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Digitaler Vermögensberater : Ein Roboter wird Berater

Für das neue Angebot gelten besonders Frauen als wichtige Zielgruppe. Bild: dpa

Wer einen Vermögensberater braucht, landet vielleicht demnächst beim „Human Robo“. Zusammen mit den Basler Versicherungen präsentiert die Deutsche Asset Management ihren Roboter-Berater.

          Ein Roboter, der die Geldanlage für die Altersvorsorge organisiert, und das in einem Gemeinschaftsprojekt eines renommierten Versicherungskonzerns aus der Schweiz und der größten Bank Deutschlands: Das neue Vorhaben, das am Montag in Frankfurt präsentiert wurde, hat allein schon wegen der beteiligten Partner Gewicht.

          „Baloise Monviso“ heißt die neue Plattform, die von den Basler Versicherungen, die zur Schweizer Baloise Group gehören, und der Deutsche Asset Management (DeAM), der Vermögensverwaltungs-Tochtergesellschaft der Deutschen Bank vorgestellt wurde. Mit ihrer Hilfe soll es Privatkunden künftig möglich sein, ein maßgeschneidertes Altersvorsorgeprogramm aus Wertpapieren zusammenzustellen, ohne dabei die hohen Kosten eines Vermögensverwalters im herkömmlichen Sinne tragen zu müssen.

          Auch Privatkunden können den neuen Service nutzen

          Hinter der Plattform steht nichts Geringeres als der „Human Robo“, das ist bereits der zweite elektronische Vermögensberater aus dem Konzern der Deutschen Bank. Die Anlagestrategie selbst wird bei diesem Konzept nicht von einem Algorithmus erstellt. Dahinter steckt vielmehr den Unternehmen zufolge der „CIO-View“, also die Anlage-Einschätzung des Teams um Stefan Kreuzkamp, den Chief Investment Officer (CIO) der Deutschen Asset Management. Je nach Risikoklasse, in die der Kunde eingeteilt wird, werden für ihn unterschiedliche Fonds und Wertpapiere von Aktien über Anleihen bis hin zu alternativen Investments ausgewählt.

          Die Deutsche Bank bietet diesen neuen Roboter-Berater Privatkunden nicht direkt an. Es handelt sich um eine sogenannte „B2B-Lösung“, also einen Service, den nur andere Unternehmen in Anspruch nehmen können. Privatkunden können das jetzt trotzdem nutzen: Im Fall der neuen Plattform „Monviso“ übernehmen die Basler Versicherungen die Rolle des Partnerunternehmens. Über sie können die Privatanleger das Deutsche-Bank-Angebot nutzen. Bis zum Jahresende will die Deutsche Asset Management drei bis fünf weitere Unternehmen für eine ähnliche Partnerschaft gewinnen.

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          Ausweis und Unterschrift genügen

          Ziel ist es ausdrücklich, auch Kunden mit weniger großen Vermögen anzusprechen: Insbesondere Leute, die schon Erfahrungen mit Fest- und Tagesgeld im Internet gesammelt haben – zudem gelten Frauen als eine wichtige Zielgruppe, sowie vermögende Kunden, die besonders an digitalen Produkten interessiert sind. Mitmachen können Kunden schon von 400 Euro an, nicht erst von 10.000 Euro an, wie es zum Teil bei anderen Anbietern üblich sei, hieß es. Bei Sparplänen reicht eine monatliche Rate von 50 Euro.

          Die Unternehmen sprechen davon, es handele sich um eine „voll digitale“ Lösung: Eine Anmeldung über das Post-Ident-Verfahren, bei dem der Kunde in einer Poststelle oder Bankfiliale seinen Ausweis vorlegen muss, ist nicht nötig. Der Roboter-Berater arbeitet mit einer elektronischen Unterschrift und der Möglichkeit, den Ausweis online hochzuladen.

          Digitale Beratung soll weiter ausgebaut werden

          Die Vermögensverwaltungsgebühr beziffern die Unternehmen auf 89 Basispunkte des verwalteten Vermögens, im Gegenzug würden bestimmte Bestandsprovisionen für Fonds rückerstattet. Über die Plattform sollen nicht ausschließlich Fonds des Deutsche-Bank-Konzerns vertrieben werden, sie sollen aber durchaus eine Rolle spielen. Jürg Schiltknecht, Vorstandsvorsitzender der Basler Versicherungen sprach von einem „weiteren wichtigen Schritt“ in der Etablierung digitaler Initiativen in Deutschland.

          Thorsten Michalik, Leiter Vertrieb Europa und Asien der Deutschen Asset Management, kündigte an, den Ansatz weiter zu entwickeln und in Zukunft auch mit Spracherkennung, Big Data und virtueller Realität arbeiten zu wollen. Den Angaben zufolge gibt es derzeit etwa 73 Angebote von Robo-Advisors in Europa, 26 in Deutschland. Mehrheitlich seien das hierzulande Fintechs mit geringem verwalteten Vermögen. In aller Welt werde der Markt bis 2025 auf 6,5 Billionen Dollar geschätzt.

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