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Pferde kaufen Vorsicht vor Rosstäuschern

 ·  Die Stuten werden zu selten gedeckt. Deshalb wachsen zu wenig Fohlen nach. Ausgerechnet jetzt erhöht die Bundesregierung auch noch die Steuer. Ein Ausflug in die teure Pferdewelt.

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Ein Goldstück für den Turniersport, so preist ein Verkäufer auf der Internetseite Ehorses.de seine achtjährige Stute an. Da will man doch weiterlesen: Das Tier sei im Profi-Reitstall bestens ausgebildet, gelehrig und ehrgeizig, heißt es in der Annonce. „Wegen Schwangerschaft zu verkaufen.“ Ein guter Grund. Und hübsch sieht das Tier auch noch aus, wie die Fotos auf der Seite zeigen: fuchsfarben, eine breite Blesse im Gesicht, ein prächtiger Schweif. Die will ich!

Jedes Jahr werden in Deutschland bis zu einhunderttausend Pferde verkauft auf Auktionen, Onlinebörsen oder über Inserate in Pferdemagazinen. Vom Shetland-Pony bis zum Turnierchampion ist alles zu haben. Die Preisspanne zwischen 300 Euro für ein klappriges Tier „mit Gewährsmängeln“ bis zu einer halben Million für erfolgreiches Turnierpferd mit Zuchttperspektive. Käufer sind die Ponymädchen beziehungsweise deren Eltern, die leidenschaftliche Pferdefreunde und Geschäftsleute. In drei von vier Fällen wird das Pferd für die Frau im Haus gekauft. Doch Vorsicht vor Rosstäuschern, Pferde kaufen ist ein riskantes Geschäft. Erst in der Praxis zeigt sich der Wert des Tieres. Das lernen Jugendliche, die ein bockiges Pferd wegen des glänzenden Fells gekauft haben. Doch vor dieser Erkenntnis sind auch die Profis nicht gefeit. Für den Wunderrappen Totilas soll der Unternehmer Paul Schockemöhle zehn Millionen Euro überwiesen haben. Kein Spring- oder Dressurpferd hat bisher zu einem höheren Preis den Besitzer gewechselt. Doch die sportliche Leistung des Dressurpferdes lässt derzeit zu wünschen übrig.

Aufs richtige Pferd setzen

Totilas ist ein Extremfall. Aber er zeigt Pferdefreunden, wie das Geschäft funktioniert: Es geht um Geld, Erwartungen und Risiko. Ein Pferd ist kein Tennisschläger, es kann auch mal in schlechter Form sein, sich verletzen, für eine Weile ausfallen. Die Stute Poetin war mit einem Verkaufspreis von 2,5 Millionen Euro das teuerste Reitpferd, bis Totilas kam. Ein Top-Dressurpferd, eine vielversprechende Zuchtstute. Zwei Jahre nach dem Verkauf starb sie plötzlich an einer Krankheit. Alle Käufer gehen ein Risiko ein, gleich ob sie sportliche Erfolge feiern oder bloß über Wiesen und Felder galoppieren wollen. Nur der Einsatz unterscheidet sich.

Der Markt bietet allen Reitstilen etwas: Die meisten sind Hannoveraner, Westfalen, Oldenburger und Holsteiner, das sind die vier populärsten Warmblutrassen. Aber auch bei der Suche nach Islandponys, Barockpferden oder Haflingern werden Interessenten fündig. Der Handel mit Rennpferden interessiert hierzulande indes kaum - das Geschäft mit den superteuren Pferden wird vor allem auf dem angelsächsischen Markt gemacht.

Züchter erzielen mit Durchschnittspferden nur geringe Preise

Sportpferde sind heute viermal so teuer wie noch in den siebziger Jahren (siehe Grafik). Aber das sind die Summen, die auf den Auktionen der großen deutschen Zuchtverbände erzielt wurden, besonders gute Pferde werden dort versteigert; „Knaller“, sagt man in der Branche.

Viele Züchter erzielen für ihre normalen Durchschnittspferde viel niedrigere Preise. Meistens können sie mit ihnen noch nicht einmal ihre Kosten decken. 13.000 Euro kostet nach den Schätzungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) die Aufzucht eines gut ausgebildeten Dreijährigen: darin Deckkosten, den Unterhalt der Mutter-Stute, Futter, Tierarzt, Versicherung und Ausbildung.

Eine Stute bedecken zu lassen, lohnt sich kaum noch

Aus Sicht der Züchter sind die Preise viel zu niedrig. Deshalb gehen die Bedeckungszahlen seit Jahren zurück, glaubt man bei der FN. Im vergangenen Jahr wurden 37.085 Stuten gedeckt - 2008 waren es noch 52.829 Stuten gewesen.

Eine weitere Belastung für die Züchter und Pferdehändler kommt aus Brüssel: Auf Druck des Europäische Gerichtshofs hat die Bundesregierung diese Woche beschlossen, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Pferde abzuschaffen; vom 1. Juli an gilt auch beim Pferdehandel der reguläre Satz von 19 Prozent.

Zuchtpferde werden zwischen 25.000 und 40.000 Euro versteigert

Die Konsequenz für den Käufer: Es wird schwerer, gute Pferde zu finden. Das sind Tiere, die auf Schenkeldruck reagieren und nicht Reißaus nehmen, wenn ein Auto vorrüberfährt.

