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Konservative Anlagen : Gold und Beton sind nur gefühlt sicher

„Zehn Prozent Rendite sind Pflicht für Private-Equity-Fonds“, sagt Thomas Weinmann, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Fondsgesellschaft Astorius. Bild: Maria Klenner

Die Deutschen lieben Gold und Immobilien als sichere Geldanlage. Ein großer Irrtum, sagt Thomas Weinmann und rät: Sparen Sie wie Finanzinvestoren!

          Herr Weinmann, der Zins verharrt an der Nulllinie, wie viel Rendite ist für Sparer mit Private-Equity-Fonds drin?

          Zehn Prozent mindestens. So viel erwarten die Anleger, wenn Private-Equity-Investoren Firmen kaufen. Gute Dachfonds liefern diese Performance auch ab.

          Gibt es darauf eine Garantie?

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nein. Die kann es nicht geben. Sie beteiligen sich, wenn auch indirekt, an Unternehmen.

          Unternehmen aber können untergehen, das heißt: 100 Prozent Verlust für den Anleger.

          Das Risiko zum Totalausfall besteht, allerdings eher in der Theorie. Es wäre problematischer, würde der Private-Equity-Dachfonds das Geld in einen einzigen Fonds oder eine einzige Firma stecken. Das tut er aber nicht, sondern er investiert letztlich in 40 oder 50 Unternehmen, völlig separat. Wirft es eines um, ist der Schaden daher begrenzt, ähnlich wie mit einem gut gebauten Aktienfonds. Der Unterschied ist: Sie beteiligen sich an einem geschlossenen Fonds, der eine längere Haltedauer hat als Aktienfonds. Deswegen muss er vier bis fünf Prozentpunkte mehr Rendite erwirtschaften. Diese sogenannte Illiquiditätsprämie können Investoren erwarten.

          Wer es ganz sicher mag, investiert folglich lieber in Immobilien.

          Das ist einer der großen Irrtümer der Deutschen: Die Sicherheit mit Immobilien ist nur gefühlt, die besteht nicht wirklich. Erstens: Eine Immobilie ist illiquide, die machen Sie nicht über Nacht zu Geld. Außerdem ballt sich das Risiko, wenn man, was üblich ist, vielleicht zwei oder drei Objekte kauft. Ein Private-Equity-Dachfonds verteilt das Risiko über 40 oder 50 Unternehmensbeteiligungen. Drittens, und am wichtigsten: Es ist sehr ungewiss, ob der Preisaufschwung mit Immobilien immer so weiter geht.

          Die vergangenen Jahre lief es prima für jeden, der auch nur einigermaßen die richtige Lage erwischt hat.

          Das bestreite ich nicht. Die Preise haben sich hervorragend entwickelt. Der Fehler besteht darin, diese Gewinne der Vergangenheit in die Zukunft fortzuschreiben. Wer garantiert, dass Wohnungen in Städten wie München oder Hamburg, die schon ziemlich teuer sind, noch mal so stark an Wert gewinnen? Ich glaube das nicht.

          Warum nicht?

          Weil die Bewertung irgendwann an Grenzen stößt. Sogenannte Zinshäuser, wie sie vermögende Leute als Geldanlage kaufen, haben früher in 15 Jahren mit der Nettokaltmiete den Kaufpreis eingespielt. Jetzt, nach dem Immobilienboom, dauert das schon 25 Jahre. Und wenn der Zins steigt, sieht die Kalkulation gleich noch mal anders aus. Das Fremdkapital wird dann teurer, Banken stellen womöglich Kredite fällig, es kommt zu Notverkäufen: Dadurch gerät der Immobilienmarkt unter Druck. Das muss nicht morgen passieren, die Gefahr besteht aber.

          Bleibt also nur Gold zum sicheren Werterhalt.

          Auch das ist nur scheinbar sicher, so fest viele Leute daran glauben. Sie kaufen ihre Goldbarren zur Vorsorge für schlechte Zeiten, wenn Staaten bankrottgehen, die Inflation das Ersparte frisst. Es gibt aber Beispiele, dass in solchen Phasen Gold auch nicht hilft. Im vergangenen Jahrhundert war es zeitweise verboten, Goldbarren zu besitzen. Für mich gehört Gold zwar zur Kapitalanlage, aber nur in sehr begrenztem Maß.

          Welchen Gold-Anteil am Vermögen empfehlen Sie Ihrer vermögenden Klientel?

          Deutlich weniger als zehn Prozent, Immobilien und Private-Equity sollten deutlich stärker gewichtet werden. Für ein Vermögen von zwei Millionen Euro nach meiner Faustregel jeweils mit 10 bis 20 Prozent.

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