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Versteckte Kosten : Auslandsüberweisungen sollen transparenter werden

Den wenigsten Kunden bewusst: Zahlungsdienstleister verdienen vor allem am Wechselkurs. Bild: Reuters

Wer Geld außerhalb der Eurozone schickt, zahlt oft unwissentlich mehr für teure Wechselkursaufschläge. Das will das EU-Parlament ändern. Damit könnten Verbraucher in Europa jährlich bis zu 4 Milliarden Euro sparen.

          Auslandsüberweisungen sind teuer und vor allem intransparent. Das will das EU-Parlament ändern und stimmt am kommenden Montag, dem 5. November, über eine Verordnung ab, die Finanzdienstleister und Banken zu mehr Transparenz verpflichten würde. Das Marktforschungsunternehmen Consumer Intelligence hat im Auftrag des Zahlungsdienstleisters Transferwise berechnet, dass Verbraucher in Europa durch die geplante neue Transparenz-Regelung jährlich bis zu 4 Milliarden Euro einsparen könnten.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der europäische Binnenmarkt ermöglicht eigentlich den freien Verkehr von Personen, Dienstleistungen, Waren und Kapital. Faktisch werden Nutzer von Auslandsüberweisungen aber in zwei Kategorien aufgeteilt: in Nutzer, die sich innerhalb der Eurozone befinden und in Nutzer, die den Euro nicht als Landeswährung führen. Innerhalb der Eurozone ist es nämlich dank Sepa möglich, Geld schnell und günstig – grundsätzlich sogar gebührenfrei – zu überweisen. Das gilt auch für Überweisungen von der Eurozone in Länder außerhalb der Eurozone. Gültig ist das jedoch nur für den Sender des Geldes und nicht für den Empfänger, wenn sich dieser nicht im Euroraum befindet. Überweist beispielsweise ein Unternehmen in Bulgarien 500 Euro nach Finnland, fallen Entgelte in Höhe von 24 Euro an, während für die gleiche Überweisung von Frankreich nach Finnland keine oder fast keine Kosten anfallen.

          Quasi kategorisch benachteiligt sind dagegen europäische Privatpersonen und Unternehmen aus Ländern, die den Euro nicht als Landeswährung führen wie zum Beispiel Dänemark, Tschechien, Polen oder Ungarn. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Privatperson Geld von Ungarn in Länder der Eurozone schickt oder in die Nicht-Eurozone: Denn die Entgelte für die Empfänger sowie Zahlenden sind grundsätzlich höher als für Nutzer innerhalb der Eurozone.

          Vieles ist dem Nutzer nicht ersichtlich

          Die hohen Kosten ergeben sich unter anderem dadurch, dass grenzüberschreitende Überweisungen in andere Währungen als dem Euro noch immer durch veraltete Prozesse und dezentrale Infrastrukturen erschwert werden. Das hat das Beratungsunternehmen Deloitte herausgefunden. Die Prozesse sind demnach so teuer, dass sie nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden können. Der Großteil der Gesamtkosten für eine Auslandsüberweisung entsteht aber durch den Aufschlag auf den Wechselkurs. Zwar veranschlagen viele Anbieter eine pauschale Überweisungsgebühr, die sie den Kunden deutlich ausweisen. Dem Nutzer wird aber nicht ersichtlich, wie viel er eigentlich für die Berechnung des Wechselkurses zahlt. Dem Kunden entstehen am Ende nämlich oftmals unwissentlich höhere Kosten, weil er den Wechselkurs der Zahlungsdienstleister als offiziellen Kurs annimmt.

          Dass das nicht so ist, macht ein rechnerisches Beispiel deutlich: Überweist eine Privatperson aus Deutschland 1000 Euro über Western Union nach Dänemark, entstehen dem Sender zunächst nur Kosten in Höhe der Überweisungsgebühr von 11,90 Euro. Was der Nutzer aber nicht direkt sieht, sind die Kosten für den Wechselkursaufschlag von 72,65 Euro. Dieser ergibt sich aus der Abweichung des offiziellen Wechselkurses vom Wechselkurs Western Unions. Der Finanzdienstleister zeigt dem Kunden nämlich nur den eigens berechneten Wechselkurs an – und der unterscheidet sich mitunter erheblich vom offiziellen Kurs. Erst wenn der Kunde diesen Wechselkurs mit den offiziellen Referenzwerten vergleicht, wird der Unterschied deutlich. Wer sich also vor einer Auslandsüberweisung über die anfallenden Gesamtkosten informieren will, scheitert oft an der komplizierten und intransparenten Aufschlüsselung. Nur gut 17 Prozent der deutschen Verbraucher verstehen die Preisstruktur für Auslandsüberweisungen.

          Mit der neuen Regelung sollen die Gesamtkosten für Kunden also transparenter werden, sodass Anbieter die Kosten nicht in unvorteilhaften Wechselkursen verstecken können. Wie die Untersuchung von Consumer Intelligence ergeben hat, zahlten Verbraucher in der EU für den Geldumtausch im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro. Davon entfielen mehr als zwei Drittel allein auf den Wechselkursaufschlag und nur gut ein Drittel auf die eigentlichen Gebühren.

          Die direkten Einsparungen, die sich für Nutzer von Zahlungsdienstleistern durch eine bessere Transparenzregelung ergeben würden, werden von der EU-Kommission mit 900 Millionen Euro nicht so hoch beziffert wie von Consumer Intelligence. Nichtsdestotrotz würden Kunden aber von einer gesetzlich vorgeschrieben Kostentransparenz profitieren.

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