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Ohne Banklizenz : Bank oder Paypal, das ist hier die Frage

Paypal hat sich in den Vereinigten Staaten mit einer ganzen Liste an kleinen Banken zusammengetan. Bild: dpa

Ursprünglich als Bezahlunternehmen gegründet, bietet Paypal immer mehr klassische Bankdienstleistungen selbst an. Wächst für die Geldinstitute eine neue Konkurrenz heran?

          Wenn ein Unternehmen eine eigene Debit-Karte mit Geldautomaten-Funktion anbietet, Darlehen vergibt und auch noch in der staatlichen Einlagensicherung mit dabei ist – ist das eine Bank oder nicht? Denn das alles hat Paypal nun im Angebot, wenn auch vorerst ausschließlich in den Vereinigten Staaten. Paypal hat dabei aber nicht einmal eine amerikanische Bankenlizenz – anders als in Europa, wo Paypal schon seit dem Jahr 2007 im Besitz selbiger ist. Wie kann das eigentlich funktionieren?

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Paypal hat sich dazu mit einer ganzen Liste an kleinen Banken zusammengetan. Welche das genau sind, ist nicht bekannt. Das „Wall Street Journal“ schreibt von Abkommen mit einer Bank in Delaware für die Debit-Karten und von einer Bank aus Georgia für die Möglichkeit, Checks einzuzahlen, und von einer Bank aus Utah, welche Kredite anbietet. Paypal bietet also keinen Service selbst an, im Hintergrund arbeiten kleine Geldinstitute für Paypal. Eine monatliche Bankgebühr wird dafür nicht fällig, vielmehr werden einzelne, sehr spezielle Dienstleistungen etwas kosten.

          Paypal folgt damit schon seit längerer Zeit dem Trend, immer mehr Dienste aus einer Hand anzubieten. Für Aufsehen sorgte unter anderem eine Kooperation mit Facebook, um in deren Messenger bezahlen und sich Geld schicken zu können. Gestartet wurde der Service zwar in den Vereinigten Staaten, aber es ist sehr gut vorstellbar, dass er nach Europa kommen wird.

          Paypal drängt mit aller Kraft in einen Markt hinein, den eigentlich die herkömmlichen Banken als ihren eigenen sehen. So kann man auch schon an manchen Shell-Tankstellen mit Paypal zahlen. Bis jetzt bietet Paypal die eigenen Banking-Möglichkeiten nur einer sehr kleinen Gruppe an. Paypal-Vorstand Bill Ready sagt dazu deutlich, dass Paypal eben nicht versucht, traditionelle Banken mit den neuen Angeboten zu ersetzen. Vielmehr möchte Paypal Banking-Optionen denjenigen anbieten, die bisher aus verschiedensten Gründen noch keinen Zugriff darauf hatten und Paypal deswegen nicht nutzen konnten.

          Andere Internetkonzerne gehen ähnlichen Weg

          Natürlich kann es sein, dass Paypal alles genau durchgerechnet hat und für sich selbst beschlossen hat, dass das Bereitstellen eines traditionellen Banking-Angebotes für sie zu teuer ist. Viele Geldinstitute haben gerade im Privatkundengeschäft mit viel zu hohen Kosten bei niedrigen Einnahmen zu kämpfen.

          Aber genauso gut ist es vorstellbar, dass Paypal sich langsam in diesen Markt vorantastet, um zu sehen, wie gut das eigene Angebot ankommt. Denn warum sollte Paypal kein Interesse daran haben, immer mehr Bankgeschäfte in eigener Hand durchzuführen? Mit fast jeder Transaktion verdient der Konzern Geld.

          Auch andere Internetkonzerne gehen einen ähnlichen Weg. Amazon testet seit einiger Zeit Kreditangebote für kleinere Händler. Paypal hat diese schon im Angebot und arbeitet sich sogar langsam zu den größeren Online-Shops durch. Auch Amazon begründet das eigene Angebot ähnlich wie Paypal: Klassische Banken würden das Klientel nicht bedienen, daher biete man es ihnen eben selbst an. Es geht dabei zum Beispiel um Händler auf der eigenen Plattform Amazon Marketplace. Dieses Geschäft verstehen die Banken zum Teil nicht gut genug, zum Teil ist es ihnen tatsächlich zu klein und zum anderen sehen sie es auch als zu riskant an. Amazon – und auch Paypal – haben dort die wesentlich bessere Datenbasis. Kunden wie Händlern wird es jedenfalls egal sein, ob Bank vorne draufsteht oder nicht: Am Ende ist nur wichtig, dass das Geld fließt.

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