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Veröffentlicht: 29.11.2013, 18:41 Uhr

Die Vermögensfrage Wer seine Enkel liebt, kauft Indexfonds

Ein Großvater will für seine Enkel eine größere Summe anlegen. Mit Dachfonds würde er am schlechtesten fahren. Legt er in Aktien oder Indexfonds an, werden sich seine Enkel am meisten freuen.

von Volker Looman
© picture alliance

Gebühren, Inflation und Steuern sind die größten Feinde der Anleger und Sparer. Gegen die Entwertung und Abgaben ist kein Kraut gewachsen. Sie müssen die Privatleute hinnehmen wie Blitz, Hagel und Sturm. Gegen die Gebühren, die beim Kauf und in der Verwaltung von Finanzprodukten anfallen, können sich die Anleger und Sparer freilich zur Wehr setzen, und davon sollten sie vehement Gebrauch machen. So wie sich Zins und Zinseszins auf der Habenseite auf lange Sicht stark auf die Guthaben auswirken, beeinflussen in ähnlicher Weise Gebühren und Provisionen auf der Sollseite das Vermögen. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

Ein vermögender Großvater, 70 Jahre alt, hat sechs Enkel. Der älteste Nachfahre ist zehn Jahre alt und der jüngste Spross fünf Jahre. Der alte Herr will jedem Enkel aus nicht näher bekannten Gründen, vermutlich aber aus erbschaftsteuerlichen Motiven, einmalig 100.000 Euro zukommen lassen. Damit sind gewisse Auflagen verbunden. Das Geld soll den Enkeln ab dem 40. Geburtstag zur Verfügung stehen, um den frühen Kauf von Sportwagen, ersatzweise den Unterhalt flotter Freunde, nach Kräften zu erschweren. Das Geld soll im „Andenken an den alten Herrn“ für anständige Zwecke verwendet werden. Außerdem soll das Geld in Aktien angelegt werden, weil der Großvater der Meinung ist, dass nur „Sachwerte“ in den nächsten Jahrzehnten zu „gewissem“ Wohlstand verhelfen werden. Damit sind die Rahmenbedingungen abgesteckt: Es geht um ein Depot, das aus Aktien besteht, und es geht um einen Zeitraum von 30 bis 35 Jahren.

Die klaren Vorgaben könnten den Großvater bewegen, das Geld in 110 deutsche Aktien zu investieren. Er investiert in alle Titel, die im Dax, im M-Dax und im Tec-Dax enthalten sind. Genauso ist denkbar, dass der Gönner den Enkeln ein Depot schenkt, das aus 30 amerikanischen, 30 asiatischen und 30 europäischen Standardwerten besteht. Hier wird er bei der Hausbank, wenn er auf Hilfe bei der Auswahl der „richtigen“ Werte hofft, auf gewissen Widerstand stoßen. Das Institut ist nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) verpflichtet, sich ein umfassendes Bild über den Anleger und dessen Motive zu verschaffen. Genauso muss die Bank den rüstigen Anleger, den sie seit 30 Jahren kennt, auf dessen Erfahrungen im Umgang mit Wertpapieren abklopfen. Da kommt auf beiden Seiten richtig Freude auf, weil die Arbeit nur Geld und Zeit kostet. Genauso muss die Bank dem Anleger für jede Aktie ein Produktinformationsblatt in die Hand drücken, so dass der Großvater mit viel Papier beglückt wird.

Depotgebühr und Abgeltungssteuer

Die finanziellen Auswirkungen des Geschäftes sind in der ersten Tabelle zu besichtigen. Der Anleger überweist an die Bank einmalig 100.000 Euro. Der Kauf der Aktien kostet 1 Prozent. Das sind 1.000 Euro. Folglich sinkt der Wert des Depots auf 99.000 Euro. Der Mann rechnet auf lange Sicht mit einer Rendite von 5 Prozent pro Jahr. Sie besteht zu gleichen Teilen aus Ausschüttungen und Kursgewinnen. Das hat zur Folge, dass der Kontostand nach einem Jahr um 2,5 Prozent auf 10.1475 Euro wächst. Hinzu kommt die Dividende von 2.475 Euro. Abzuziehen sind die jährliche Depotgebühr von 0,2 Prozent und die Abgeltungsteuer, die auf die Ausschüttung anfällt. Das sind Beträge von 208 und 598 Euro. Folglich können am Ende des ersten Jahres noch 1.669 Euro in weitere Aktien angelegt werden. Der Kauf kostet wieder 1 Prozent, so dass eine Gebühr von 16,69 Euro anfällt und zu einem Kontostand von 103.127 Euro führt.

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