Home
http://www.faz.net/-hbv-74r60
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Private Vorsorge Aktien für die Rente - so geht’s sicher

 ·  Versicherungen und Anleihen werfen fast keine Zinsen mehr ab. Aktien sind daher unverzichtbar für die Altersvorsorge. Die Ängste davor sind unbegründet.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (12)

Wer auf Nummer Sicher gehen will, hat es derzeit nicht leicht. Zinsen von bestenfalls 1,5 Prozent im Jahr sind viel zu wenig, um fürs Alter vorzusorgen. Und die Inflation gleichen sie auch nicht aus. Der große Goldaufschwung ist seit Mitte 2011 beendet. Und bei deutschen Immobilien fragen sich viele, ob die Preise nicht schon zu hoch sind.

Das macht die Altersvorsorge schwierig. Unfreiwillig kommt da eine ungeliebte Anlageklasse ins Spiel: die Aktien. Ohne einen großen Aktienblock macht Sparen fürs Alter keinen Sinn mehr. Denn nur er liefert die nötigen Renditen, um nach dem Berufsleben genug Geld zum Leben zu haben. Und er schützt gut vor Inflation.

Wer mindestens 15 Jahre in den Dax investiert, macht keinen Verlust

Viele Anleger erschrecken, wenn sie das hören. Aktien für so etwas Wichtiges wie die Altersvorsorge einzusetzen, ist ihnen viel zu riskant: Dann passiert noch einmal eine Lehman-Pleite, die Kurse stürzen in den Keller, und genau dann beginnt der Ruhestand, in dem man das Geld braucht, fürchten sie. Und außerdem: Die versprochene höhere Rendite bei Aktien gibt es ja oft gar nicht. Jetzt steht der Dax bei 7400 Punkten - wie schon Anfang 2000. Seit fast 13 Jahren hätten Anleger also nichts verdient, heißt es gerne. Und wehe, wer seine Altersvorsorge mit Telekom-Aktien aufgebaut hat. Der steht jetzt angesichts massiver Kursverluste der einstigen Volksaktie vor einem Scherbenhaufen.

Solche Sorgen sind nachvollziehbar. Aber sie sind unberechtigt, wenn die Aktienanlage zur Altersvorsorge und damit über einen langen Zeitraum genutzt wird. Die Vorurteile lösen sich dann auf.

Vorurteil 1: Aktien haben seit dem Jahr 2000 nichts eingebracht

Wer Anfang 2000 einmalig in den Dax investierte - zum Beispiel über einen Indexfonds - und jetzt verkaufen will, hat nichts verdient. Denn der Index steht jetzt auf dem gleichen Niveau wie damals. Doch so funktioniert Altersvorsorge nicht. Sie lebt davon, dass jedes Quartal oder besser noch jeden Monat ein Betrag von 100, 200 oder 500 Euro angelegt wird - zum Beispiel, indem davon ein paar Anteile an Aktienfonds gekauft werden. Stehen die Kurse hoch, werden weniger Anteile gekauft, stehen sie niedrig, werden mehr erworben. Der durchschnittliche Einkaufspreis für die Fondsanteile sinkt dadurch. Cost-Average-Effekt nennen das die Experten.

Die positiven Folgen zeigt das Beispiel. Wer Anfang 2000 nicht auf einmal einen großen Batzen Geld anlegte, sondern jeden Monat bis heute Dax-Anteile erwarb, hat 43 Prozent Gewinn erzielt. Die großen Kurseinbrüche nach der Internet-Blase um die Jahrtausendwende und nach der Lehman-Pleite ermöglichten den Anlegern, günstig Anteile zu bekommen. Weniger deutlich ist der Vorteil, wenn es kaum Kurseinbrüche gibt.

Vorurteil 2: Aktien sind viel zu riskant

Der Kurscrash nach der Lehman-Pleite steckt den Anlegern noch in den Knochen. 40 Prozent in wenigen Wochen rauschte der Dax damals in den Keller, manche Bank- oder Industrieaktie noch viel mehr. Kein Wunder, dass mit dieser Erfahrung niemand mehr Aktien kaufen will - vor allem nicht, wenn er damit sein Einkommen im Ruhestand sichern will.

Doch auch diese Sorge ist unbegründet. Der lange Sparzeitraum heilt alle Wunden. Schließlich sparen Anleger nicht fünf Jahre, sondern bis zu 40 Jahre bis zum Rentenbeginn. Und schon bei einer Anlagedauer von 15 Jahren ist das Verlustrisiko gleich null. Das zeigen Auswertungen der Vermögensverwalter des VZ Vermögenszentrums. Es hat für jeden Monat seit Januar 1970 die Wertentwicklung ermittelt, wenn ein Sparer einmalig für 15 Jahre in den Dax investiert hätte.

Das Ergebnis: Immer gab es einen Gewinn, in 97 Prozent der Zeiträume sogar einen Zuwachs von mehr als vier Prozent im Jahr. Durchschnittlich erzielte der Dax 8,7 Prozent, im besten Fall sogar 15,7 Prozent, im schlechtesten immerhin noch 2,5 Prozent im Jahr. Trotz aller Öl-, Dotcom- oder Finanzkrisen, die es dazwischen gab. Trotz der Terroranschläge vom 11. September 2001 und dem Crash von 1987.

Risiken lauern vor allem bei kurzer Anlage

Ein Blick auf die Fälle mit kürzerer Anlagedauer zeigt, woher die Ängste vor Aktien kommen. Wer nur zehn Jahre im Dax investiert war, machte immerhin in zehn Prozent der Zeiträume Verlust, wer nur für drei Jahre in Aktien sparte, verlor sogar in einem Drittel der Zeiträume. Fazit: Risiken gibt es bei einer zu kurzen Anlage in Aktien, nicht aber bei einem langen Zeithorizont.

