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Veröffentlicht: 30.12.2012, 14:48 Uhr

Schutz vor der Geldentwertung Vier Prozent braucht jeder

Wer sein Geld vor der Inflation retten will, muss mindestens vier Prozent Gewinn im Jahr erzielen. Das geht nicht nur mit Aktien. Sondern sogar mit ein paar soliden Anleihen.

© Thomas Fuchs Eine höhere Inflation naht: Auch drei Prozent werden künftig nicht genug sein

Es klingt verführerisch in diesen Zeiten magerer Zinsen: Da lockt eine Direktbank mit 3,10 Prozent Zins, wenn der Kunde sein Geld für vier Jahre anlegt. Das ist üppig, wenn Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gerade einmal 1,3 Prozent abwerfen.

Dyrk Scherff Folgen:

Manch ein ausgehungerter Sparer würde da am liebsten sofort zugreifen. Denn mehr wird er in Deutschland bei keiner anderen Bank bekommen. Wirkliche Freude an diesen Zinssätzen wird er aber trotzdem nicht haben. Weil auch drei Prozent künftig nicht genug sein werden. Denn eine höhere Inflation naht. Sie wird an den Zinserträgen knabbern. Und sie im schlimmsten Fall ganz auffressen, so dass die Sparer real nichts verdient hätten. Sobald sich die Konjunktur in Europa erholt, könnte es so weit sein. Das hat Folgen für das Depot.

Anleger müssen nun zwar nicht gleich Immobilien oder Gold kaufen, um sich vor der Geldentwertung zu schützen. Aber sie müssen auf Wertpapiere setzen, die mehr Rendite abwerfen, als bislang ausreichend war. Mindestens vier Prozent sollten es nach Abzug der Gebühren wie Depotkosten oder der jährlichen Verwaltungsgebühr bei Fonds sein. Davon muss ein Anleger etwa ein Viertel, genau 26,375 Prozent, an das Finanzamt abgeben. Bleiben noch rund drei Prozent. Und die sind nötig, um die Inflation auszugleichen, die in den nächsten Jahren auf drei und sogar mehr Prozent steigen könnte. Kommt es so, erhält der Anleger zwar vier Prozent gutgeschrieben, hat aber real nichts gewonnen.

Infografik / Steuern und Inflation fressen den Gewinn auf © F.A.Z. Vergrößern

Will er sein Geld vermehren, wie es für die Altersvorsorge nötig ist, müsste er sogar noch mehr anstreben. Das ist angesichts des Zinsniveaus derzeit aber nur mit höheren Risiken, etwa durch den Kauf von Aktien, möglich. Viele Experten raten daher für die nächsten Jahre, sich damit zufriedenzugeben, die Ersparnisse im realen Wert zumindest zu erhalten.

Mit vier Prozent Rendite kann das gelingen. Es gibt sogar noch ein paar nicht so riskante Anleihen, die das bezahlen. Und in Euro ausgegeben wurden, also kein Währungsrisiko bergen. Das sind derzeit vor allem Anleihen von Unternehmen aus den südlichen Euro-Krisenländern. Sie leiden unter der negativen Stimmung gegenüber ihren Heimatstaaten. Dabei geht es ihnen in der Regel viel besser, weil sie viel ins Ausland exportieren.

Wie etwa der italienische Luftfahrt- und Verteidigungskonzern Finmeccanica. Oder weil sie ein weniger konjunkturabhängiges Geschäftsmodell verfolgen, wie die Telecom Italia oder die Versorger Enel aus Italien und Gas Natural aus Spanien. Diese Firmen plagen zwar meist auch hohe Schulden, die die Unternehmen aber besser tragen können als die Staaten, weil sie in der Regel mit Gewinn arbeiten und hohe Barmittelzuflüsse haben, mit denen sie Schulden abbauen können.

Die kleine Zinskunde © F.A.Z. Bilderstrecke 

Aber auch solide Konzerne wie der britische Einzelhändler Tesco haben gut verzinste Anleihen begeben. Der weltweit agierende Konzern zahlt knapp vier Prozent im Jahr. Genauso wie die französische Veolia, die im Bereich Wasserversorgung, Transport und Umweltdienstleistungen aktiv ist. Die Laufzeiten dieser Anleihen sind allerdings sehr lang, teilweise wird eine Mindestanlagesumme von 50000 Euro verlangt.

Bei Staatsanleihen, die in Euro notieren, ist die Auswahl kleiner als bei Unternehmensanleihen. Zum einen gibt es überhaupt nur wenige Länder mit akzeptabler Schuldnerqualität (Investment Grade), die Papiere in Euro ausgeben. Zum anderen sind darunter überraschenderweise - wenn auch auf der untersten Bonitätsstufe - noch die Krisenländer Spanien und Italien zu finden, deren Anleihen viele gerne meiden würden. Und Tunesien, das politisch weiter unsicher ist.

Was dann noch in der Klasse der ordentlichen Schuldner bleibt, sind osteuropäische Länder und der Balkan. Litauen zahlt derzeit rund fünf Prozent für eine Anleihe, die in drei Jahren ausläuft. Das Land hat die Lehman-Krise, die es fast in die Staatspleite getrieben hat, mit einigen Reformen und Sparmaßnahmen gut gemeistert und ist auf dem Weg der Besserung. Kroatien zahlt je nach Laufzeit zwischen vier und fünf Prozent. Das Land sollte vom EU-Beitritt im kommenden Jahr profitieren. Marokko gilt als politisch stabilstes Land in Nordafrika und bietet immerhin noch 4,2 Prozent für acht Jahre Laufzeit.

Infografik / Anlagen für die Vier-Prozent-Strategie © F.A.Z. Vergrößern

Um die Risiken bei Staats- und Unternehmensanleihen klein zu halten, sollten Anleger ihr Geld auf mehrere Papiere verteilen. Der Ausfall eines Emittenten ist dann weniger dramatisch. Oder sie kaufen Anleihefonds, die in viele Papiere investieren. Sinn ergibt das vor allem bei Unternehmensanleihen. Dafür gibt es Fonds für hohe Bonität und für Hochzinsanleihen mit höherem Risiko (High Yield). Erfolgreiche Fonds sind zum Beispiel der Euro Crédit von Rothschild & Cie oder der Euro Corporate Bond von Invesco.

Auf der Aktienseite gibt es Papiere, die schon durch ihre Dividenden mehr als vier Prozent im Jahr abwerfen, selbst wenn der Kurs nicht steigt. Dazu gehören auch die Münchener Rück und die Post, die zusätzlich noch zweistellige Aktienkursgewinne in den vergangenen Jahren einfuhren. Aber garantiert ist das eben nicht, wie die Deutsche Telekom zeigt. Hohe Dividenden wurden hier durch Kursverluste aufgefressen. So bleibt als Fazit: Vier Prozent im Jahr sind ohne große Risiken möglich. Aber ganz sorgenfrei sind auch sie eben nicht zu bekommen.

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Quelle: F.A.S.

 

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