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Geldvermögen privater Haushalte : Das Anlagedilemma der Deutschen

Ein Geschäftsmann steht auf einem sinkenden Schiff Bild: © Images.com/Corbis

In den vergangenen Jahren wurden im Ausland 600 Milliarden Euro versenkt. Viele Renditen liegen unter der Inflationsrate. Dennoch steigen in Deutschland die Geldvermögen. Wie passt das zusammen?

          Immerhin 4992 Milliarden Euro betrugen die Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland zum Ende des ersten Quartals 2013. Das waren 1,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Geldvermögen der Deutschen wirken auf den ersten Blick stattlich, obgleich in den vergangenen Monaten veröffentlichte Untersuchungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank zeigen, dass der durchschnittliche private Haushalt in Deutschland im internationalen Vergleich keineswegs sehr vermögend ist. In vielen anderen europäischen Ländern weisen die privaten Haushalte ein höheres Durchschnittsvermögen aus.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Für den auf den ersten Blick erstaunlichen Rückstand der Deutschen - schließlich ist Deutschland eines der wirtschaftlich leistungsfähigsten Länder der Welt - sind in der anschließenden Debatte mehrere Gründe genannt worden, darunter die in Deutschland weniger als anderswo verbreitete Bildung von Sachvermögen durch Wohneigentum. Ein wichtiger anderer Grund ist eine in Teilen geradezu desaströse Kapitalanlage - sowohl von Privatanlegern als auch von Finanzunternehmen. Dass die Geldvermögen überhaupt steigen, erklärt sich im Wesentlichen mit der fleißigen Bildung immer neuer Ersparnisse durch die in Deutschland lebenden Menschen. Um aus diesen Ersparnissen langfristig Wohlstand zu generieren, müssten diese Ersparnisse langfristig rentabel angelegt werden. Dies geschieht aber nur zum Teil.

          Geldvermögen überwiegend bei Banken und Versicherern

          Die Ursachen dieser Misere lassen sich anhand weniger Grafiken demonstrieren. Die deutschen Geldvermögen sind überwiegend bei Banken (meist in Form niedrigverzinslicher kurzfristiger Einlagen) und bei Versicherern (oft in Form von Kapitallebensversicherungen) angelegt. Eine deutlich geringere Rolle spielen Ansprüche aus Betriebsrenten, Anlagen in Investmentfonds und Direktanlagen in Wertpapieren wie Aktien und Anleihen.

          Infografik: Vorliebe für Bankkonten und Versicherungen
          Infografik: Vorliebe für Bankkonten und Versicherungen : Bild: F.A.Z.

          Eine zweite Grafik zeigt ein schockierendes Bild. Nach einer Veröffentlichung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sind seit Ausbruch der Finanzkrise vor sechs Jahren deutsche Auslandsvermögen im Wert von rund 600 Milliarden Euro vernichtet worden - ein Zeichen miserabler Kapitalanlage. Bei einer glücklicheren Anlagepolitik wären die deutschen Geldvermögen heute viel höher.

          Zu einem kleineren Teil haben Privatanleger im Ausland Geld versenkt, zum Beispiel durch den Kauf von Aktien ominöser Minenunternehmen, die niemals eine Mine rentabel betrieben haben. In der englischsprachigen Welt gibt es für solche Anleger die Bezeichnung „dumb German money“ - dummes deutsches Geld. Angewendet wird dieser Begriff mittlerweile aber auch für deutsche Finanzunternehmen, die vor der Krise ohne genaue Prüfung in amerikanische Kreditverbriefungen investiert hatten oder in irische oder spanische Immobilien. Hier sind in den vergangenen Jahren erhebliche Vermögensverluste entstanden, die allerdings nicht in jedem Falle endgültig sein müssen. Bei weitem nicht alle, aber doch zumindest manche Immobilienprojekte in Ländern wie den Vereinigten Staaten, Irland oder Spanien können im Zuge einer gesamtwirtschaftlichen Erholung auch wieder an Wert gewinnen. Als ein Milliardengrab erweisen sich auch äußerst großzügige Schiffsfinanzierungen.

          Größerer Export von Gütern und Dienstleistungen

          Interessant sind die gesamtwirtschaftlichen und politischen Konsequenzen aus diesen Anlageentscheidungen. Der deutsche Kapitalexport entspricht gesamtwirtschaftlich dem Überschuss der deutschen Leistungsbilanz. Vereinfacht ausgedrückt: Deutschland kann seit langer Zeit mehr Güter und Dienstleistungen exportieren, weil Deutschland gleichzeitig das zur Finanzierung dieser Differenz von Exporten und Importen notwendige Kapital im Ausland zur Verfügung stellt.

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