Die Aktionäre der Deutschen Telekom sehen das freilich ganz anders. Sie deckten sich seit dem Börsengang 1996 - unterstützt durch eine breite Werbekampagne in den Medien - kräftig mit den „Volksaktien“ ein. Eine hohe Dividende lockte, die Ergebnisaussichten auch. Sie erlebten ein Desaster. Zum Kurshöhepunkt im Jahr 2000 notierte die Aktie bei rund 100 Euro, jetzt sind es noch 8,50 Euro. Wer auf dieser Aktie seine Altersvorsorge aufbaute, hat nun wirklich ein Problem. Deswegen aber die Aktie als Instrument für die Vorsorge zu verteufeln, wäre unpassend. Denn die Grundregel jeder Geldanlage und damit auch der Altersvorsorge lautet: niemals den Großteil seines Geldes in eine Aktie stecken, sondern breit streuen.

Breit streuen heißt zumindestens, nicht weniger als den Dax zu kaufen. Dort ist die Deutsche Telekom eine von 30 Aktien. Ihren dramatischen Kursverlust, genauso wie den etwa der Commerzbank, haben andere, sehr erfolgreiche Aktien mit ihren Gewinnen ausgleichen können. So haben Anleger, die seit dem Jahr 2000 regelmäßig Anteile am Dax gekauft haben, gewonnen und nicht wie die Telekom-Aktionäre massiv verloren.

Eine gute Streuung bedeutet aber eigentlich mehr, als nur den Dax zu erwerben. Besser ist, man investiert weltweit, also auch im Rest von Europa, den Vereinigten Staaten und in den Schwellenländern. Dann entkommt man zum Beispiel auch der Euro-Krise etwas besser oder einer möglichen Konjunkturflaute in Deutschland.

Vorurteil 3: Wenn bei Rentenbeginn die Kurse im Keller liegen, ist die Altersvorsorge in Gefahr

Diese Aussage speist sich aus einem verbreiteten Irrtum. Die meisten Sparer glauben, wenn mit 67 der Ruhestand beginnt, werden alle Aktien verkauft, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch niemand braucht zu Rentenbeginn sein ganzes Erspartes, das er in Jahrzehnten aufgebaut hat. Nötig ist nur ein kleiner Teil. Denn die Grundversorgung leistet die staatliche Rente und vielleicht eine Betriebsrente.

Nur der Rest kommt aus der privaten Vorsorge. Der wird gefüttert aus den Renten aus der Lebensversicherung und den Zinsen aus den sicheren Anlagen wie Anleihen. Da auch im Ruhestand anfangs noch bis zu 40 Prozent Aktien gehalten werden, werden auch erzielte Kursgewinne für den Lebensunterhalt verwendet. Hinzu kommt ein kleiner Teil aus einer gemächlichen Reduzierung des Aktienanteils. Angestrebt wird, dass langfristig nur Aktien verkauft werden, nicht aber die sicheren Anlagen.

Um auch im Ruhestand das Risiko zu vermeiden, dann Aktien verkaufen zu müssen, wenn die Kurse niedrig sind, werden zwischenzeitlich auch durchaus einmal Anleihen veräußert, wenn die Aktien gerade gefallen sind. Sobald die Kurse dann aber wieder steigen, werden besonders viele Aktien verkauft und damit die vorher verkauften Anleihen nachgeordert.

Schwerpunkt auf preisgünstige Aktien-ETF

Für die Altersvorsorge zeigt sich also: Aktien sind sicherer und renditestärker als gedacht. Wenn über einen sehr langen Zeitraum gespart wird. Wenn das regelmäßig, also am besten monatlich, passiert. Und wenn breit gestreut in mehreren Aktienindizes und nicht in einzelnen wenigen Unternehmen angelegt wird. Daher sollten Aktien einen großen Anteil beim Sparen fürs Alter einnehmen. Eines ist dabei allerdings wichtig: Der Anleger muss es verkraften können, wenn zwischendurch einmal die Kurse kräftig einbrechen. Denn eine miese Lebensqualität durch schlaflose Nächte heute ist ein zu hoher Preis für eine Lebensqualität 30 Jahre später durch höhere Ersparnisse.

Wer sich aber für Aktien als wichtigen Baustein seiner Altersvorsorge entschieden hat, sollte seinen Schwerpunkt auf preisgünstige Aktien-ETF legen, also Indexfonds, die zum Beispiel genau den Dax nachbauen und sich auch so entwickeln. Sie kosten jährliche Gebühren zwischen 0,12 und 0,7 Prozent und keinen Ausgabeaufschlag. Sie sind an der Börse wie eine Aktie zu kaufen. Dafür fallen Handelsgebühren an. Wer die ETF über einen Sparplan bei einer Online-Bank kauft, zahlt dabei deutlich weniger Gebühren als über die Bankfiliale. Angesichts der vielen monatlichen Käufe bis zur Rente machen sich solche Gebühreneinsparungen deutlich bemerkbar.

Zu Beginn des Ruhestandes können die Rentner darüber nachdenken, ob sie einen Teil ihrer ETF in Aktienfonds mit hohen Ausschüttungen umwandeln, um daraus zusätzliche laufende Erträge als Beitrag zum Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Dazu bietet sich etwa ein Indexfonds auf den Div-Dax an. Dieser Index bildet die dividendenstärksten Aktien im Dax ab. Das Wichtigste aber für die ganze Altersvorsorge ist: früh mit dem Sparen anfangen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen

Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jüngste Beiträge

Zinsen
von
nach
21.05.2013 10:49 Uhr
  Vortag
1,2873 −0,08%
 OK