Home
http://www.faz.net/-hnk-74pn9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
 

Themenwoche „Richtig Einkaufen“ Supermarkt online: Für ein paar Euro mehr

 ·  Samstagvormittage im Supermarkt vertrödeln? Das muss nicht sein. Unsere Autorin ist bekennende Online-Shopperin aus Passion: Auch beim Lebensmittelgroßeinkauf.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (3)
© dapd Vergrößern Kein Vergnügen: Eiliges Einkaufen im Supermarkt

Willkommen in der Welt der Luxusgeschöpfe. Wir gehen nicht einkaufen, wir lassen liefern. Und zwar alles, bis an die Haustür: Barhocker und Bücher, Elektrogeräte und Ebay-Funde, Möbel und Morgenmäntel und seit jüngstem auch den kompletten Supermarkteinkauf.

Das heißt im konkreten Beispiel: Rewe Online (denn die haben derzeit in Frankfurt das größte Online-Angebot) schafft Gemüse und Eier, Joghurt und Getränkekisten, Toilettenpapier und Marmelade bis kurz vor die Küchenregale. Das ist traumhaft, besonders, wenn man im vierten Stock wohnt.

Schluss mit vergeudeten Samstagvormittagen in Supermärkten, Schluss mit langwierigen Entscheidungen im Angesicht des überbordenden Sortiments, weil 20 Produkte einer Gattung einfach überfordern. Schluss mit blockierenden Rollen von Einkaufswagen, Schlangen vor Kassen, streikenden Kartenlesegeräten. All das zu vermissen, ist so viel mehr wert als ein paar Euro pro Lieferung (zwischen vier und sechs, um genau zu sein). Hat jemand überhaupt schon die Schonung von Nerven quantifiziert? Insbesondere wenn man mit kleinen Kindern einkaufen gehen muss?

Angebote bundesweit

Anbieter gibt es bundesweit, mit eigenem Lieferdienst allerdings nur in Großstädten: Bringmeister (gehört zu Kaiser's Tengelmann) liefert in Berlin, München, Düsseldorf. Rewe in Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Berlin und Hamburg.

Edeka24.de und sogar Amazon liefern ebenfalls Lebensmittel per Onlinebestellung, nutzen aber DHL zur Anlieferung. Das heißt: ohne hilfreichen Nachbarn, der den ganzen Tag zuhause ist und dann noch Platz in seinem Kühlschrank bereit hält, ist das nicht wirklich eine Option.

Die Webseite ist entscheidend

Doch jeder Bestellvorgang im Netz bringt nur so viel Vergnügen, wie zuvor Überlegung in den Aufbau der Angebotsseite gesteckt wurde. Da sticht Querbeet.de heraus, die ein attraktives Angebot in Bioqualität bieten, allerdings leider nur einmal wöchentlich liefern. Das erfordert einiges an Planung. Der Biolieferant aus dem Frankfurter Raum hilft allerdings dabei - mit zahlreichen Rezeptideen.

Bei Rewe liegt das Maß der Bedienungsfreundlichkeit im mittleren Bereich. Die Seite lädt nicht gerade rasant, bei Suchabfragen „verspringt“ der Bildschirm immer wieder, insbesondere wenn man eine Auswahl über die Drop-down Menüs wählt. Und jene braucht man dringend, denn Suchbegriffe führen mitunter in die horizontlosen Weiten von Supermarktregalen. Die Anfrage nach Kaffee (200 Treffer) wird mit Kaffeesahne, Kaffeebonbons, und auch Kaffee beantwortet, aber die Reihenfolge scheint willkürlich. Da beginnt wieder das unerwünschte Suchen.

Leichter macht es Rewe dem Einkäufer durch die Kategorien, die ausreichend klein gehalten sind. Unter Frühstück – Kaffee – Bohnenkaffee findet man dann recht schnell, was man eigentlich wollte.

Richtig gut ist die Seite, wenn man weiß, was man will: Marke, Sorte, und dann ab in den virtuellen Einkaufswagen. Als Stammkunde kann man sich auch Standardlisten anlegen, dann geht der Einkauf sogar noch schneller. 15 Minuten, und der Wocheneinkauf ist erledigt. Sonderangebote gibt es auch, die sind aber nicht zu empfehlen, weil sie meist schon Anfang der Woche ausverkauft sind. Dann gibt es – falls man die Option gewählt hat – Ersatzprodukte, und die sind natürlich wieder teurer.

Ersatzprodukte können das Wochenende retten

Überhaupt ist die Möglichkeit, eine Alternative geliefert zu bekommen, falls die gewünschte Marmelade ausverkauft ist, ideal – weil man sie bei Anlieferung kommentarlos zurückgeben kann. Und man sich dann erst fragen muss, ob man lieber ein Wochenende ohne süßen Brotaufstrich verbringen oder eine neue Sorte ausprobieren möchte.

Wer morgens vor 10 Uhr bestellt, bekommt sogar am Nachmittag schon die Ware, sofern die Lieferzeit noch verfügbar ist - was meistens der Fall ist. Auch das ist ein großes Plus. Überhaupt ist die Lieferung fast das Beste: Weil sie zuverlässig ist. In einem Jahr mit fast wöchentlichem Einkauf kam die Lieferung zweimal zu spät – wurde aber vorher telefonisch angekündigt. Zeitfenster von zwei- bis drei Stunden, das letzte davon schließt um 21 Uhr, sind für Berufstätige schon paradiesisch zu nennen.

Kleine Pannen inklusive

Wer es bis hierher noch nicht gemerkt haben sollte: dies ist ein Plädoyer für mehr flächendeckende Lieferservices, die sich den Freiräumen der potentiellen Kunden anpassen– nicht umgekehrt. Lieferangebote „am Vormittag“ sind keine, sondern eine reine Zumutung. Beim Supermarkteinkauf klappt das jedoch viel besser: Anlieferung zwischen 19 und 21 Uhr, da ist jemand mit kleinen Kindern immer zuhause.

Pannen? Klar, passieren auch. Eier haben in übervoll gepackten Einkaufstüten keine gute Chance, als Team heil im vierten Stock anzukommen. Dann kann man sie aber dankend wieder zurückgeben. Die Lieferanten machen an dieser Stelle ohnehin mit Humor einiges wett: Als an einem Tag die gewünschte Reinigungsmilch (Zur Klarstellung: Das ist ein Kosmetikartikel!) nicht da war, überreichte der Bote froh eine Flasche Scheuermilch.

  Weitersagen Kommentieren (40) Merken Drucken

30.11.2012, 12:06 Uhr

Weitersagen