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Richard Thaler : So überlisten Sie sich selbst – mit dem Nobelpreis

Gemüse essen? Machen Sie das freiwillig? Bild: dpa

Zu viel Schokolade, zu wenig Bewegung, zu hohe Ausgaben: Oft benehmen wir uns nicht so, wie wir eigentlich wollen. Wirtschafts-Nobelpreisträger Richard Thaler hat Abhilfe parat.

          Menschen benehmen sich nicht immer so, wie sie wollen. Das ist nicht neu. Das weiß jeder, der schon mal morgens mit einem großen Kater aufgewacht ist, und jeder, der am Jahresanfang eine Mitgliedschaft im Fitness-Studio abgeschlossen hat und vor dem Strandurlaub trotzdem drei Kilo mehr wog. Chicago-Ökonom Richard Thaler hat dieses Verhalten wissenschaftlich systematisiert, für die Analyse der Wirtschaft nutzbar gemacht – und er hat einige Tricks entwickelt, mit denen Menschen vor diesem Verhalten geschützt werden können, zum Beispiel vom Staat. Ein „Nudge“, ein kleiner Schubs, soll uns helfen, uns richtig zu benehmen – so heißt es in Thalers berühmtestem Buch.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Thaler hat heute den Wirtschaftsnobelpreis bekommen, aber sein „Nudge“-Konzept ist auch auf viel Kritik gestoßen. Sollen Menschen wirklich vom Staat zu irgendeinem Verhalten hingeschubst werden? Ist das zu viel Manipulation? Und wollen wir uns wirklich immer so verhalten, wie es der durchgeistigte Wissenschaftler nahelegt? Viele dieser Fragen sind immer noch offen. Die Debatte über die Folgerungen aus Thalers Thesen hat erst begonnen.

          Besser handeln – so geht's:

          Sicher ist aber: Wenn wir selbst mit unserem Verhalten unzufrieden sind, dann können wir Thalers Instrumente nutzen, um uns selbst zu überlisten. Und so geht's:

          Sparen Sie mehr: Sie geben mehr Geld aus, als Sie wollen? Am Ende des Monats haben Sie nichts mehr zum Sparen übrig? Kein Wunder: Wenn Sie am Anfang des Monats das Gehalt bekommen und am Ende des Monats sparen, dann fällt das viel zu schwer. Machen Sie's andersrum. Denken Sie darüber nach, wie viel Geld Sie im Monat tatsächlich sparen könnten. Dann stellen Sie einen Dauerauftrag ein: Gleich wenn Sie das Gehalt bekommen haben, geht der Sparbetrag weg. So führen Sie die „Mentalen Konten“ (Thaler) viel besser. Profitipp: Wenn Sie schon wissen, wann die nächste Gehaltserhöhung kommt, dann erhöhen Sie jetzt schon den Dauerauftrag per Vorab-Auftrag. Wenn der Arbeitgeber dabei hilft, heißt das ganze „Save More Tomorrow“ und war ebenfalls eine Idee von Richard Thaler und seinem Kollegen Shlomo Benartzi.

          Verhaltensökonom : Nobelpreis für Wirtschaft geht an Richard Thaler

          Essen Sie gesünder: Sie essen mehr Schokolade, als Ihnen guttut? Sie sollten wirklich mal mehr Obst und Gemüse essen? Die Abhilfe ist nicht besonders kompliziert, passiert aber immer noch selten. Kantinen sollten das gesunde Essen an die prominentesten Plätze Ihrer Theken stellen, empfehlen Richard Thaler und Cass Sunstein in ihrem „Nudge“-Buch. Was Kantinen tun können, können Sie zu Hause auch. Deponieren Sie die Schokolade im Keller, stellen Sie auf den Schreibtisch eine Obstschale und ins Wohnzimmer ein paar Snacktomaten oder Paprika.

          Wetten Sie mit sich selbst: Nicht alle Nudges sind so leicht zu erledigen wie die Obstschale. Wer mit dem Rauchen aufhören oder wöchentlich zwei Mal Laufen gehen will, hat es schwerer. Da hilft eine Wette: Wenn Sie Ihr selbst gestecktes Ziel nicht erreichen, spenden Sie 100 Euro an die amerikanische Waffenlobby oder an eine andere Organisation, die Sie nicht mögen. Beauftragen Sie einen Freund, Ihren Fortschritt zu prüfen und Sie vielleicht an die Spende zu erinnern. Ökonomen aus Yale haben inzwischen sogar eine englischsprachige Webseite aufgebaut, die solche Wetten vereinfacht: „Stickk“.

          Übertreiben Sie's nicht: Denken Sie dran: Es ist auch nicht erstrebenswert, immer genau richtig zu leben. Der Psychologe Daniel Kahneman, der auch einen Ökonomie-Nobelpreis bekommen hat, weiß: Zu einem guten Leben gehört, dass man trotzdem auch mal unvernünftig ist.

          Quelle: FAZ.NET

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