http://www.faz.net/-hbv-8x419

Handykonten : Ein Smartphone-Konto für Flüchtlinge

Nach langer Reise: Ein Konto ist vonnöten Bild: ReiseBank

Unter dem Dach der DZ Bank bringt die Reisebank ein reines Handykonto auf den Markt. Eigentlich vor allem für Flüchtlinge. Es könnte aber noch viel mehr Kunden ansprechen.

          Die Reisebank ist für viele Flüchtlinge in Deutschland eine wichtige Anlaufstelle. In ihren 90 Filialen vornehmlich an Bahnhöfen und Flughäfen bietet sie ihren Kunden unter anderem an, Geld in die entferntesten Winkel der Welt zu versenden oder von dort zu empfangen. Auch Austauschstudenten und Saisonarbeiter greifen gerne auf die Dienste der Bank zurück, die zum genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZBank gehört.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass viele Flüchtlinge wenig dabei haben, aber fast alle ein Smartphone, wurde schon vielfach geschrieben. Die Reisebank reagiert nun darauf, indem sie ein reines Smartphone-Konto anbietet. Im Internet können sich Interessierte schon für Bankomo registrieren. Freigeschaltet wird die App nach Informationen dieser Zeitung im Sommer. Dann können die Nutzer damit Geld innerhalb des Sepa-Raums überweisen, per Peer-to-peer an andere Nutzer senden und mit einer Mastercard im Laden zahlen.

          Das Besondere an Bankomo ist, dass es komplett guthabenbasiert funktioniert. Geld sparen können die Nutzer auf dem Konto nicht. Arbeiten können sie nur mit dem Guthaben, das sie vorher eingezahlt haben. Auch die Mastercard, die zu dem Konto gehört, funktioniert nicht als Kreditkarte, sondern muss vorher aufgeladen werden. Das ermöglicht es der Reisebank, das Konto anzubieten, ohne vorher die Kreditwürdigkeit der Nutzer prüfen zu müssen. Wer ein Konto beantragen will, braucht nur einen Reisepass oder einen Aufenthaltstitel.

          Institute suchen eine Antwort auf teure Smartphone-Banken

          Dass in der genossenschaftlichen Finanzgruppe plötzlich ein funktionsfähiges Smartphone-Konto aufpoppt, ist überraschend. Zwar legen die Macher Wert darauf, dass sich die App an die klassische Kundschaft der Reisebank wendet – das Produkt erinnert mit seinem abgespeckten Angebot, seiner leichten Zugänglichkeit und nicht zuletzt dem Namen aber durchaus an das Sparkassen-Projekt Yomo.

          Damit versuchen einige Institute seit mehreren Monaten, eine Antwort auf reine Smartphone-Banken wie N26 auf die Beine zu stellen, die vor allem junge Kunden anspricht. Bei der Reisebank ging alles sehr flott: Erst im September hat das Institut die Arbeiten daran aufgenommen, gemeinsam mit dem Münchner Zahlungsdienstleister Wirecard, der schon N26 in die Spur geholfen hat, und der Unternehmensberatung EY.

          So denkt man im genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZBank offensichtlich schon darüber nach, wie sich die Innovation auch über die klassische Kundschaft der Reisebank hinaus nutzen lässt. „Mit Bankomo bietet die Reisebank als hundertprozentige DZ-Bank-Tochter innerhalb der Genossenschaftlichen Finanzgruppe eine erste Smartphone-Kontolösung an“, betont Thomas Ullrich, Vorstandsmitglied der DZBank. „Die Reisebank ist mit ihren Geschäftsstellen an den klassischen Einreisestellen für Menschen aus aller Welt vertreten. Darüber hinaus sollen natürlich auch die Partnerbanken ihrerseits potentielle Kunden auf diese Smartphone-Lösung innerhalb der Genossenschaftlichen Finanzgruppe verweisen können.“

          Überregionales Angebot stellt auch rechtliche Herausforderung dar

          Bei den Volks- und Raiffeisenbanken gibt es Vorbehalte. Inwiefern die Mitarbeiter in den Filialen ihre Kunden an das neue Angebot auf dem Handy hinweisen, muss die Probephase erst noch zeigen. Schließlich gilt bei den Kreditgenossenschaften ähnlich wie bei den Sparkassen eine Art Nichtangriffspakt untereinander: Keiner wildert im Territorium eines anderen Regionalinstituts.

          Ein überregionales Angebot, das überall auf dem Handy verfügbar ist, stellt da eine Herausforderung dar – auch rechtlich. „In der Testphase wird auch pilotiert, inwieweit die Genossenschaftsbanken uns Kunden weiterleiten können“, sagt Jörg Hübner, Vorstandsmitglied der Reisebank, im Gespräch mit dieser Zeitung. Und fügt hinzu: „Wir konzentrieren uns jetzt erst mal auf Migranten und Saisonarbeiter als Zielgruppe. Jugendliche haben wir bisher nicht im Fokus.“

          Er sieht Bankomo als Alternative zu den Basiskonten, welche die herkömmlichen Banken seit einigen Monaten unter anderem Flüchtlingen anbieten müssen. Auch von den Gebühren her ist Bankomo nicht gerade das Einsteigermodell für Jugendliche. 4,90 Euro im Monat kostet es in der Startphase, später sollen dann 8,90 Euro fällig werden. Dafür ist aber auch kein Mindestgeldeingang erforderlich wie bei den meisten kostenlosen Kontomodellen inzwischen.

          Geld ins Heimatland können die Kunden mit Bankomo vorerst nicht überweisen. Die Macher prüfen noch, ob sie dafür den digitalen Dienst ihres traditionellen Partners Western Union in die App integrieren oder den eines anderen Anbieters wie Transferwise. „Wir reden derzeit mit vielen Fintechs, die bei internationalem Zahlungsverkehr aktiv sind“, sagt Hübner.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Aufregung um Schriftzug : „Es wurde so bestellt und auch so geliefert“

          Der neue Panzerwagen der Polizei Sachsen ist im Innern mit altdeutsch anmutender Schrift und Logo geschmückt. Ein Indiz für rechtskonservative Attitüde? Die Aufregung ist groß und Verantwortung will zunächst niemand dafür übernehmen. Dann äußert sich das LKA.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.