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Private Vorsorge : Aktien für die Rente - so geht’s sicher

Bild: F.A.Z., VZ Vermögenszentrum

Versicherungen und Anleihen werfen fast keine Zinsen mehr ab. Aktien sind daher unverzichtbar für die Altersvorsorge. Die Ängste davor sind unbegründet.

          Wer auf Nummer Sicher gehen will, hat es derzeit nicht leicht. Zinsen von bestenfalls 1,5 Prozent im Jahr sind viel zu wenig, um fürs Alter vorzusorgen. Und die Inflation gleichen sie auch nicht aus. Der große Goldaufschwung ist seit Mitte 2011 beendet. Und bei deutschen Immobilien fragen sich viele, ob die Preise nicht schon zu hoch sind.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das macht die Altersvorsorge schwierig. Unfreiwillig kommt da eine ungeliebte Anlageklasse ins Spiel: die Aktien. Ohne einen großen Aktienblock macht Sparen fürs Alter keinen Sinn mehr. Denn nur er liefert die nötigen Renditen, um nach dem Berufsleben genug Geld zum Leben zu haben. Und er schützt gut vor Inflation.

          Wer mindestens 15 Jahre in den Dax investiert, macht keinen Verlust

          Viele Anleger erschrecken, wenn sie das hören. Aktien für so etwas Wichtiges wie die Altersvorsorge einzusetzen, ist ihnen viel zu riskant: Dann passiert noch einmal eine Lehman-Pleite, die Kurse stürzen in den Keller, und genau dann beginnt der Ruhestand, in dem man das Geld braucht, fürchten sie. Und außerdem: Die versprochene höhere Rendite bei Aktien gibt es ja oft gar nicht. Jetzt steht der Dax bei 7400 Punkten - wie schon Anfang 2000. Seit fast 13 Jahren hätten Anleger also nichts verdient, heißt es gerne. Und wehe, wer seine Altersvorsorge mit Telekom-Aktien aufgebaut hat. Der steht jetzt angesichts massiver Kursverluste der einstigen Volksaktie vor einem Scherbenhaufen.

          Solche Sorgen sind nachvollziehbar. Aber sie sind unberechtigt, wenn die Aktienanlage zur Altersvorsorge und damit über einen langen Zeitraum genutzt wird. Die Vorurteile lösen sich dann auf.

          Vorurteil 1: Aktien haben seit dem Jahr 2000 nichts eingebracht

          Wer Anfang 2000 einmalig in den Dax investierte - zum Beispiel über einen Indexfonds - und jetzt verkaufen will, hat nichts verdient. Denn der Index steht jetzt auf dem gleichen Niveau wie damals. Doch so funktioniert Altersvorsorge nicht. Sie lebt davon, dass jedes Quartal oder besser noch jeden Monat ein Betrag von 100, 200 oder 500 Euro angelegt wird - zum Beispiel, indem davon ein paar Anteile an Aktienfonds gekauft werden. Stehen die Kurse hoch, werden weniger Anteile gekauft, stehen sie niedrig, werden mehr erworben. Der durchschnittliche Einkaufspreis für die Fondsanteile sinkt dadurch. Cost-Average-Effekt nennen das die Experten.

          Bild: F.A.Z.

          Die positiven Folgen zeigt das Beispiel. Wer Anfang 2000 nicht auf einmal einen großen Batzen Geld anlegte, sondern jeden Monat bis heute Dax-Anteile erwarb, hat 43 Prozent Gewinn erzielt. Die großen Kurseinbrüche nach der Internet-Blase um die Jahrtausendwende und nach der Lehman-Pleite ermöglichten den Anlegern, günstig Anteile zu bekommen. Weniger deutlich ist der Vorteil, wenn es kaum Kurseinbrüche gibt.

          Vorurteil 2: Aktien sind viel zu riskant

          Der Kurscrash nach der Lehman-Pleite steckt den Anlegern noch in den Knochen. 40 Prozent in wenigen Wochen rauschte der Dax damals in den Keller, manche Bank- oder Industrieaktie noch viel mehr. Kein Wunder, dass mit dieser Erfahrung niemand mehr Aktien kaufen will - vor allem nicht, wenn er damit sein Einkommen im Ruhestand sichern will.

          Doch auch diese Sorge ist unbegründet. Der lange Sparzeitraum heilt alle Wunden. Schließlich sparen Anleger nicht fünf Jahre, sondern bis zu 40 Jahre bis zum Rentenbeginn. Und schon bei einer Anlagedauer von 15 Jahren ist das Verlustrisiko gleich null. Das zeigen Auswertungen der Vermögensverwalter des VZ Vermögenszentrums. Es hat für jeden Monat seit Januar 1970 die Wertentwicklung ermittelt, wenn ein Sparer einmalig für 15 Jahre in den Dax investiert hätte.

          Das Ergebnis: Immer gab es einen Gewinn, in 97 Prozent der Zeiträume sogar einen Zuwachs von mehr als vier Prozent im Jahr. Durchschnittlich erzielte der Dax 8,7 Prozent, im besten Fall sogar 15,7 Prozent, im schlechtesten immerhin noch 2,5 Prozent im Jahr. Trotz aller Öl-, Dotcom- oder Finanzkrisen, die es dazwischen gab. Trotz der Terroranschläge vom 11. September 2001 und dem Crash von 1987.

          Risiken lauern vor allem bei kurzer Anlage

          Ein Blick auf die Fälle mit kürzerer Anlagedauer zeigt, woher die Ängste vor Aktien kommen. Wer nur zehn Jahre im Dax investiert war, machte immerhin in zehn Prozent der Zeiträume Verlust, wer nur für drei Jahre in Aktien sparte, verlor sogar in einem Drittel der Zeiträume. Fazit: Risiken gibt es bei einer zu kurzen Anlage in Aktien, nicht aber bei einem langen Zeithorizont.

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