http://www.faz.net/-hbv-8kf1x

Verteilte Datenbank : Schneller zahlen mit Blockchain

Digitale Münze: das Zahlungssystem Bitcoin Bild: Reuters

Eine Studie des World Economic Forums zeigt: Es gibt zwar verschiedenste Anwendungsmöglichkeiten für die Datenkette. Doch auf den Hype könnte bald Ernüchterung folgen.

          Vorstandsvorsitzende großer Banken und Versicherungen sind es gewohnt, mit Respekt behandelt zu werden. Wenig Respekt hatte ein Zuhörer einer Podiumsdiskussion mit Größen der internationalen Finanzwelt, denen er entgegenrief: „In zehn Jahren werden ihr weg sein. Dann wird Blockchain die Finanzwelt dominieren.“

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Die Szene trug sich Ende Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zu. Nun hat das World Economic Forum eine umfangreiche Studie zum Potential von Blockchain in der Finanzwelt veröffentlicht. Das Fazit lautet: Blockchain ist eine Technologie, die geeignet ist, die Finanzwelt nachhaltig zu transformieren, aber sie ist nicht die einzige potentiell revolutionäre Technologie. Und es wird dauern. „Das Bewusstsein für Blockchain ist rasch gewachsen, aber es bleiben erhebliche Hürden auf dem Weg zur großflächigen Einführung.“

          Blockchain ist in der Öffentlichkeit bisher vor allem als die Technologie hinter der Kunstwährung Bitcoin bekannt. Allgemein muss man sich Blockchain als einen Verbund von Computern vorstellen, der dezentral wie ein Register arbeitet, indem er alle innerhalb des Systems getätigten Geschäfte dokumentiert. Blockchain erlaubt eine Art Handel ohne Mittelsmann und ist damit kostensparend; außerdem sorgt die dezentrale Speicherung von Geschäften für ein hohes Maß an Transparenz. Blockchain ist damit eine Technologie, die auch in anderen Wirtschaftszweigen außerhalb der Finanzwelt genutzt werden kann.

          „Großes Potential zur Förderung von Vereinfachung und Effizienz“

          In der aktuellen Studie des World Economic Forum wird Blockchain „ein großes Potential zur Förderung von Vereinfachung und Effizienz“ bescheinigt. Aber man sollte auch die Grenzen sehen: „Blockchain ist kein Allheilmittel; stattdessen sollte es als eine von vielen Technologien gesehen werden, die das Fundament der Infrastruktur für die Finanzdienstleistungen der nächsten Generation bilden werden.“ Und man sollte sich die Einführung nicht zu leicht vorstellen. „Die Blockchain-Anwendungen mit der größten Wirkung werden eine enge Zusammenarbeit zwischen den Erfindern, den etablierten Finanzunternehmen und den Regulierern erfordern. Dies wird zur Komplexität beitragen und die Einführung verzögern.“

          Dennoch ist das Spektrum potentieller Anwendungen erheblich und geeignet, das traditionelle Finanzgeschäft einem erheblichen Modernisierungsdruck auszusetzen. „Die Ausführung internationaler Zahlungen durch Blockchain könnte eine zeitgenaue Verbuchung ermöglichen und Kosten senken“, heißt es in der Studie. Blockchain erlaubt in der Verwaltung von Versicherungsfällen durch Schadens- und Unfallversicherer Automatisierungen, die einfache Einschätzungen von Schäden auf der Basis historischer Fälle ermöglichen und die Gefahr reduzieren, dass die Versicherer Betrügern zum Opfer fallen. Ein drittes Beispiel ist die Vergabe von Konsortialkrediten, bei denen Blockchain die Bildung des Konsortiums und die Auszahlung des Geldes beschleunigen kann. Ein vielleicht spezieller Fall, auf den die Studie verweist, ist die Vereinfachung in der Ausgabe spezialisierter Wandelanleihen („Coco-Bonds“) mit Hilfe der Verwendung der Blockchain-Technologie. Aber auch in der Vermögensverwaltung und in weiteren Bereichen der Finanzbranche ist eine nutzbringende Anwendung von Blockchain vorstellbar.

          Zusammengefasst sehen die Autoren der Studie im Wesentlichen sechs Quellen der Wertschöpfung durch Blockchain. Das sind die Vereinfachungen interner Betriebsabläufe, ein effizienterer Umgang zwischen Regulierern und den von ihnen beaufsichtigten Finanzunternehmen, die Reduzierung von Gegenpartei-Risiken bei Finanzgeschäften, Zeitersparnisse bei der Verbuchung und Abwicklung von Finanzgeschäften, eine bessere Nutzung des Eigenkapitals und der liquiden Mittel eines Unternehmens sowie eine geringere Gefahr von Betrügereien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          DFB-Pokal : Die Bayern verlernen das anständige Verlieren

          Nach der Niederlage im Pokalfinale geben die Münchner kein gutes Bild ab. Länger als Stilfragen dürfte den deutschen Fußball aber das Ausrufezeichen durch den künftigen Bayern-Trainer Kovac beschäftigen. Ein Kommentar.

          Schuldenstreit : Europa macht Druck auf Italien

          Die künftige Regierung in Rom wendet sich weiter verbal von ihren europäischen Verpflichtungen ab. Mehrere Länder mahnen Italien. Ihre krasseste Forderung zumindest haben die Populisten wieder einkassiert.

          Bamf-Skandal : Hinweise auf Probleme bereits 2016

          Schon im Januar 2016 gab es Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Eine anonyme Information dazu war in Berlin eingegangen.
          Manchmal müssen Nutzer sogar telefonieren, um an ihre Daten zu kommen.

          Unternehmen müssen liefern : So kommen Sie an Ihre Daten

          In nicht mal einer Woche tritt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Nutzer haben dann das Recht zu erfahren, was Unternehmen über sie gespeichert haben. Aber es gibt einiges zu beachten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.