? Und wer trifft das Ziel am genauesten? Für den Vermögensberater Laureus, einem Tochterunternehmen der Sparda-Bank West sind vor allem punktgenaue Prognosen wenig zielführend.

          Für 2017 etwa hätten Banken einen Anstieg des Dax‘ um gerade einmal 1,3 Prozent prophezeit. Aktuell stehe dieser mehr als zehn Prozent im Plus. Dass sich die „Trefferquote” bis zum Jahresende noch verbessert, hält Laureus für wenig wahrscheinlich. Dabei liegen die Analysten sogar noch gut. Denn im Krisenjahr 2008 lagen die Schätzungen sogar mehr als 50 Prozent daneben.

          Im Grunde also spiegeln exakte Prognosen schlicht eine Schein-Genauigkeit vor: Sie lassen die Welt berechenbar erscheinen und leben davon, dass man sie am Ende doch vergisst.

          Keine gute Prognose aus der Glaskugel

          Anleger sollten daher nicht so sehr auf die punktgenaue Prophezeiung achten, heißt es von Laureus, sondern auf die Argumente, die dahinter steckten. Antworten etwa darauf, wie sich Fundamentaldaten darstellten und sich die Weltwirtschaft und die Notenbankenpolitik entwickelten, seien erheblich hilfreicher. Nicht zuletzt deswegen, weil immer wieder unerwartete Entwicklungen die Kapitalmärkte kurzfristig in die eine oder andere Richtung beeinflussten.

          Eine Glaskugel, um am Kapitalmarkt erfolgreich zu sein, gebe es nun einmal nicht. Daher bedürfe es eines soliden Verständnisses wirtschaftlicher Zusammenhänge und Entwicklungen, um die Bedeutung für das eigene Portfolio ableiten zu können. Prognosen, die kein fundierten Informationen enthielten, seien nicht mehr als ein Schuss ins Blaue. 

          Selbst wenn man einer Argumentation nicht folgt, so kann es hilfreich sein, sich damit auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken. Am Ende ist zumindest das eigen Urteil geschärft und weniger von Wunschdenken geprägt.

          Bloß keine „Wohlstandsillusion“

          Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Finanzplanerverbandes FPSB Deutschland und wissenschaftlicher Leiter des PFI Private Finance Institute an der European Business School, geht noch einen Schritt weiter. Der Blick in die Kristallkugel durch Investmentgesellschaften sei für Anleger meist sogar kontraproduktiv. „Solche auch vertrieblich motivierten Vorhersagen und Prognosen haben keinen substanziellen Wert“, sagt Tilmes. „Im Gegenteil: Es ist aus unserer Sicht sogar fahrlässig, dadurch unter Umständen falsche Erwartungen bei den Anlegern zu wecken.“

          Die seien ohnehin völlig überzogen.Tilmes verweist auf eine Studie der Investmentgesellschaft Schroders. Demnach halten die befragten 22.100 Anleger aus aller Welt im Durchschnitt über die kommenden fünf Jahre eine jährliche Kapitalrendite von 10,2 Prozent für wahrscheinlich. Hier bestehe die Gefahr einer „Wohlstandsillusion“: Anleger verließen sich mit Blick auf die jüngere Vergangenheit darauf, regelmäßig solch hohe Renditen erzielen zu können. Wenn sie dann mehr konsumierten und weniger vorsorgten, drohten ihnen am Ende möglicherweise finanzielle Schwierigkeiten.

          Exakte Prognosen sind Glaskugeln

          Als „Financial Planner“ plädiert Tilmes eben für eine Finanzplanung. Gleich ob man dazu selbst in der Lage ist oder einen Fachmann beauftrage: Wer einen Plan habe und diesen Plan diszipliniert einhalte, könne damit die tägliche Zukunftsunsicherheit überwinden. Dann brauche man auch keine detaillierten Zukunftsprognosen für das Wertpapierportfolio mehr.

          Je glänzender eine Prognose ist, um so mehr gleicht sie der Glaskugel, aus der sie womöglich stammt. Sie glänzt und strahlt - und blendet. Letztlich spiegeln sich sowohl Augur als auch Anleger nur selbst darin mit ihren eigenen Hoffnungen, Wünschen und Vorurteilen. Und wenn man die Prognose im Alltag belastet wird, zerbricht sie in Tausende von Teilen.

          Quelle: mho.

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          SPD und Regierungsbildung : Stabile Gedanken

          Die Union blockt Forderungen der SPD schon jetzt ab. Das wird nicht einfach für Schulz. Immerhin vereint ihn ein stabiler Gedanke – ausgerechnet mit der CSU. Ein Kommentar.
          Schon das Software-Update aufgespielt?

          Diesel-Affäre : Zeit für Mogel-Volkswagen läuft ab

          Wer einen manipulierten Volkswagen besitzt, muss seine Ansprüche schnell geltend machen. Etliche auf Massenverfahren spezialisierte Kanzleien mahnen deshalb zur Eile.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.