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Preissteigerung Wen trifft die Inflation?

 ·  Viele Menschen haben Angst vor steigenden Preisen. Doch nicht jeder leidet gleichermaßen. Drei Beispielfälle.

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Der Hausbesitzer mit der Vorliebe für Aktien

Noch muss sich niemand fürchten: Die Inflationsrate in Deutschland lag zuletzt bei 2,1 Prozent. Aber wenn es hart auf hart kommt und die Preise zulegen, steht vor allem eine Gruppe gut da - die Schuldner. Und zu denen zählen hierzulande besonders die Hausbesitzer. Wer in den eigenen vier Wänden wohnt und noch einen Baukredit zurückzahlen muss, kann also frohlocken: Eine höhere Inflation macht die Rückzahlung faktisch günstiger. Hinzu kommt: Wohin auch immer die Teuerungsrate treibt - das eigene Haus ist ein Sachwert, dem sie nichts anhaben kann. Denn wer nicht die Absicht hat, sein Haus weiterzuverkaufen, braucht sich auch um dessen Wertentwicklung nicht allzu viele Gedanken machen. Natürlich müssen auch Hausbesitzer gewarnt sein: Regierungen denken sich in schwierigen Zeiten gern neue Abgaben für Wohneigentümer aus. Trotzdem sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank: „Die selbstgenutzte Immobilie bietet sehr guten Inflationsschutz.“

Noch besser wird der Schutz, wenn der Hausbesitzer einen großen Anteil seines Vermögens in Aktien hält. Denn Unternehmen, besonders solche mit starker Marktmacht, können die Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben - ein Anstieg der Inflation ist für sie weniger problematisch. Allerdings muss man einräumen: Gehen die Preise richtig durch die Decke, wird die Wirtschaft von großer Unsicherheit erfasst. Dann geben auch die Aktienmärkte nach.

Fazit: Abgesehen von solchen Extremfällen gilt: Aktiendepot und eigenes Haus - eine bessere Kombination gibt es bei Inflation nicht.

 

Der Mieter mit gutgefülltem Sparkonto

Es ist eine stattliche Zahl: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes haben die Deutschen im Jahr 2011 insgesamt mehr als 340 Milliarden Euro für die Miete ihrer Wohnungen ausgegeben. Sie ist einer der größten Ausgabenblocks der privaten Haushalte. Mieterhöhungen spüren die Menschen daher besonders.

Allerdings sind die Auswirkungen nicht so stark, wie sich zunächst vermuten ließe: Denn unkontrolliert in die Höhe schnellen darf die Miete auch bei steigender Inflation nämlich nicht. Sie muss sich vielmehr an ortsüblichen Preisen der vergangenen Jahre orientieren: Die sind in den sogenannten Mietspiegeln festgehalten. Zudem ist es aus Sicht mancher Experten durchaus vorstellbar, dass die Politik harte Preisobergrenzen festlegt - der jüngste Vorstoß der SPD geht in diese Richtung. Bei Neuvermietungen steigen die Mieten allerdings deutlicher. Wer häufig umzieht, ist also stärker betroffen.

Spätestens beim Blick auf das Sparkonto gilt: Hier schlägt die Inflation mit voller Wucht zu. Früher federten zumindest Tagesgeldkonten die Teuerung noch ein wenig ab. Bei höherer Inflation stiegen nämlich in aller Regel auch die Zinssätze an, die die Banken ihren Kunden boten. Damit sei heute nicht mehr zu rechnen, sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank. Dies hat mit der Politik der Notenbanken zu tun, die seiner Überzeugung nach den Leitzins auch bei höherer Inflation niedrig halten werden - eine Geldpolitik zugunsten der verschuldeten Staaten und zu Lasten der Sparer. Denn dann erhöhen auch die Banken die Zinsen für ihre Kunden nicht.

Fazit: Ein Mieter mit viel Erspartem hat es bei hoher Inflation schwer.

 

Der Vermieter mit viel Gold im Depot

Wenn schon Hauseigentümer von Inflation weniger betroffen sind, muss dies für die Besitzer mehrerer Immobilien doch umso stärker gelten, könnte man meinen. Doch die Rechnung ist so einfach nicht: Denn zum einen können Vermieter ein höheres Preisniveau eben nicht einfach in vollem Umfang an ihre Mieter weitergeben - ein totaler Inflationsschutz lässt sich auf diesem Wege also nicht erreichen. Zumal die Hausbesitzer ihre Mieter zwar an höheren Betriebskosten für Strom und Gas beteiligen dürfen, aber eben nur bedingt an jenen Ausgaben, die beim Besitz eines Hauses immer anfallen - etwa den Kosten für größere Reparaturen wie die Dachrenovierung.

Wer auch mit der Absicht in die Häuser investiert, sie in Zukunft wieder zu verkaufen, ist ebenfalls nicht automatisch gegen die Inflation gefeit: Denn auch bei steigenden Teuerungsraten hängt die Preisentwicklung eines einzelnen Hauses immer noch wesentlich von einem Punkt ab - seiner Lage. Viele Immobilien in ländlichen Gegenden beispielsweise könnten Wertverluste erleiden.

Hausbesitzer, die solche Unsicherheiten durch Investitionen in Gold ausgleichen möchten, machen aus Sicht der meisten Experten das Richtige: Denn Gold ist ein knappes Gut und behält seinen Wert auch dann, wenn das Vertrauen ins Papiergeld wegen hoher Inflationsraten leidet. Zwar wirft das Edelmetall keine Zinsen ab. Das aber ist kein Nachteil in Zeiten, in denen die Notenbanken die Leitzinsen niedrig halten dürften. Allerdings können Goldanleger vor einem nie sicher sein - dass der Staat den Besitz mit höheren Abgaben belastet.

Fazit: Die Kombination aus Mietshäusern und Gold ist bei Inflation keine schlechte - es gibt aber Einschränkungen.

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12.01.2013, 19:21 Uhr

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