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Geldanlage : Vermögensverwaltung für jedermann

Jens Ehrhardt (links) und sein Sohn Jan leiten die Vermögensverwaltung DJE. Bild: © argum / Falk Heller

Der Investor Jens Ehrhardt gründet mit seinem Sohn eine digitale Vermögensverwaltung. Die funktioniert anders als das Konzept diverser Start-ups.

          Die Initiative ging vom Junior aus: Vor etwa einem Jahr saß Jan Ehrhardt, 41, an einem Sonntagnachmittag in seinem Hotelzimmer in Hongkong und hatte auf einmal eine Idee. Der Sohn und Geschäftspartner des Vermögensverwalters Jens Ehrhardt, in Deutschland, einer der Angesehensten seiner Zunft, hatte in China nach neuen Anlagechancen gesucht.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun, in seinem Hotelzimmer, hatte er einen Einfall für den eigenen Familienbetrieb: Wie wäre es, wenn man Ehrhardts Vermögensverwaltung in Zukunft auch online anbieten würde? Und zwar nicht mehr nur für Kunden mit einem Vermögen von mindestens 500.000 Euro wie bisher. Sondern möglichst für jedermann.

          Wie es die Rolle der Alten ist, hätte Jens Ehrhardt, 75, Bedenken vortragen können. Doch der Vermögensverwalter aus Pullach bei München, dem Anleger 11,5 Milliarden Euro anvertraut haben, ließ seinen Sohn einfach mal machen. Ein Jahr später ist Jan Ehrhardt am Ziel: Am kommenden Dienstag geht sein Projekt unter dem Namen Solidvest (www.solidvest.de) online. Das verdient Aufmerksamkeit in einer Branche, in der gefühlt jede Woche eine andere Start-up-Firma für sich reklamiert, die Finanzwelt aufzumischen. Mit Ehrhardt wagt sich erstmals ein klassischer Vermögensverwalter in die digitale Welt vor. Doch für wen eignet sich das neue Angebot?

          Der Unterschied gegenüber den Start-Ups

          Die Grundvoraussetzung ist: Anleger müssen bereit sein, mindestens 25.000 Euro zu investieren. Das ist deutlich weniger als bei der klassischen Vermögensverwaltung, aber immer noch ein ordentlicher Batzen Geld. Wie dieses Geld nun angelegt wird, hängt wesentlich von mehreren Fragen ab, die jeder Interessierte beim Aufrufen der Internetseite beantworten muss: Wie lange möchte man sein Geld investieren? Wie hoch ist die eigene Risikofreude? Aus den Antworten leitet das Programm die optimale Aufteilung des Vermögens ab.

          Wer mit der Aussicht auf höhere Erträge ein gewisses Verlustrisiko in Kauf nimmt, erhält so den Vorschlag, das Geld zu gleichen Teilen auf Aktien und Anleihen aufzuteilen. Geht es an der Börse gerade turbulent zu, kann ein weiterer Teil auch als Cash-Position gehalten werden. Anleger sollten allerdings nicht erwarten, ähnlich wie hochvermögende Kunden auch online einen individuellen Betreuer vorzufinden. Diesen Service gibt es in der digitalen Vermögensverwaltung nicht.

          Bis zu dieser Stelle ähnelt das neue Angebot der Ehrhardt-Familie jenen Entwicklungen, mit denen Startups wie Scalable Capital und Whitebox zuletzt für Furore sorgten. Sie schlagen den Kunden ebenfalls per Online-Abfrage eine Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Wertpapierarten vor.

          Es gibt aber einen Unterschied: Die Start-ups investieren das Geld in erste Linie in Indexfonds (ETF), die die Entwicklung eines Index wie des Dax exakt abbilden. Bei Ehrhardts Solidvest dagegen bekommt der Anleger einzelne Aktien und Anleihen ins Depot gebucht. Ein typisches Portfolio besteht laut Jan Ehrhardt aus 30 Aktien aus der ganzen Welt und aus 20 Unternehmens- und Staatsanleihen: „Die hohe Anzahl sorgt dafür, dass sich das Risiko im Portfolio auf möglichst viele unterschiedliche Wertpapiere verteilt.“

          Anleger können Schwerpunkte für ihr Portfolio setzen

          Wer aber sucht diese Aktien und Anleihen aus? Diese Aufgabe übernimmt ein Team aus 14 Analysten, auf deren Einschätzungen Jens und Jan Ehrhardt auch bei ihren sonstigen Investmententscheidungen zurückgreifen. Wie genau die Zusammensetzung ihres Portfolios am Ende aussieht, können Anleger also nicht beeinflussen, sie können aber Schwerpunkte setzen. Wer sich für den Schwerpunkt „Digitales Leben“ entscheidet, hat einen höheren Anteil von Technologieaktien wie Apple im Portfolio.

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          Kostenlos ist all das natürlich nicht. Wer 25.000 Euro investiert, muss mit einer Gebühr von 1,4 Prozent im Jahr rechnen – zuzüglich einer Erfolgsgebühr, wenn das Portfolio im Plus notiert. Alles in allem entspricht dies den üblichen Kosten, die Anleger für einen normalen Aktienfonds zahlen müssten. Die Gebühren der Konkurrenten, die rein auf ETF setzen, sind allerdings niedriger.

          Anleger, die sich für Solidvest entscheiden, müssen daran glauben, dass die Aktienauswahl von Ehrhardts Team auf Dauer Mehrwert bringt. Nur dann lohnen sich die höheren Gebühren im Vergleich zu ETF. Jens Ehrhardt kann zwar auf eine jahrzehntelange Erfolgsbilanz zurückblicken. Zahlreiche Studien haben jedoch gezeigt, dass es kaum jemandem gelingt, den Markt stets zu schlagen. Jan Ehrhardt ist sich trotzdem sicher: „Eine aktive Aktienauswahl zahlt sich aus. Gerade in schwierigen Börsenzeiten lässt sich so ein Kursabsturz besser vermeiden als bei einem ETF.“ Von Dienstag an können ihn Anleger beim Wort nehmen.

          Quelle: F.A.S.

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