http://www.faz.net/-hbv-97b7t

Deutsches Aktieninstitut : So viele Aktionäre wie seit 2003 nicht mehr

Einsamer Aktionäre bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank. Bild: AP

Die neuesten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts zeigen eine wieder stärkere Hinwendung zur Aktie. Doch das große Geld fließt woanders hin.

          Die Zahl der Aktionäre ist im vergangenen Jahr überraschend stark gestiegen. Wie das Deutsche Aktieninstitut am Montag mitteilte, besitzen gut 4,9 Millionen Deutsche im Alter ab 14 Jahren Aktien und damit 540.000 mehr Menschen als 2016. Seit dem Jahr 2003 konnte das Aktieninstitut keine solche hohe Zahl mehr berichten. Nur im Jahr 2000 und 2001 lagen die Zahlen deutlich höher, bevor das Platzen der Internetblase an den Börsen den Deutschen die Lust auf Aktien verleidete.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Auch die Zahl der Besitzer von Aktienfonds und Mischfonds erhöhte sich nach Angaben des Aktieninstituts kräftig auf gut 7 Millionen, so dass erstmals seit Beginn der Finanzkrise 2007 wieder mehr als 10 Millionen Menschen in Deutschland direkt oder indirekt Aktien halten.

          Nur grobe Tendenzen

          Aus diesen Zahlen auf einen fulminanten Wandel zu einem Volk der Aktionäre zu schließen, wäre jedoch falsch. Zum einen basieren die Daten auf Umfragen. Kantar TNS befragt in zwölf Wellen jährlich 28.000 Menschen im Alter von 14 Jahren zu dem Thema Aktien. Erfahrungen aus ähnlichen Erhebungen zeigen, dass viele Menschen gar nicht so genau wissen, was sie für Fonds besitzen und ob sie Aktien enthalten. Das Aktieninstitut hat deshalb das Veröffentlichungsintervall von zweimal im Jahr auf jährlich reduziert, weil die sehr großen Schwankungen in den Umfragen kaum zu erklären waren.

          Zum zweiten ist es nur eine Ja-Nein-Frage. Es wird nicht erhoben, ob jemand nur eine einzige Aktie besitzt oder Tausende und ob er sein Aktiendepot in jüngster Zeit erweitert oder reduziert hat. Das Aktieninstitut weist in seiner Erhebung daraufhin, dass entsprechende Daten der Bundesbank den Aufschwung der in der Umfrage gemessenen Aktionärszahlen im Geldvermögen nicht widerspiegeln. Mit 8,8 Prozent ist weiterhin nur ein sehr kleiner Teil des Geldvermögens in Aktien und Aktienfonds angelegt.

          Die Umfrage kann aber grobe Tendenzen zeigen und sie leistet Aufklärung in der Frage, wer sich in Aktien engagiert und wer nicht. Der klarste Zusammenhang zeigt sich zum Einkommen. Während in der Gesamtbevölkerung nur gut 15 Prozent direkt oder indirekt Aktien halten, sind es unter den Haushalten mit mehr als 4000 Euro Monatsnettoeinkommen mehr als ein Drittel. Umgekehrt halten weniger als 6 Prozent der Haushalte mit höchstens 2000 Euro Monatsnettoeinkommen Aktien – Tendenz fallend.

          Bild: F.A.Z.

          Der zweite Zusammenhang ist das Alter. Auch hier zeigt sich, dass in der bestverdienenden Alterskohorte der 50 bis 59 Jahre alten Menschen Aktien am stärksten verbreitet sind. Bei den Jüngeren spielen Aktien hingegen fast keine Rolle. Auch der jüngste Aufschwung der Aktionärszahlen geht nach Erkenntnissen des Deutschen Aktieninstituts fast ausschließlich auf westdeutsche Gutverdiener ab 50 Jahren zurück.

          Versicherer meiden Aktien

          „Die Detailanalyse offenbart, dass wir vor allem jüngere Menschen mit einem geringen Einkommen noch stärker erreichen müssen“, sagt Christine Bortenlänger, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. „Der Koalitionsvertrag enttäuscht in dieser Hinsicht auf ganzer Linie.“ Das Aktieninstitut wirbt schon lange dafür, sich an Altersvorsorgesystemen wie in Schweden oder den Niederlanden zu orientieren, bei denen die Aktie eine wesentlich größere Rolle spielt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.