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Private Krankenversicherungen : Beitragsexplosion trifft nur Minderheit der Kunden

Der prämienstärkste Anbieter DKV will seine Anpassung erst zum 1. April bekanntgeben Bild: dpa

Private Krankenversicherer verteuern ihre Policen zum Teil zwar erheblich. Insgesamt bestätigen die Zahlen aber nicht die These, dass die PKV unter einer Beitragsexplosion leidet.

          Die Tarifwelt der privaten Krankenversicherer ist so komplex, dass kaum Transparenz in den Markt zu bringen ist. Das führt dazu, dass sowohl derjenige recht hat, der von horrenden Beitragssteigerungen spricht, als auch derjenige, der die Entwicklung insgesamt als moderat ansieht. Ein 63 Jahre alter Bestandskunde mit dem Tarif Royal des Münchener Vereins zahlt im kommenden Jahr 54 Prozent mehr für seine Police. Statt 448 Euro sind es dann 691 Euro. Das Unternehmen leidet unter einem schrumpfenden Bestand. Unter den 47 deutschen PKV-Unternehmen hat der Tarif die prozentual und absolut höchsten Beitragsanpassungen, wie eine Auswertung des Analysehauses KVpro für diese Zeitung belegt.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um die Beitragsanpassungen gibt es Auseinandersetzungen zwischen Maklern, die sich auf Tarifwechsel-Beratung spezialisiert haben, und dem PKV-Verband. Auslöser war ein Artikel auf dem Internetportal „Spiegel Online“, der eine Liste der extremsten Ausschläge bei Neugeschäftsbeiträgen analysiert hatte. Der Verband legte danach Nebelkerzen aus. Extreme Schwankungen führte er in auf die Einführung der Unisex-Tarife zurück. Dabei hatte die Analyse diesen Effekt explizit ausgeklammert und sich auf die von den Unternehmen kalkulierten Neugeschäftsbeiträge alter Bisex-Tarife bezogen. Am aussagekräftigsten werden Zahlenvergleiche, wenn man für alle Tarife dasselbe Ausgangsalter eines Kunden zugrunde legt - in unserer Analyse sind das 35 Jahre alte (männliche und weibliche) Kunden. Ausgewählt wurden im aktiven Verkauf befindliche gängige Tarife aller Anbieter. Der Tarif des Münchener Vereins hat nach der KVpro-Analyse sowohl prozentual (plus 30 Prozent) als auch absolut (plus 102 auf 437 Euro) branchenweit den größten Zuwachs. Für Frauen fällt die Steigerung im selben Tarif mit 1,7 Prozent auf 487 Euro moderat aus.

          Einige Anbieter verzichten auf Beitragsanpassungen

          Zweistellige Zuwachsraten hatten unter den 28 untersuchten Tarifen ansonsten bei Männern vier weitere und bei Frauen drei weitere. Auffällig dabei: Weil die Männer-Tarife der Hanse Merkur (KVE2), der Universa (VE1300H und VE200E) und der Württembergischen (ESN) relativ günstig sind, fallen die absoluten Steigerungen mit 28 bis 35 Euro monatlich noch vergleichsweise gering aus.

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          Einige Anbieter haben in diesem Jahr sogar komplett auf Beitragsanpassungen verzichtet: Dazu zählen Marktführer Debeka, die Continentale, Huk Coburg, Inter, LKH, Mannheimer, Signal-Iduna und UKV. Andere wie der prämienstärkste Anbieter DKV wollen ihre Anpassung erst zum 1. April bekanntgeben, um eine Verwirrung angesichts der Unisex-Tarife zu vermeiden. Der Haupttarif der Süddeutschen Krankenversicherung verbilligt sich für Frauen sogar um 1 Prozent, während er für Männer um 5,6 Prozent (27 Euro) teurer wird. Auch Tarife der Barmenia (Comfort 2+) und des Deutschen Ring (Profi S) werden für Frauen günstiger und bleiben für Männer im Beitrag stabil. Umgekehrt ist es bei der Alten Oldenburger, deren Männertarif bei 443 Euro Monatsbeitrag bleibt und deren Frauentarif sich um 5,7 Prozent (546 Euro) verteuert.

          Kein Überblick über geschlossene Tarife

          Insgesamt bestätigen die Zahlen nicht die These, dass die PKV unter einer Beitragsexplosion leidet. Das gilt nach einer Auswertung des Analysehauses Premiumcircle auch für die vergangenen Jahre nicht. In einer Analyse mit dem Institut für Mikrodatenanalyse hatte dieses 2,5 Millionen Tarifbeobachtungen ausgewertet. Das Ergebnis war eine durchschnittliche Steigerung der Neukundenbeiträge von 3,96 Prozent. Im Jahr 2009 betrug der Zuwachs 7,6 Prozent, weil seither bei Vertragswechseln die Alterungsrückstellungen zum Teil mitgenommen werden können. Dieser Sondereffekt gilt für Bestandstarife nicht.

          Keinen Überblick gibt es indes über Tarife, die für den Verkauf inzwischen geschlossen wurden. Sie tragen zum Teil das Problem erheblicher Kostensteigerungen mit sich, wenn gesunde Kunden in andere Tarife wechseln. Nach Auskunft von Branchenexperten gibt es unter diesen geschlossenen Tarifen allerdings auch einige Perlen mit geringen Beitragssteigerungen. Insgesamt führen die meisten Beobachter das Phänomen überdurchschnittlicher Prämienzuwächse auf das Nebeneinander verschiedener Tarife einer Gesellschaft zurück, wodurch die Versichertenkollektive kleiner und anfälliger für statistische Ausreißer werden. Die These wird dadurch gestützt, dass Anbieter wie die Süddeutsche, die Alte Oldenburger und die Debeka, die mit nur je einem Grundtarif für Beamte und Angestellte arbeiten, als besonders beitragsstabil gelten. Dazu trägt auch eine erfolgreiche Kapitalanlage bei, die es erlaubt, mit Überschüssen Kostensteigerungen aufzufangen.

          Quelle: F.A.Z.

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