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Veröffentlicht: 10.03.2017, 08:54 Uhr

Kontoeröffnung 2.0 Per Videochat zum neuen Konto

Statt wie bisher zur Post zu laufen, eröffnen viele Bankkunden inzwischen Konten über ihre Webcam. Gut für die Fintechs, die sich das ausgedacht haben.

von
© IDnow Hallo, Bank: Mit der Smartphone-Kamera und dem Ausweis in der Hand können sich potentielle Kunden im Internet ausweisen.

Das Foto sieht aus wie aus einer Slapstick-Komödie. Mit einer weißen Unterhose auf dem Kopf schaut ein junger Mann ernst in die Kamera. Er zeigt den Ausweis eines Mannes mit weißen Haaren, geboren in den vierziger Jahren. Offenbar versucht der junge Mann, auszusehen wie sein Vater auf dem Ausweis. Michael Sittek muss immer wieder lachen, wenn er die Bilder zeigt, um zu demonstrieren, wie plump manche Betrüger versuchen, sein Unternehmen auszutricksen – natürlich mit dem Hinweis, dass es so leicht nicht gehe.

Tim  Kanning Folgen:

Sittek ist Geschäftsführer von IDnow. Im Jahr 2014 gegründet, übernimmt das Münchner Unternehmen inzwischen nach seinen Angaben für 130 europäische Banken die Videolegitimation neuer Kunden im Internet. Wer zum Beispiel ein Tagesgeldkonto bei einer Direktbank eröffnen will, muss nicht mehr – wie früher üblich – mit seinem Ausweis zur nächsten Postfiliale laufen, um sich dort auszuweisen. Stattdessen kann er das in einem kurzen Videotelefonat über die Webcam am Computer machen, in dem die Mitarbeiter von Unternehmen wie IDnow über einige Fragen und das Überprüfen des Personalausweises die Identität abgleichen.

Zu den Kunden zählen laut Sittek große Banken wie die Commerzbank und die UBS, aber auch die reine Smartphonebank N26 und die Fidor-Bank, die hinter vielen jungen Fintechs steht. Der größte Wettbewerber, WebID Solutions, der fast gleichzeitig an den Markt gegangen ist, zählt unter anderem die Deutsche Bank und die ING Diba zu seinen Referenzen.

Viele Fintechs setzen auf Kooperation mit großen Finanzkonzernen

Für die Banken, bei denen sich immer mehr Geschäft im Internet abspielt, ist es ein großer Vorteil, wenn potentielle Kunden direkt am Computer auch wirklich die nötigen Verträge abschließen können und nicht mehr kurz vor dem Abschluss den Drucker aktivieren, ein Briefkuvert zukleben und in der Postfiliale Schlange stehen müssen. Bei solchen „Medienbrüchen“ haben es sich früher viele Kunden in spe noch einmal anders überlegt. Die Videolegitimation ist ein gutes Beispiel dafür, wie die jungen Wilden im Bankgeschäft, die Fintechs, den etablierten Instituten beim Vorstoß in die digitale Zukunft weiterhelfen. Statt die Alten vom Thron stoßen zu wollen, setzen viele Fintechs längst auf Kooperation und bieten ihre Dienstleistungen den großen Finanzkonzernen an.

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Die Vorteile hat auch die deutsche Bankenaufsicht Bafin sehr früh erkannt, Deutschland war 2014 das erste europäische Land, in dem die neue Methode offiziell genehmigt wurde. Sittek, der vor seinem Einstieg bei IDnow lange Zahlungssysteme für Amazon mit aufgebaut hat, sagt anerkennend, dass die Bafin sich in den vergangenen Jahren im Umgang mit den neuen Technologien stark verbessert habe. 2014 sei IDnow gemeinsam mit einer Bank zu den Aufsehern gegangen, um dort das Konzept Videolegitimation vorzustellen. Die Aufseher gaben ihre „Unbedenklichkeitserklärung“, und seitdem integrierten immer mehr Banken die Möglichkeit auf ihren Internetseiten.

Über die Geschäftszahlen lässt sich Sittek nichts entlocken. Nur so viel: Als er vor eineinhalb Jahren bei IDnow angefangen habe, hätten dort sechs Leute gearbeitet; heute seien es 130. Neben dem Callcenter am Heimatstandort München betreibe das Unternehmen inzwischen auch noch welche in Leipzig, Schwerin und Düsseldorf. Das nächste Ziel sei die weitere Expansion in Europa, wo immer mehr nationale Bankenaufseher, zuletzt die Österreicher, die Videolegitimation akzeptierten. In der Schweiz und in Barcelona habe IDnow gerade neue Standorte eröffnet.

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