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Ehegattensplitting : Und das soll gerecht sein?

Hochzeitskleidung: ein gutes Investment Bild: Wolfgang Eilmes

Unverheiratete Paare zahlen Tausende Euro mehr Steuern als Eheleute. Das ist ziemlich ungerecht - und ließe sich gerechter machen. Mit einer ungewöhnlichen Lösung.

          Stolze 15.000 Euro mehr auf dem Konto - jedes Jahr, ohne eine Stunde länger arbeiten zu müssen, wer hätte das nicht gerne? Sie müssen nur heiraten. Dann belohnt Sie das Finanzamt mit einem kräftigen Nachlass bei der Steuer.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Klar, solch einen Rabatt bekommt nicht jeder. Er ist die maximal mögliche Einsparung, wenn das Paar zusammen mehr als 500.000 Euro im Jahr verdient. Aber auch in normalen Einkommenssphären wird ein Trauschein fürstlich honoriert. Verdient das Paar zum Beispiel zusammen 100.000 Euro im Jahr, kann es 8300 Euro Steuern im Jahr sparen. Damit wären gleich mehrere Jahresurlaube in der Karibik finanziert.

          Eheleute sind gegenüber Unverheirateten immer bevorteilt

          Der Grund für diesen Geldregen ist das Ehegattensplitting. Dabei wird das gemeinsame Einkommen des Paares bei der Steuerberechnung rechnerisch halbiert oder „gesplittet“. Der Steuersatz für diese halbierte Summe wird für das gesamte Einkommen angewandt. Das spart Steuern, denn in Deutschland sind die Steuersätze umso niedriger, je niedriger das Einkommen ist (progressiver Steuertarif). So zahlt ein Ehepaar mit einem Einkommen von 100.000 Euro nur 26,6 Prozent Steuern. Das ist der Satz, der normalerweise für die Hälfte, also 50.000 Euro, berechnet wird. Ohne Splitting wären für 100.000 Euro aber bis zu 35,5 Prozent fällig. Diesen Satz müssen im ungünstigsten Fall die unverheirateten Paare zahlen.

          Dieser Steuervorteil der Eheleute sorgt seit Jahrzehnten für Streit, immer wieder versuchen vor allem linke Parteien, ihn abzuschaffen. Ganze Wahlkämpfe wurden damit bestritten, zuletzt 2013 vor den Bundestagswahlen. Kein Wunder, denn das Splitting kostet jährlich 20 Milliarden Euro, das weckt Begehrlichkeiten. Und es ist ziemlich ungerecht.

          Kinderlose Ehepaare zahlen weniger Steuern als Alleinerziehende mit Kindern. Und wer nicht verheiratet ist, aber wie Eheleute genauso ernsthaft eine Lebensgemeinschaft bildet, seit Jahren im gemeinsam gekauften Haus wohnt, ein gemeinsames Konto besitzt und vielleicht sogar gemeinsame Kinder in die Welt gesetzt hat, der profitiert von dem Steuervorteil nicht. Aber warum werden Ehen überhaupt steuerlich gefördert? In einer Welt, in der immer mehr Paare unverheiratet, aber fest zusammenleben, ist das nicht einfach zu verstehen.

          Auch Unverheiratete haben manchen Vorteil

          Dazu muss man zurückblicken: Das Splittingverfahren wurde 1958 eingeführt, aber nicht, wie viele vermuten, um Familien oder die Ehe zu fördern. Es war die Folge eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts, das die bisherige Besteuerung von Ehepaaren für grundgesetzwidrig erklärt hatte, weil es sie gegenüber Ledigen benachteiligte, also das Gegenteil zu heute. Denn damals wurden die Einkommen von Ehepartnern einfach addiert, mit der Folge eines höheren Steuersatzes als bei unverheirateten Paaren, bei denen das gleiche Gesamteinkommen getrennt mit jeweils niedrigeren Steuersätzen belastet wurde. Der Trauschein bedeutete also steuerliche Nachteile. Das ist nicht vereinbar mit dem Schutz von Ehe und Familie im Grundgesetz.

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