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Factory-Outlet-Center Einkaufsinsel Deutschland

Bislang gibt es in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern nur wenige Factory-Outlet-Center. Zwei britische Betreiber dominieren das Geschäft. Nun drängen Wettbewerber auf den Markt.

© Wohlfahrt, Rainer Das Wertheim-Village lockt auch Touristen an

Eingebettet in das Hügelland des Spessart wirkt das „Wertheim Village“ fast wie eine Ferienanlage mit einem Eingangsportal und bunten, kleinen Häuschen, verziert mit Zinnen und Türmchen. Doch dieses Dorf dient nur einem Zweck: Markenhersteller wie Tommy Hilfiger, Joop und Bogner präsentieren in einem der umsatzstärksten deutschen Factory-Outlet-Center ihre Kleider, Anzüge und Schuhe aus der vergangenen Kollektion mit Abschlägen zwischen 30 und 70 Prozent. Branchenkennern zufolge geben Schnäppchenjäger im Durchschnitt etwa 300 Euro bei einem Besuch im Outlet-Center aus.

Die Fäden zusammen hält die britische Betreibergesellschaft Value Retail. Sie wählt die Markenhersteller für die Shops aus, schult die Verkäuferinnen und Verkäufer und kontrolliert den Erfolg der 110 Anbieter, die ihre Ware der Vorsaison statt auf Wühltischen dem Markenimage entsprechend präsentieren. Zwar dominiert Bekleidung, doch auch Haushaltswaren und Kosmetikartikel werden auf 22.000 Quadratmeter Fläche feilgeboten. Wichtig ist den Briten der Markenmix. Das 2003 eröffnete und zweimal erweiterte Outlet-Center sieht sich als Ausflugsziel. „Wir wollen kein Mega-Einkaufszentrum sein“, sagt John Quinn, der die Geschäfte in Deutschland leitet. Value Retail biete einen „wirklich entspannten Ausflugstag“. 29 Millionen Besucher zählte die Gruppe im vergangenen Jahr in ihren insgesamt neun Centern im Dunstkreis europäischer Metropolen wie Madrid, Paris oder Mailand - 2,2 Millionen davon in Wertheim.

Shuttle-Bus für Touristen

Doch im Blick haben die Betreiber keineswegs nur das Einzugsgebiet zwischen Würzburg und Frankfurt. Ein täglich vom Frankfurter Hauptbahnhof und zwei Hotels verkehrender Shuttle-Bus soll auch Touristen die Fahrt ins Village erleichtern. Buchen können sie ihre Shoppingtour schon vor der Abreise nach Deutschland. Die Briten arbeiten mit Reiseveranstaltern und Hotels zusammen. Das internationale Marketing- und Tourismuskonzept geht auf. Vor allem Besucher aus Russland, China und Korea finden den Weg. Die Zahl der Touristen aus Kuweit hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Genaue Zahlen nennt das Unternehmen nicht.

Wertheim profitiert vom Messestandort Frankfurt, während „Ingolstadt Village“, Value Retails zweiter deutscher Standort, vor allem einen hohen Besucheranteil aus den Arabischen Emiraten verzeichnet. „Ganze Familien, die zur ärztlichen Betreuung nach München kommen, planen zwischen Zahnarzttermin und Neuschwanstein einen Ausflug ins Outlet-Center ein“, berichtet Marketingmanagerin Iris Kiefer. Darauf hat sich Value Retail inzwischen mit einem eigenen Gebetsraum für die Besucher eingerichtet. Dies zahlt sich offenbar aus. In „Wertheim Village“ erzielte Umsatzmilliardär Value Retail im vergangenen Jahr ein Plus von 14 Prozent, in Ingolstadt stieg der Umsatz sogar um 22 Prozent.

„Wie eine Insel in Europa“

Der deutsche Markt ist unter den Betreibern von Factory-Outlet-Centern heiß begehrt. Sechs Standorte gibt es bisher, gemessen an der Definition der Wiesbadener Unternehmensberatung Ecostra, die unter der Bezeichnung lediglich zusammenhängende Flächen ab 5000 Quadratmetern versteht, deren Organisation durch ein eigenes Management erfolgt.

„Deutschland ist wie eine Insel in Europa“, beschreibt Joachim Will von Ecostra die Situation. Bezogen auf die Einwohnerzahl, erreiche Deutschland das Niveau von Polen, gleichzeitig sei es der größte Zielmarkt von Markenherstellern. Zurückzuführen sei dies auf die restriktive Genehmigungspraxis in Deutschland. „Fünf bis zehn Jahre können in einem Genehmigungsverfahren vergehen“, sagt Will. Angesiedelt haben sich daher zahlreiche Anbieter direkt hinter der deutschen Grenze wie im holländischen Roermond oder grenznah wie im belgischen Maasmechelen.

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