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Investieren in Landwirtschaft : Die Ackerrendite

Möhrchen statt Micker-Zinsen: So schön kann eine ökologische Geldanlage sein. Bild: mauritius images

Ob Hofanleihe, Erntegenossenschaft oder Foodfunding - immer mehr Städter stecken ihr Geld in die Landwirtschaft. Zinsen gibt’s in Naturalien.

          Bei Robert und Sabine kommt das Essen jede Woche in der Kiste. Nicht in irgendeiner Gemüsekiste, sondern in der Box aus ihrer eigenen Gärtnerei. Sie haben sich an einem Gartenbaubetrieb beteiligt, der rund ums Jahr Obst, Gemüse, Kräuter und Salat für sie anpflanzt. Für sie und 700 andere Familien. Denn seit drei Jahren betreiben sie als Genossenschaft zusammen einen Hof vor den Toren Münchens, von dem sie ihr Grünzeug und ihr Brot beziehen. Knapp 70 Euro im Monat investiert jede Familie in den Betrieb. Ihre Rendite ist das, was der Acker allwöchentlich abwirft.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Solche Feld-, Wald- und Wieseninvestments sprießen hierzulande überall aus dem Boden: Großstädter beteiligen sich an Erntegemeinschaften und Ackerparzellen, unterstützen Landwirte und Bienenzüchter und finanzieren mit ihrem Geld den Anbau exotischer Obstsorten oder aussterbender Rinderrassen.

          Vor allem aber stecken sie ihr Geld in Dinge, von denen sie im wahrsten Sinne des Wortes leben - in gute Lebensmittel nämlich und in die Höfe, die sie produzieren. Warum sie das tun, begründen Leute wie Robert und Sabine so: „Wir wollen wieder wissen, wo unser Essen herkommt.

          Eigentlich gibt es diese Art der Landwirtschaftsförderung schon ewig, Genossenschaften, Patenschaften für Bäume und Reben oder Genussscheine. Neu ist aber, dass sich viele dieser Geschäftsbeziehungen übers Internet anbahnen, auf Plattformen wie Erzeugerwelt, Genussgemeinschaft, Regionalwert, Ackerhelden oder Kartoffelkombinat. Und dass sich immer häufiger nicht nur Dörfler oder Erzeuger gegenseitig unterstützen, sondern dass auch viele Städter ihr Geld aufs Land schicken, um wieder eine lokale und möglichst kleinteilige Erzeugung von Agrarprodukten zu unterstützen. Foodfunding und Crowdinvesting sind die neuen Schlagworte, genau wie CSA, „community supported agriculture“, zu deutsch: solidarische Landwirtschaft. Dutzende solcher Projekte gibt es hierzulande bereits, und die Szene wächst.

          Bei all diesen Modellen geben Konsumenten ihr Geld, damit kleine Bauern besser und unabhängiger wirtschaften können. Mal sind es Einmal-Summen von 500 oder 1000 Euro, die Verbraucher für ein paar Jahre herleihen, um komplette Betriebsstätten oder Ställe zu finanzieren. Oder Monatsbeträge um die 50 Euro, mit denen sie die Produktion eines Hofes am Laufen halten. Als Gegenleistung lassen die Bauern entweder Zinsen in Euro rüberwachsen, derzeit zwei bis drei Prozent. Oder sie bezahlen den Zins in Naturalien und drücken ihren Finanziers regelmäßig frisch geerntetes Gemüse oder Fleisch und Käse aus eigener Herstellung in die Hand - was den meisten Investoren fast noch lieber ist. Und das nicht nur, weil es dann umgerechnet bis zu vier Prozent Rendite gibt.

          „Solche Modelle ergeben aus vielen Gründen Sinn, denn sie haben Vorteile für beide Seiten“, sagt Agrarwissenschaftlerin Monika Wallhäuser vom Kommunikationsforschungsinstitut ikosom. Sie hat mehrere hundert landwirtschaftliche Crowdinvesting-Projekte weltweit ausgewertet und vor allem festgestellt, dass dadurch Verbraucher und Bauern wieder näher zusammenrücken. Wer erstmal entdeckt, wie gut der Käse von „seinem“ Hof schmeckt, und gesehen hat, dass Kühe, Ziegen und Hühner dort noch auf der Weide grasen, der verspeist auch andere Hofprodukte mit Genuss. Und er finanziert vielleicht auch, dass eine alte Rinder- oder Tomatensorte wieder heimisch wird. Zumindest haben die Konsumenten das Gefühl, sie wüssten wieder, was in ihren Lebensmitteln steckt.

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