Ein solches Pferd findet man am sichersten auf einer Auktion. Es ist der seriöseste - und teuerste Weg -, sich ein Pferd zu kaufen. Interessenten haben die Möglichkeit, die Pferde vorher auszuprobieren, sie erfahren, aus welchem Stall das Tier stammt und wie es ausgebildet wurde. Das luxuriöse Marktsegment bedient Paul Schockemöhle mit der Reitpferdeauktion Performance Sales International (P.S.I.). Dort hat im vorigen Jahr im norddeutschen Ankum ein Pferd im Durchschnitt 270.000 Euro gekostet. Ankum ist etwas für Betuchte, Profi-Reiter und ihre Mäzene. Nicht bei allen Versteigerungen sind die Preise so hoch: Bei den Auktionen der großen deutschen Zuchtverbände kosten die Pferde zwischen 25.000 und 40.000 Euro.

Videos vom Pferd erleichtern die Kaufentscheidung

Wem auch das noch zu teuer ist, kann sein Glück im Annoncen-Teil der mehr als 60 deutschen Fachzeitschriften oder im Internet (Ehorses.de, Pferde.de) versuchen. Dort mag die schiere Masse zunächst erschlagen: Mehr als 16.000 Exemplare werden derzeit bei Ehorses.de am Tag angeboten. FN-Sprecherin Susanne Hennig rät, sich von den Verkäufern stets ein Video schicken zu lassen. Denn in den Annoncen werde häufig zu viel versprochen: Die „super ausgebildete, bildhübsche, kerngesunde und extrem rittige fünfjährige Stute“ oder ähnlich angepriesene Prachtexemplare entpuppten sich beim Besichtigungstermin bisweilen als Klepper.

Beim Pferdekauf sind Emotionen im Spiel, da ist es gut, sich beraten zu lassen, zum Beispiel von seinem Reitlehrer. Er ist in der Regel nicht nur ein Pferdekenner, sondern vermag auch einzuschätzen, ob Pferd und Reiter zusammen passen. Oder man wendet sich gleich an einen professionellen Makler. „German Horse Center“ bietet zum Beispiel - auch internationalen Kunden - Einkaufstouren durch deutsche Ausbildungsställe und Zuchtbetriebe an. Es wird mit einem Sorglos-Paket geworben: Interessenten können einen Trainer buchen und bekommen juristische Unterstützung beim Kaufvertrag. Dafür nimmt „German Horse Center“ eine Provision.

Kost und Logis

Ist das Pferd endlich gekauft, stehen aber noch weitere Kosten an: Das neue Zuhause für den Vierbeiner hängt von den Wünschen des neuen Besitzers ab. Mehr als 9000 Betriebe bieten Pferden in Deutschland Kost und Logis. Viele haben auch eine Reithalle, Außenreitplätze, Führanlagen, manche Solarien.

Die Mieten unterscheiden sich je nach Ausstattung und je nach Region: Im Emsland oder Westfalen kann man sein Pferd für 250 Euro im Monat unterstellen - in Frankfurt, Stuttgart oder München kostet die Stallmiete bis zu 1000 Euro.

Rent a horse

Pferdesportler geben für ihre Leidenschaft jährlich 2,6 Milliarden Euro aus. Die FN beziffert den Gesamtumsatz der Branche auf 5 Milliarden Euro im Jahr. Denn Pferde und Reiter sind anspruchsvoll, benötigen vom Sattel bis zum Hufauskratzer, vom Schmied bis zum Tierarzt allerlei Equipment und Dienstleistungen. Unzählbar sind übrigens auch die Stunden, die man bei seinem Pferd am Stall verbringt.

Das Glück auf Erden lässt sich aber auch einfach mieten: Für eine verhandelbare Summe können sich Reiter an den Haltungskosten eines Pferdes beteiligen, da ist die Verantwortung nicht ganz so groß. Denn auch vieles im Leben einer Reiterin ist nicht kalkulierbar: Sie interessiert sich plötzlich für Tennis, hat auf einmal mehr Arbeit als Freizeit oder könnte schwanger werden.

Gewusst wie

Ein Pferd kaufen und unterhalten

1. Preisklassen

Wem Abstammung und gute Rittigkeit egal sind, mag mit einem Pferd zu 300 Euro zufrieden sein. Der Preis für ein gut ausgebildetes Tier fängt bei ein paar tausend Euro an. Die Grenze nach oben ist, wie unsere Top-3 zeigen, im Prinzip offen.

2. Kost & Logis

In der Scheune des Bauern kommt ein Pferd für 50 Euro unter. Wer einen Stall mit einer Reithalle und Reitplätzen im Freien sucht, muss mit monatlichen Kosten zwischen 250 Euro (Münsterland) und 1000 Euro (Frankfurt, Stuttgart, München) rechnen.

3. Equipment

Reiter benötigen eine Reithose (etwa 30 bis 150 Euro), Reitstiefel aus Gummi (etwa 40 Euro) oder Leder (150 bis 400 Euro) und einen Helm (mindestens 50 Euro). Hinzu kommen Sattel (500 bis 5000 Euro), Trense (mindestens 100 Euro) und weitere Ausrüstung: Satteldecken, Halfter, Bandagen, Reitgerten, Sporen, Stalldecken, Fliegenschutzhäubchen ...

4. Pflege

Das Ausschneiden der Hufe beim Schmied ist monatlich fällig (ca. 45 Euro). Sind alle Hufe mit Eisen beschlagen, wird es teurer (mindestens 150 Euro). Eine Wurmkur muss viermal im Jahr verabreicht werden (ca. 20 Euro). Wenn ein Pferd krank ist, können die Behandlungskosten des Tierarztes schnell explodieren.

5. Sport

Reitlehrer nehmen für eine Unterrichtsstunde zwischen 5 und 25 Euro; Einzelstunden kosten mindestens 50 Euro. Turnierreiter benötigen einen Anhänger (Neupreis etwa 5000 Euro), einen Turnierdress und zahlen Startgebühren.

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