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Veröffentlicht: 16.10.2012, 11:46 Uhr

Private Finanzen Zu hohe Dispozinsen in Deutschland

Vergleichen lohnt sich im Alltag immer. Erst recht, wenn es um das persönliche Bankkonto und die damit verbundenen Überziehungszinsen geht.

© dapd

Nicht selten sind diese Überziehungszinsen der Banken nicht nur teuer, die Institute verschleiern auch oft ihre Höhe. Diesen Vorwurf erhob die Stiftung Warentest in der November-Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“. „Bis zu 15,32 Prozent Zinsen berechnen Banken ihren Kunden, wenn diese ihr Girokonto überziehen, und das, obwohl sie sich selbst für 0,75 Prozent Geld leihen können“, beklagte die Stiftung am Dienstag in Berlin. Inzwischen liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank sogar nur noch bei 0,5 Prozent, aber der Dispozins im Schnitt noch immer bei 10,5 Prozent.  „Wie hoch der Zinssatz der eigenen Bank ist, erfahren die Kunden jedoch häufig nicht.“

Banken seit längerem in der Kritik

Die Geldinstitute stehen seit längerem wegen der hohen Dispozinsen in der Kritik. Der Vorwurf: Sie gäben ihre eigenen günstigen Konditionen nicht an die Kunden weiter. Der Dachverband der deutschen Banken- und Sparkassenverbände, die Deutsche Kreditwirtschaft, hatte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) versprochen, Kunden über günstigere Alternativen zu informieren und mehr Transparenz zu prüfen.

© reuters Stiftung Warentest kritisiert zu hohe Dispozinsen

Ein Vergleich zwischen Banken lohne sich: Müsse ein Kunde beispielsweise 14,25 Prozent für die Überziehung seines Kontos zahlen, addiere sich das bei einem Soll von 2.000 Euro innerhalb eines halben Jahres bereits auf 142,50 Euro, rechnet die Stiftung vor. Das sei beispielsweise bei der Raiffeisenbank Fischenich-Kendenich in Nordrhein-Westfalen der Fall. Wäre ein Kunde mit der gleichen Summe bei der Deutschen Skatbank im Minus, hätte er über den Zeitraum nur 52,50 Euro an Überziehungszinsen zu zahlen - denn die Bank verlange einen Dispozins von 5,25 Prozent.

Dispozinsen an EZB-Leitzins koppeln

Neben dem hohen Zins selbst prangerte die Stiftung auch die Intransparenz der Kreditinstitute an. Nur 357 von 1.566 befragten Banken hätten ihre Dispo-Konditionen freiwillig mitgeteilt, erklärte die Stiftung. Für 588 weitere Institute hätten die Tester teils „detektivische Methoden“ anwenden müssen, um den aktuellen Zinssatz zu ermitteln. Bei einem Drittel der Banken seien die Konditionen gar ganz im Dunkeln geblieben. Es sei zu vermuten, dass diese 621 Banken besonders hohe Zinsen verlangten, sagte Warentest- Kreditexpertin Stephanie Pallasch.

„Wir fordern daher, die Banken gesetzlich zu verpflichten, auch im Internet einen Preisaushang zu veröffentlichen“, sagte Stiftungschef Hubertus Primus. Sein Vorschlag: Die Dispozinsen auf „ein vernünftiges Niveau“ senken und dann nach festen, transparenten Kriterien an den Leitzins der EZB koppeln.

Quelle: FAZ.NET, dapd, dpa

 

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