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Veröffentlicht: 06.06.2013, 12:26 Uhr

Einkaufen vom Bürostuhl aus Sonderrabatte für Mitarbeiter

Günstig einkaufen kann man oft über den eigenen Arbeitgeber. Denn viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Sonderkonditionen - und zwar nicht nur für die eigenen Produkte, sondern auch für viele andere.

von Natascha Lenz
© AP Praktisch, wenn man zwischendurch auch mal für den eigenen Bedarf ordern kann

Am Samstag durch die überfüllte Fußgängerzone drängeln? Sicher ist: Die Fußgängerzone ist nicht der billigste Weg zum Einkauf. Viele Waren sind inzwischen sogar günstiger, wenn man sie direkt vom Bürostuhl aus bestellt - im Intranet der Firma.

Da gibt es 25 Prozent Preisnachlass auf Herrenoberhemden. Die Espressomaschine ist 15 Prozent günstiger, obwohl schon der Ausgangspreis reduziert ist. Und die Autovermietung bietet 25 Prozent Nachlass. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, günstig einzukaufen. Dabei geht es längst nicht nur um den klassischen Mitarbeiterrabatt beim Autobauer, den Personalverkauf im Handel oder die Gratis-Kiste Bier in der Brauerei.

Auch Rabatte von anderen Firmen

Inzwischen sammeln sich in vielen Unternehmen auch die Rabattangebote anderer Firmen. VW-Mitarbeiter telefonieren günstiger mit Vodafone, Unternehmensberater bekommen ihre Hemden billiger, Krankenschwestern zahlen weniger für Möbel. In einigen Fällen sind diese Preise sogar günstiger als die, die man im Schlussverkauf bekommen kann.

Wer diese Rabatte in der eigenen Firma sucht, sollte ins Intranet gucken. In vielen Fällen gewährt dort nicht nur die Wäscherei um die Ecke einen Preisnachlass, sondern es gibt eine ganze Übersichtsseite mit Mitarbeiterangeboten. Die stammen von speziellen Firmen, die solche Rabatte einsammeln und gebündelt als Webseite den Unternehmen zur Verfügung stellen.

Ganze Rabatt-Portale

Seit 2001 hat der Hamburger Kay Westphalen sein Portal Mitarbeitervorteile.de aufgebaut und erreicht nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 3,8 Millionen Mitarbeiter in 380 Unternehmen, die sich über ein Passwort einloggen können. Nach Schätzung von Westphalen ordern sie jährlich Produkte, deren Wert im zweistelligen Millionenbereich liegt. Allein über das Deutsche Rote Kreuz seien rund 540.000 potenzielle Kunden angeschlossen. So stöbern auch Mitarbeiter, die nicht am Bildschirm arbeiten, sondern im Rettungswagen unterwegs sind oder an der Supermarktkasse sitzen, von zuhause in dem Sortiment aus Hotels und Ferienhäusern, Kosmetik und Tierfutter. Die Preisvorteile liegen dabei laut Westphalen bei sieben Prozent für Spezialreisen oder zehn Prozent für Computerspiele.

Auf dieser Grundlage arbeitet auch das Berliner Unternehmen Corporate Benefits. „Als ich nach dem Studium bei der Deutschen Bank in London anfing, sah ich, dass die Mitarbeiter Sonderkonditionen verschiedener Firmen nutzen konnten“, sagt Firmengründer Patrick Ellenberger. Daraus entstand 2003 die Geschäftsidee. Rund 400 Unternehmen haben heute das Einkaufsportal von Corporate Benefits in ihr Intranet integriert, darunter Unternehmensberatungen wie Roland Berger, 70 Prozent aller Dax-Unternehmen wie Lufthansa und Siemens und auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Mode und Möbel seien derzeit besonders beliebt, sagt Ellenberger, Technik und Reisen seien schon immer Renner gewesen.

Etablierte Marken sind wichtig

Mit einer Reichweite von rund 2,4 Millionen Mitarbeitern auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen und 800.000 über die Firmen-E-Mail registrierten Nutzern sieht sich Corporate Benefits als marktführend. „Wir konzentrieren uns auf etablierte Marken mit einem hohen Bekanntheitsgrad“, sagt Co-Geschäftsführer Markus Rettenmaier.

Damit Mitarbeiter langfristig Freude an den Angeboten hätten, sei es wichtig, dass es sich lohne, über das Mitarbeiterangebotsprogramm einzukaufen, sagt Rettenmaier. Die neun Beschäftigten prüften daher kontinuierlich alle rund 150 Anbieter. Falls die Produkte oder Konditionen den Vorgaben nicht genügen, können sie auch wieder schnell wieder gestrichen werden.

Der Trend kommt aus Großbritannien und Amerika

Vor allem in den Vereinigten Staaten und Großbritannien haben Programme für Mitarbeiterrabatte Tradition. Mitte der 90er Jahre startete der amerikanische Marktführer Nextjump, der heute 100 Millionen Mitglieder in mehr als 90.000 Unternehmen erreicht. Rund sechs Millionen Nutzer sind bei der Londoner Xexec.com angeschlossen. Dort müssen die Unternehmen eine Gebühr dafür zahlen, dass die Firmen Mitarbeiterprogramme bereitstellen. Immerhin hilft ihnen das, ihre Mitarbeiter zu binden.

In Deutschland funktioniert das so nicht. Das liegt am Steuerrecht. Wenn die Unternehmen selbst etwas für solche Mitarbeiterrabatte tun würden, wären die Rabatte in vielen Fällen ein „geldwerter Vorteil“ und müssten versteuert werden. Also kaufen auch bei Corporate Benefits die Mitarbeiter direkt bei den Anbietern. Die zahlen dafür eine fixe Gebühr an die Plattform. Denn sie geben ihre Rabatte auch nicht ungern: Sie haben so einen Weg, neue Kunden zu gewinnen, ohne allgemein die Preise ihrer Waren zu senken - wer ohne nachzudenken in die Fußgängerzone geht, zahlt weiter den höheren Preis.

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Im April 2012 ist ein neuer Vermittler dazugekommen: Das Berliner Start-up-Unternehmen Spirit of Rewards bündelt auf Givanto.de Einkaufsvorteile über eine Plattform, deren Design angepasst ist an das Erscheinungsbild der Unternehmen. Firmen zahlen dafür je nach Größe eine monatliche Nutzungsgebühr zwischen 29 Euro und 499 Euro. Mehr als 300 Händler, darunter zahlreiche Online-Anbieter, sind bereits angeschlossen. „Kleidung, Spielzeug und vor allem Koffer laufen gut“, zieht Firmengründer Gereon Hermkes eine erste Bilanz.

Mitgründer Alexis Hue kennt das Prinzip der Mitarbeiterprogramme aus seinem Heimatland Frankreich, wo bereits in Stellenanzeigen häufig darauf hingewiesen wird. So versprechen sich Hue und Hermkes ein weiter steigendes Bewusstsein für Vorteilsprogramme auch in Deutschland. „Bei kleineren Firmen ist das noch nicht etabliert“, sagt Hermkes. Hier setzt auch Happystaff an. Mitte Juli 2012 ging das Berliner Portal mit rund 20 Unternehmenskunden an den Start. Vor allem kleineren und mittelständischen Unternehmen will Happystaff lokale Vorteile aus Gastronomie und Wellness bieten.

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